Topraks Technik Talk: Die Schweizer Daten-Bank

kolumneTopraks Technik Talk: Die Schweizer Daten-Bank

Bild vergrößern

Überwachung im Namen der Korruptionsbekämpfung: Bei der Deutschen Bahn wurden Daten von 173.000 Mitarbeiter abgeglichen

Kolumne

Schnüffelskandale bei Telekom und Bahn schrecken die Datenschützer auf. Doch wiwo.de-Autor Mehmet Toprak glaubt, dass die Privatsphäre noch nicht verloren ist. Das beste Vorbild sind Schweizer Banken.

Willkommen im Gläsernen Zeitalter. Auf Wiedersehen, liebe Privatsphäre. Eine andere Schlussfolgerung kann man wohl kaum ziehen, betrachtet man die Datenschutzskandale der letzten Wochen. Angeblich 140.000 Gehaltskonten hat die Deutsche Telekom im Frühjahr 2006 durchleuchten lassen; im Zuge der Betrugsbekämpfung wie es heißt. Bei der Bahn waren es 173.000 Mitarbeiter, deren Daten im Namen der Korruptionsbekämpfung abgeglichen wurden.

Angesichts des gigantischen Ausmaßes der Kontrollen ist es schwer zu glauben, dass Gesetze hier noch etwas ausrichten können. Die moderne Computertechnik ist spielend in der Lage, die kompletten Daten von tausenden Menschen nach allen Regeln der Kunst zu analysieren. Schnelle Glasfaserleitungen, rechenstarke Prozessoren, Festplatten mit Kapazitäten im Terabyte-Bereich und intelligente Software erledigen das in Minutenschnelle. Die Digitaltechnik leuchtet unser Leben gnadenlos aus.

Anzeige

Datenschützer auf verlorenem Posten

Wenn die Technik so überwältigend mächtig ist und gleichzeitig der Nutzen der Überwachung für Staat und Wirtschaft so verlockend groß, dann haben die Hüter der Privatsphäre schlechte Karten. Die Forderung des Datenschutzbeauftragten Peter Schaar nach einem Schutzgesetz für Arbeitnehmer wirkt wie ein Rückzugsgefecht. Die Forderung ist aber natürlich deshalb sinnvoll, weil sie eine gefährliche Entwicklung etwas bremst und Zeit gewinnt. Aber der nächste Schnüffelskandal kommt garantiert. Bis wir uns eines Tages daran gewöhnt haben.

Eine Gesellschaft ohne Geheimisse und ohne Privatsphäre. Das stimmt natürlich nicht. Denn es gibt noch Dinge, die einen ganz hervorragenden Schutz genießen. Zum Beispiel die Konten auf den Schweizer Banken.

Bei Geld ist Privatsphäre heilig

Kleinverdiener wie ich wissen nicht mal, wie diese Banken heißen, geschweige denn wie die innen aussehen. Gibt's da so was wie eine Schalterhalle? Lassen die mich überhaupt rein? Wessen Geld da lagert und wie viel, das dringt nie ans Licht der Öffentlichkeit. Ähnliches gilt für die dubiosen Finanzinstitute in den berühmt-berüchtigten Steueroasen. Wenn es ums Geld geht, genauer gesagt, um Vermögenswerte in Millionenhöhe, dann ist Diskretion Trumpf und Privatsphäre heilig. Man kann sich darüber ärgern, dass Steuerhinterzieher oder afrikanische Diktatoren ihre Milliarden auf Offshore-Finanzplätzen wie den Kaiman-Inseln verstecken, man kann aber vielleicht auch etwas davon lernen.

Datenschutz ist nämlich durchaus möglich und zwar auch ohne Gesetze. Dazu muss eigentlich nur eine Voraussetzung gegeben sein: Wer Informationen speichert, muss ein Interesse daran haben, dass diese geheim bleiben. So wie die Banken in den Steueroasen, die davon leben, dass ihre Kunden unbehelligt bleiben.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%