Topraks Technik Talk: Terror aus dem Baumarkt

Topraks Technik Talk: Terror aus dem Baumarkt

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Mehmet Toprak, IT-Journalist

Was dem Hightech-Fan sein Elektronikmarkt, ist dem Heimwerker sein Baumarkt. Doch wiwo.de-Autor Mehmet Toprak, selbst ein großer Werkzeug-Freund, fürchtet gewisse Produkte aus dem Baumarkt. Vor allem im Herbst.

Der Herbst ist eigentlich die Jahreszeit, in der man sich aufs Sofa kuschelt und ein schönes Buch liest. Vielleicht die Herbstgedichte von Rainer Maria Rilke. Meistens sitzt man natürlich im Büro und arbeitet. Doch weder gepflegte Lektüre noch konzentrierte Arbeit sind einem vergönnt. Denn im Herbst sind die Vorboten der Apokalypse mit ihren Höllenmaschinen unterwegs. Die furchtbaren Hausmeister mit ihren Laubbläsern. Wenn vormittags um zehn das nervtötende Geheule anfängt, lege ich den Rilke beiseite, stürze wutentbrannt ans Fenster und stoße derbe Verwünschungen aus. Der Mann an der Black & Decker – nennen wir ihn einfach Hausmeister Krause –- kann mich nicht hören, dazu ist sein Laubbläser, -sauger und -häcksler einfach zu laut. Doch jetzt macht der Kerl eine Pause und zündet sich frech einen Zigarillo an. Ich haste die Treppe runter, um ihm mal die Meinung zu sagen.

"Krause", sage ich, "du hältst das dümmste und verderblichste Stück Technik in deiner Hand. Dem einen - zweifelhaften - Vorteil, dass es den Gehsteig in kurzer Zeit vom Laub befreit, stehen nur Nachteile gegenüber. Das Gerät nervt durch 90 Dezibel Lärm, verpestet die Luft, nimmt dem Boden das schützende Laub und schadet den Menschen, weil es Mikroorganismen und Keime aufwirbelt. Was unter den Blättern auf der Straße liegt, ist mitunter ziemlich fieses Zeug. Krause, wie kommt es, dass ihr uns diesen Laubbläser-Terror antut? Ist das etwa die Rache der Handwerker an den Büroschnöseln?"

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Wettbewerb der Gartengeräte-Industrie

Da erwidert Hausmeister Krause (besser: Chief Facility Manager): "Mitnichten. Die Antwort ist vielmehr im Wettbewerb der Gartengeräte-Industrie, beziehungsweise in der Distribution über die Baumarkt-Ketten zu suchen. Denn ein leiser und ökologisch halbwegs akzeptabler Laubbläser, -sauger oder -häcksler wäre deutlich teurer. Aber damit man die Geräte in Massenproduktion herstellen und im Baumarkt zum vermeintlichen Sonderpreis absetzen kann, verzichtet man eben auf hochwertige Technik. Ökologisch verträgliche Konzepte vertragen sich leider noch nicht mit billiger Massenproduktion", sagt Krause und zieht seufzend am Zigarillo.

Jetzt hat sich der Blaukittel warm geredet: "Bei Computern ist das doch auch nicht anders. Bis vor wenigen Jahren ging es immer nur um die Steigerung der Leistung. Dazu wurde die Taktrate der Prozessoren in die Höhe getrieben. Ein Gigahertz, zwei Gigahertz, drei Gigahertz. Das hat aber auch den Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung gesteigert. Folglich musste man schnell drehende, lärmende Lüfter an die Prozessoren klemmen. Die Chips der 90er Jahre waren letztlich also auch nur kleine Laubbläser."

Hightech ist langsam

Da muss ich dem schlagfertigen Facility Manager aber Contra geben: "Okay, aber inzwischen sind die Entwickler dazu übergegangen, mehrere Rechenkerne gleichzeitig einzusetzen, statt immer nur die Taktrate zu erhöhen. Außerdem wird die Taktrate jetzt nach Bedarf hoch- oder runtergefahren, um den Stromverbrauch zu optimieren. Leiser sind die modernen PCs auch geworden, weil die modernen Chips weniger Wärme abgeben und die Lüfter langsamer drehen können."

Krause nickt und zupft bedächtig einige Blätter aus dem Saugrohr seines GW 3000: "Ja, moderne PCs und gerade auch die Green IT-Welle sind schöne Beispiele wie Technik in dem Moment intelligent wird, in dem sie nicht nur stur auf ein einziges Ziel hin getrimmt ist, sondern auch ökologische Kriterien im Blick hat. Wahre Hightech-Produkte sind nicht auf Tempo fixiert, sondern kombinieren komplexe Vorgaben miteinander."

"Ja genau, Krause, du gefällst mir", sage ich: "Ganz ähnlich ist das ja auch bei der Entwicklung des Automobils. Früher ging es im Wesentlichen immer nur um Tempo, PS und Komfort. Dann kam Sicherheit als Kriterium hinzu. Seit einiger Zeit steht auch der Ressourcenverbrauch im Fokus der Entwickler. Das Automobil wandelt sich von der dummen PS-Schleuder zum komplexen Vehikel, das Umwelt, Komfort, Tempo, Sicherheit und Fahrspaß gleichzeitig berücksichtigt."

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