Trend bei Computerspielen: Game-Designer starten den Ost-West-Krieg um Öl

Trend bei Computerspielen: Game-Designer starten den Ost-West-Krieg um Öl

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Auf Europas größter Computerspiele-Messe "Games Convention" spielen Besucher am Stand von Turtle Entertainment GmbH das Spiel "Guild Wars"

Nicht lange ist es her, da kämpfte man mit seiner Spielkonsole noch gegen die Wehrmacht, gegen Zombies oder irrsinnige Terroristen. In neuen Ego-Shootern der Spiele-Industrie tobt ein Hightech-Krieg zwischen Russland und dem Westen.

Der Krieg in Georgien und das Gespenst eines neuen Kalten Krieges haben offenbar viele Russland-Investoren in Angst und Schrecken versetzt. Sie fliehen: Laut russischer Zentralbank sind in der Woche nach Ausbruch der Kämpfe um Südossetien 16,4 Milliarden Dollar ausländische Währungsreserve aus dem Land geflossen – fast einmalig seit der großen Rubelkrise Ende der Neunzigerjahre.

Geradezu befruchtend dagegen wirkt der seit mindestens einem Jahr heraufziehende neue Ost-West-Konflikt auf eine Branche, die von russischem Öl oder Gas zumindest nicht unmittelbar abhängig ist. Die Computerspiele-Industrie – Jahresumsatz 20 Milliarden Euro – spitzt den Kampf um Macht und Öl in den Szenarien ihrer neuesten Kriegsspiele, so genannter Ego-Shooters, gnadenlos zu.

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Westen zettelt Staatsstreich im Osten an

Bei „Frontlines: Fuel of War“ aus dem New Yorker Spiele-Labor Kaos Studios deutet schon der Name an, wohin die Mission den Spieler führt: zu den Ölquellen. „Die letzten Ölreserven werden gefördert. Die Weltwirtschaft versinkt im Chaos“, verspricht der Hersteller auf seiner Website, hinter dem Schriftzug nickt schemenhaft der Kopf einer Ölförderanlage. Eine fiktive, amerikanisch anmutende „Western Alliance“, deren Emblem dem Nato-Stern ähnelt, misst sich mit der Red Star Alliance. Red Star greift an, nachdem der Westen in einem ihrer Länder einen Staatsstreich angezettelt hat. Bald tobt ein apokalyptischer Kampf um die Ölfelder. Welcher Seite er sich anschließt, überlässt der Hersteller dem Spieler. Kaos Studios will nicht nur Käufer im Westen ansprechen – Computerspiele boomen schließlich auch in Russland.

In „Call of Duty 4: Modern Warfare“ aus dem kalifornischen Studio Infinity Ward bekämpfen britische und amerikanische Spezialeinheiten die Truppen eines durchgeknallten russischen Ultranationalisten. Imran Zakhaev will aus einem von Bürgerkrieg zerrissenen Russland die Sowjetunion wiedererstehen lassen und Nuklearwaffen in seine Gewalt bringen. Die Gefechte toben auch in der Ukraine, dem Nahen Osten und dem Ölstaat Aserbaidschan.

Kämpfe am Kaspischen Meer

Auf Seiten der Vereinigten Staaten gegen die Russische Föderation kämpfen auch die Spieler von „Battlefield: Bad Company“ aus den Designstudios von Electronic Arts, einem der größten Unternehmen der Branche. Ihr Himmelfahrtskommando führt sie in den fiktiven Staat Serdaristan und eine gerade erst entstehende Stadt namens Sadiz am öl- und gasreichen Kaspischen Meer – Ähnlichkeiten mit von Petrodollars überfluteten zentralasiatischen Städten wie dem kasachischen Astana oder der turkmenischen Kapitale Aschgabat sind nicht zu übersehen.

Die Schöpfer dieser Untergangsszenarien geben sich alle Mühe, den virtuellen, teils mit Nuklearwaffen geführten Krieg zwischen Russen und Westmächten so realistisch wie möglich zu gestalten, bis hin zu unheilsschwangeren Monologen aus dem Off in russischer Sprache. Kein Stein bleibt auf dem anderen, keine Raffinerie unbeschädigt. „Die Zukunft hat bereits begonnen“, droht Kaos Studios in seiner Werbung für „Frontlines: Fuel of War“. Es sei ein „Krieg um schwindende Rohstoffe. Ein Kampf ums nackte Überleben.“

Bleibt zu hoffen, dass die realen Machthaber in Moskau und Washington die Weltlage etwas nüchterner einschätzen. Weiß übrigens jemand, ob Wladimir Putin und George W. Bush in ihrer Freizeit Playstation spielen?

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