Tierfutter: Dioxin-Fund löst Debatte über Kontrollen aus

Tierfutter: Dioxin-Fund löst Debatte über Kontrollen aus

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Eier

Mehr als 1000 Bauernhöfe sind wegen Dioxin im Tierfutter gesperrt. Die Behörden suchen nach den Schuldigen. Politiker und Landwirte diskutieren über Kontrollen.

Die Dioxin-Funde in Eiern und Futtermitteln haben eine Debatte über Art und Umfang der Kontrollen ausgelöst. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium bezeichnete die bisherigen Bestimmungen zum Schutz der Verbraucher als ausreichend. Die Art der Kontrollen müsse allerdings diskutiert werden, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag.

In Niedersachsen sind derzeit rund 1000 Höfe vorsichtshalber gesperrt - und damit viel mehr als in anderen betroffenen Bundesländern. Das giftige Dioxin soll über verseuchtes Futter auf viele Bauernhöfe in mehreren Bundesländern gelangt sein. Neben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind mindestens auch Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen betroffen. Es könne nicht alles überall kontrolliert werden, erläuterte der Sprecher in Niedersachsen. „Aber wir müssen mehr daran arbeiten, dass jeder Teilnehmer in der Kette von der Herstellung bis zur Fütterung sich seiner Verantwortung bewusst ist“, sagte er. Wer beispielsweise Fett liefere, müsse sich darüber im Klaren sein, dass er auch für die Gesundheit des Verbrauchers mitverantwortlich sei.

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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Tierfutterhersteller

Tierfutter der Firma Harles & Jentzsch aus Schleswig-Holstein war nach bisherigen Erkenntnissen mit Dioxin verseucht. Denn bei der Produktion wurde dort eine Fettsäure verwendet, die eigentlich nur für technische Zwecke bestimmt war. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Tierfutterhersteller eingeleitet. Dem Verantwortlichen werde ein Verstoß gegen das Futtermittelgesetz vorgeworfen, sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper. Ob die Vorwürfe noch auf weitere Mitglieder des Unternehmens ausgeweitet würden, sei noch offen. Im Falle eines Schuldspruchs drohen den Betroffenen bis zu drei Jahren Haft oder eine Geldstrafe, erläuterte Döpper.

"Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist," sagte der Geschäftsführer des Futterfett-Lieferanten Harles & Jentzsch, Siegfried Sievert, dem "Westfalen-Blatt". Das belastete Tierfutter wurde bundesweit an Legehennen, Puten, Schweine und Ferkel verfüttert. Bundesweit wurden deshalb über tausend Tiermastbetriebe geschlossen. Wie ein Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit der Zeitung sagte, war das verwendete Mischfett eigentlich klar für den technischen Gebrauch gekennzeichnet.

Der Biodiesel-Hersteller Petrotec sieht daher sein Produkt missbraucht. „Die Petrotec AG leistet durch die Produktion von Biodiesel aus Altspeisefetten einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz“, teilte das Unternehmen mit. „Daher sind wir sehr betroffen, dass nun offensichtlich durch ein anderes Unternehmen unser Produkt missbräuchlich verwendet wurde.“ Petrotec wolle die Behörden nach Kräften bei der Aufklärung des Skandals unterstützen.

„Wir haben in sämtlichen Verträgen, Lieferscheinen und Rechnungen stets darauf hingewiesen, dass die Mischfettsäure aus Altspeisefett nicht für die Lebens- und Futtermittelindustrie, sondern ausschließlich zur technischen Verwendung bestimmt ist“, hieß es. Der Vorfall solle zum Anlass genommen werden, die Kunden der Petrotec AG noch einmal eindringlich auf den richtigen Gebrauch der Produkte hinzuweisen. Der Biodiesel-Hersteller hatte den Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch in Schleswig-Holstein bereits am Montag kritisiert. Dessen Geschäftsführer Siegfried Sievert hatte die Biodiesel-Anlage der Petrotec AG als Quelle des Dioxins genannt. Die Petrotec AG erklärte, sie prüfe, ob sie rechtlich dagegen vorgehen werde.

Konsequenzen aus Dioxonskandal gefordert

Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) forderte unterdessen Konsequenzen für die Verantwortlichen der Dioxinverseuchung. „Das ist schon ein Skandal, und hier muss es jetzt auch die Diskussion über politische Konsequenzen geben“, sagte er am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. „Das heißt, dass wir zumindest über einen Teil der Kette reden müssen, ob die Kontrollen ausreichend sind.“

Zu den Risiken für die Verbraucher sagte Remmel: „Wir haben, glaube ich, keine akute Gefährdung, aber Dioxin gehört einfach nicht in die Nahrung.“ Dioxin kann unter anderem Krebs auslösen. 14 Betriebe in Nordrhein-Westfalen dürfen derzeit weder Eier noch Fleisch ausliefern, weil sie belastetes Futter verwendet haben. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der kleinere Höfe angehören, verlangte mehr Transparenz. „Das heißt konkret zu klären, wie die Wege bei der Futtermittelherstellung verlaufen, welche Futtermittelzutaten woher kommen und genaue transparente Angaben über die Zusammensetzung eines Futtermittels gewährleisten“, sagte AbL-Chef Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf.Harles & Jentzsch kaufte nach eigenen Angaben jahrelang Reste aus der Biodieselherstellung sowie der Nahrungsmittelindustrie auf und verarbeitet sie für Viehfutter.

Der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Gefläügelwirtschaft (ZDG), Gerhard Wagner beruhigt die Verbraucher: „Trotz des in Umlauf gebrachten mit Dioxin belastetem Futtermittel muss kein Verbraucher auf Eier und Geflügelfleisch verzichten. Die deutsche Geflügelwirtschaft weist entschieden die Empfehlung der Verbraucherverbände zurück, aktuell keine Eier und Geflügelfleisch zu verzehren“, so Wagner weiter. Im konkreten Fall haben die Schutzmaßnahmen frühzeitig gegriffen und es ist mehr als übertrieben, pauschal die Erzeugnisse aus der Geflügelwirtschaft unter Verdacht zu stellen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass  der gelegentliche Verzehr von Lebensmitteln oberhalb des amtlich vorgegebenen Grenzwertes gesundheitlich unbedenklich ist.

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