Telekommunikation: Offene Mobilfunknetze: Internet-Telefonie auf dem Handy

Telekommunikation: Offene Mobilfunknetze: Internet-Telefonie auf dem Handy

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Jean-Jaques Sahel ist seit 2008 europäischer Cheflobbyist bei Skype. Zuvor hat er für die britische Regierung den Wirtschaftsstandort Großbritannien vermarktet.

Der Cheflobbyist des Internet-Telefonie-Diensts Skype, Jean-Jacques Sahel, spricht im WirtschaftsWoche-Interview über den Druck auf Mobilfunker, damit die ihre Netze öffnen.

WirtschaftsWoche: Herr Sahel, Sie kämpfen seit Monaten dafür, dass Mobilfunker wie T-Mobile das Handynetz für Ihren Internet-Telefonie-Dienst Skype öffnen – mit Erfolg?

Sahel: Politik und Öffentlichkeit wurde in den letzten Wochen bewusst, dass das Internet nicht eingeschränkt werden darf. Viele dachten, die EU hat ein sehr gutes Wettbewerbsrecht und eine gute Wettbewerbsdynamik, dass Netzbetreiber Dienste blockieren, sei unmöglich. Jetzt sehen sie, dass das nicht stimmt.

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Nimmt nun der Druck auf die Netzbetreiber wirklich zu?

Die EU-Kommission hat sich ja gerade dazu geäußert, dass Mobilfunker ihre Netze uns gegenüber abschotten. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes beobachtet dies genau, und es läuft eine Untersuchung. Wichtiger aber ist ihr Verweis auf die neue Roaming-Regulierung. Demnach darf die Kommunikation über Internet nicht behindert werden, weil sie eine Alternative zum teuren Roaming sei, heißt es in der Vorschrift. T-Mobile hatte im März angekündigt, Skype in eigenen WLAN-HotSpots und im Mobilnetz zu unterbinden. Das kann T-Mobile nun nicht mehr willkürlich tun.

Hoffnung auf offenen Zugang für Skype

Doch im Handynetz blockieren die Netzbetreiber die Internet-Telefonie nach wie vor oder wollen satte Extragebühren verlangen.

Das stimmt, aber Informationskommissarin Vivian Reding hat angekündigt, den Schutz eines offenen Internets in der neuen Universaldienstrichtlinie festzuschreiben. Das würde nationale Regulierer ermächtigen, minimale Servicequalitäten wie die Verfügbarkeit von Internet-Kommunikation vorzuschreiben. Das ist das erste Mal, dass die EU so deutlich verlangt, dass Nutzer im Internet nicht nur das tun dürfen, was den Anbietern passt.

Die Umsetzung dürfte dauern.

Der Weg braucht weniger Zeit als ein Wettbewerbsverfahren. Mit dem müssten unsere Nutzer und wir zu lange warten, bis die Diskriminierung endet. Die Richtlinie wird zwar nicht vor Jahresende akzeptiert und muss in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Wir sprechen auch hier von ein paar Jahren. Doch die Mobilfunker werden sich wohl früher darauf einstellen.

Warum sollten sie das tun?

Wäre ich Netzbetreiber, würde ich handeln. T-Mobiles Hauptumsatztreiber ist das mobile Internet. Warum maximieren die das Wachstum nicht, indem sie die Leute nutzen lassen, was sie wollen? Stattdessen beschränken noch immer alle deutschen Mobilfunker die Internet-Kommunikation, das haben wir vor wenigen Tagen überprüft.

Das spricht für keine schnelle Lösung.

Während einige Anbieter planen, Kunden für die Nutzung von Skype zusätzlich zur Kasse zu bitten, macht uns die Ankündigung des Mobilfunkers O2 Mut, dass es auch andere Überlegungen gibt. Wir hoffen, dass dessen Aussage, Kunden über das Internet tun zu lassen, was sie wollen, im offenen Zugang zu Skype mündet.

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