Topraks Technik Talk: Warum Windows 7 kein Erfolg sein kann

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"Das beste Windows aller Zeiten." Steve Ballmer stellt Windows 7 vor^, Foto: Microsoft

Kolumne

Windows 7 kommt Anfang 2010 in den Handel und soll die Pechsträhne von Vista beenden. Doch wiwo-Autor Mehmet Toprak glaubt, dass auch das neue Betriebssystem den Misserfolg nicht ausgleichen kann. Die große Ära von Microsoft geht zu Ende.

Es ist fast schon eine Demutsgeste. Microsoft gibt die Betaversion von Windows 7 für alle Anwender zum Download frei. Nicht nur für ausgewählte Tester. Eine Verneigung vor Millionen Anwendern, die all die Jahre nur Kauf-Vieh waren. Was sich die PC-Nutzer von Microsofts nächstem Betriebssystem erwarten können, hat WirtschaftsWoche-Korrespondent Matthias Hohensee in seinem Report bereits beschrieben: Einige kosmetische Neuerungen, einige pfiffige Ideen für das Hantieren mit Fenstern, aber kein wirklich neues Betriebssystem. Windows 7 ist nicht viel mehr als ein Service Pack für Vista.

Für die Anwender ist das kein Nachteil. Denn gegen ein Windows, das gut aussieht, intuitiv zu bedienen ist und flüssig läuft, ist ja nichts einzuwenden.

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Trotzdem fällt auf, dass Microsoft offenbar nichts Neues mehr einfällt. Fast zwanzig Jahre nach dem Start von Windows 3.0, im Mai 1990, sind Betriebssystem und das damit verbundene Office-Paket so ausgereift, dass es nichts mehr zu entwickeln gibt. Alle denkbaren Office-Funktionen sind da, alle Internet-Funktionen, alle Multimedia-Gags. Viel kann nicht mehr kommen.

Im Grunde genommen hat Microsoft nur vier Betriebssysteme gemacht: MS-DOS (1981), Windows 3.1. (1990), Windows 95 (1995) und Windows Vista (2007). Alle anderen Versionen waren vom Marketing aufdekorierte Service Packs.

Netbooks und Smartphones brauchen kein Windows

Doch nicht nur die Überfülle an Features bremst den weiteren Siegeszug des Betriebssystems aus. Richtig fatal für Microsoft ist die Entwicklung auf dem Hardware-Markt, besonders in den vergangenen zwei Jahren. Da geben nämlich immer stärker die Geräte den Ton an, auf denen die Kunden keine fetten Office-Pakete laufen lassen und somit auch nicht unbedingt das neueste Windows brauchen. Notebooks sind billig geworden, die kleinen Netbooks der Renner und Smartphones bei Privatanwendern immer beliebter. Für all diese Produkte ist Windows Vista überdimensioniert. Der Mobilmarkt verzeichnet enorme Zuwachsraten, der für Desktop-PCs schrumpft. So haben die Marktforscher von Gartner für das dritte Quartal 2008 errechnet, dass in Deutschland 63 Prozent aller verkauften Computer mobile Rechner waren, also Laptops und Netbooks. Für einen Software-Hersteller, dessen Hauptprodukte für den klassischen PC gebaut sind, ist das eine Katastrophe.

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Was für ein Auto: Der Hummer H2 SUV, schneller, ressourcenhungriger Bolide, der Bruder im Geiste von Windows, Foto: GM

Das hat auch etwas mit veränderten Kommunikationsgewohnheiten zu tun. Word ist ein Programm für Leute, die dicke Bücher und lange Texte schreiben. Im Zeitalter von SMS, Weblog und Twitter brauchen immer weniger Leute ein üppiges Office-Programm. Für die meisten tut es der schnelle Editor oder das Texteingabefeld im E-Mail-Programm. Wenn aber Office Nutzer verliert, dann fällt auch ein wichtiges Argument für Windows weg.

Irgendwie erinnert die Situation an die Notlage der Autohersteller. Jahrzehnte lang haben diese mit hubraumstarken PS-Boliden Geld verdient. Innerhalb weniger Monate ist die Stimmung gekippt, jetzt will keiner mehr die Hummers und Cadillacs. Redmond ist sozusagen das Detroit der Computerbranche, Windows Vista ist der Hummer, Windows 7 der Chevrolet. Bleibt nur noch der Mittelklassewagen Windows XP. Der ist logischerweise jetzt richtig beliebt.

Während von der einen Seite die neuen Mobilgeräte am Microsoft-Thron sägen, ist es von der anderen Seite her der Trend zum Cloud Computing. Auf den Servern in den Rechenzentren ist Windows Windows Vista auch nicht gerade die erste Wahl.

Microsoft sitzt in der Falle

Sprunglisten

Mit der Sprunglisten-Funktion kann der Anwender in Windows 7 per Rechtsklick direkt auf Daten zugreifen.

Microsoft-Chef Steve Ballmer und seine Mannschaft tun so, als sei alles in bester Ordnung und Windows 7 ein großes neues Betriebssystem. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, denn der Konzern steht von allen Seiten unter Druck. So haben sich die Aktionäre daran gewöhnt, dass alle drei Jahre eine neue Betriebssystem-Version kommt, die den Verkauf von PCs und neuer Office-Versionen ankurbelt und den Gewinn steigert. Auch die Hardware-Partner von Intel über AMD über die Festplattenhersteller wie Seagate bis hin zu den Monitorherstellern freuen sich auf ein neues hardwarehungriges Betriebssystem. Nicht zu vergessen die PC-Anwender, die zwar gerne über Microsoft schimpfen, aber trotzdem alle paar Jahre ein neues frisches Windows wollen. In diesem gnadenlosen 3-Jahres-Takt hat sich Microsoft selbst gefangen.

Es ist nicht so, dass die Software-Manager das alles nicht gemerkt hätten. Deshalb basteln die Entwickler hektisch an Windows Azure, einer Plattform für Cloud Computing und mischen mit Windows Mobile seit Jahren bei Smartphones mit. Windows wird uns also noch lange begleiten. Als Mobile-Version, Cloud-Computing-Plattform, Server-Software oder Multimedia-Software für den Heimanwender. Doch in allen Bereichen hat Microsoft starke Konkurrenz. Das ist gut. Und die Ära des Desktop-Betriebssystems Windows, die geht jetzt langsam zu Ende …

Zum Weitersurfen

Chronologie: Die Microsoft-Geschichte

eWEEK europe: Features von Windows

wiwo.de-Bericht: Hintergrund zu Windows 7

Topraks Technik Talk: Windows Vista

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