TomTom-Chef Harold Goddijn: "Wir fürchten die neue Konkurrenz nicht"

TomTom-Chef Harold Goddijn: "Wir fürchten die neue Konkurrenz nicht"

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Harold Goddijn REUTERS/Mal Langsdon

von Thomas Kuhn

TomTom-Chef Harold Goddijn erklärt, mit welchen Navigationsdiensten er der zunehmenden Gratiskonkurrenz begegnen will.

WirtschaftsWoche: Wenn in Zukunft jedes bessere Handy zum kostenlosen Navigator mutiert, wer kauft dann noch TomTom-Navis?

Goddijn: Solche Gratisdienste gibt es längst. Aber sie haben nicht dazu geführt, dass die Menschen keine Navigationsgeräte mehr kaufen. In Funktionalität und Bedienbarkeit entsprechen die Angebote offenbar nicht dem, was die Kunden erwarten.

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Das dürfte sich ändern, wenn Branchengrößen wie Nokia oder Google einsteigen.

Wir fürchten die neue Konkurrenz nicht. Dass Handys inzwischen auch Fotos machen, hat Kompaktkameras nicht obsolet gemacht. Und nur weil Mobiltelefone heute auch Musik abspielen, vergammelt der iPod nicht im Regal.

Das klingt eher angestrengt optimistisch.

Ich denke, die Nachfrage nach Navigationsgeräten verschiebt sich nach oben. Kunden mit geringen Ansprüchen mögen sich mit den kostenlosen Diensten zufriedengeben. Wer mehr Komfort will, greift zu Mittel- oder Oberklasse-Navis – und zahlt dafür. Den Trend zu höherwertigen Modellen haben wir 2009 schon in Deutschland gemerkt.

Half das, die Wirtschaftskrise zu kompensieren?

Wir veröffentlichen erst im Februar unsere Geschäftszahlen. Daher bloß so viel: Nicht nur gemessen an den schwierigen Rahmenbedingungen, haben wir uns 2009 gut geschlagen. Wir haben mehr Geräte verkauft als je zuvor, unseren Marktanteil erfreulich entwickelt und die Kosten gesenkt. Die Margen sind okay. Weltweit betrachtet sind wir mit Garmin auf Augenhöhe. Die dominieren den US-Markt, wir Europa.

Einsteigergeräte gibt es für weniger als 100 Euro, Top-Navis kosten bis zu 400 Euro. Wie rechtfertigen Sie den Aufpreis gegenüber den Gratisdiensten?

Die Menschen wollen schnell und ökonomisch reisen. Wenn es sich mal staut, wollen sie trotzdem auf der günstigsten Route unterwegs sein und so verlässlich wie möglich wissen, wann sie ankommen. Das braucht mehr, als ein paar Pfeile auf einer Karte einzublenden.

Nämlich?

Zum Beispiel betreiben wir mit unserem Verkehrs-info-dienst HD-Traffic enormen Aufwand, um die Verkehrslage exakt und aktuell zu erfassen. Von Staumeldungen der Polizei über GPS-Positionsdaten aus unserem Flottenmanagement-Dienst TomTom Work bis zu Millionen von Bewegungsprofilen von Vodafone-Handys fassen wir Daten zusammen, die wir via Mobilfunk auf unsere Top-Modelle übertragen. Bisher haben wir mehr als 500 Milliarden Verkehrsinformationen verarbeitet. Das ist ein absolut einmaliges und offenbar attraktives Angebot. Im dritten Quartal 2009 hat grob jeder Dritte, der HD-Traffic genutzt hat, sein Abonnement dafür verlängert.

Der Kartenanbieter Navteq, seit 2007 Teil von Nokia, hat 2009 die Telematiksparte der Deutschen Telekom gekauft. So bekommt auch Nokia Zugriff auf Bewegungsprofile von T-Mobile-Handys. Was dann?

Ich habe nie erwartet, den Dienst ewig exklusiv zu haben. Aber die Konkurrenz muss sich anstrengen. HD-Traffic marktreif zu bekommen war gar nicht trivial.

Bleibt HD-Traffic auf Dauer exklusiv, oder vermarkten Sie den Dienst auch an Dritte?

Wir prüfen jede vernünftige Form der Vermarktung und stehen in Verhandlungen mit mehreren Interessenten – vom Auto- bis zum Handyhersteller.

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