Topraks Technik Talk: Digitaltechnik gegen Waffenhandel

kolumneTopraks Technik Talk: Digitaltechnik gegen Waffenhandel

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Analoge Waffentechnik - wie diese Pistole - sollte der Vergangheit angehören.

Kolumne

Die Digitalisierung der Waffentechnik fordert WiWo-Autor Mehmet Toprak: Krieg im Gazastreifen, Rebellen-Terror im Kongo oder im Sudan. Diese grausamen Konflikte lassen sich politisch kaum lösen, aber mit der geforderten Digitalisierung verhindern oder besser kontrollieren.

Eigentlich wollte ich über PC-Killerspiele schreiben. Aber dann kam der Krieg zwischen Israel und der Hamas dazwischen. Da tobt ein Kampf mit Artilleriegefechten, Raketenwerfern, Häuserkämpfen und Bunkerbomben. Alles was das Herz des PC-Killerspielers begehrt, nur in echt. Angesichts dieses Grauens erscheint eine launige Betrachtung über Computerspiele ziemlich deplatziert.

Woher haben eigentlich all die Rebellen- und Terrororganisationen im Nahen Osten, Afrika oder sonst wo ihre Waffen her? Da fehlt es an Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Zucker oder Speiseöl, aber an Waffen und Munition ist nie Mangel. Da kann man lange und fruchtlos klagen; über Rüstungsindustrie als profitablen Wirtschaftszweig und den fehlenden politischen Willen, dieses Geschäft zu stoppen.

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Ich behaupte, dass die Digitaltechnik heute schon die Möglichkeit bietet, bewaffnete Konflikte zu kontrollieren oder sogar im Vorfeld zu verhindern.

Überwachung des Waffenhandels

Der erste Schritt ist die Überwachung. Diese ist im zivilen Alltagsleben schon überall präsent. Wer heute mit Payback-Karte einkauft, E-Mails schreibt und Urlaubsfotos auf Myspace hochlädt oder in die USA fliegt, wird immer irgendwo registriert, gespeichert und dokumentiert. Unser Privatleben und unser Konsumverhalten werden heutzutage nach allen Regeln der Kunst ausspioniert. Es ist grotesk: Wer im Supermarkt ein Päckchen Kaugummi kauft, steht unter Beobachtung. Aber was die länglichen Holzkisten verbergen, die irgendwo in einem afrikanischen Hafen von einem Frachter geschleppt werden, interessiert keinen. Wie wärs, wenn die Schäubles dieser Welt ihre Überwachungseifer einmal auf die lenken würden, die diese Aufmerksamkeit wirklich verdienen, nämlich die Waffenhändler. Zugegeben, leicht ist das nicht. Denn diese Leute benutzen keine Payback-Karten und nehmen auch nicht an Preisausschreiben teil.

Kontrolle nach dem Kauf

Der zweite Schritt wäre die Kontrolle des Produkts nach dem Kauf. Heutzutage kann man keinen Drucker mehr erwerben, der nicht via Internet "nach Hause telefoniert", also Infos an den Hersteller sendet. Software muss übers Web aktiviert und freigeschaltet werden, neue Features werden per Update zwangsweise auf dem PC des Anwenders installiert. Hmmh, wie wärs, wenn das Maschinenpistole, den Dienst verweigert, wenn sie nicht vom rechtmäßigen Besitzer frei geschaltet wird? Und die Flugabwehrraketen, die Terroristen aus dem Militärlager gestohlen haben, sind dann völlig wertlos.

Noch ein Beispiel: Anwender, die heute Musik-CDs oder DVDs abspielen wollen, müssen sich vielfach mit dem unseligen Digital Rights Management (DRM) herumschlagen. Musik-CDs lassen sich nicht auf dem PC abspielen, DVDs nicht wiedergeben, wenn der Ländercode nicht stimmt und so weiter. Wie wärs mit ein bisschen DRM für Hightech-Waffen? Die Panzerfaust darf eingesetzt werden, aber nur gegen definierte und genehmigte Ziele.

Das Hauptproblem dabei ist natürlich, dass das Gros der Waffen, die heute produziert, verkauft und benutzt werden, technisch noch gar nicht soweit ist. Millionen von Uzis und Kalaschnikows stammen noch aus dem Analog-Zeitalter der Waffentechnik. Und solange es diese primitiven Dinger noch gibt, können sich selbst ernannte Freiheitskämpfer, Rebellen und Bösewichter aller Couleur jeglicher Kontrolle entziehen.

Verbot der alten Waffentechnik

Es ist vermutlich grenzenlos idealistisch, zu glauben, dass sich hier politisch etwas tun wird, aber träumen darf man ja mal. Um einen echten Fortschritt zu erzielen, müsste man die Produktion aller Waffen einstellen, die für digitale Kontrollmechanismen untauglich sind. Das wird irgendwann von selbst passieren, und zwar dann, wenn die Hightech-Systeme so überlegen sind, dass konventionelle Gewehre und Granaten ihren Schrecken verlieren und nutzlos werden.

Krieg per Computerspiel

Und wenn wir schon träumen, dann können wir uns gleich die Kriege der Zukunft ausmalen: Die Entscheidung über Krieg oder Frieden liegt bei den Vereinten Nationen. Bei Konflikten entscheidet ein spezielles UN-Gremium, ob und wenn ja, welche Waffen via Internet freigeschaItet werden. In den Verteidigungssystemen ist nur noch Hightech am Werke, deshalb spielt die Geschicklichkeit der Kämpfer kaum mehr eine Rolle. Die Software entscheidet letztlich, wer den besten Schuss hat. Programmierer und Hacker sind die eigentlichen Kämpfer. Das Ergebnis steht bei jedem Schusswechsel also schon vorher fest. Dann kann man sich das Geballer gleich sparen. Und wer nicht schießt, braucht auch kein Gewehr mehr. Die Rüstungsindustrie ist überflüssig. Die Kriege werden von den Präsidenten und Verteidigungsministern am PC oder an der Playstation ausgefochten. Als Computerspiel. Wer gewinnt, kriegt das Öl. Dann muss kein Mensch mehr sterben, höchstens mal ein Präsident zurücktreten.

Die US-Militärs trainieren Einsätze übrigens heute schon mit PC-Spielen …

Zum Weitersurfen

United Nations

Friedensforschungsinstitut Sipri

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