Trends der IFA: Smartphone schlägt Fernseher

Trends der IFA: Smartphone schlägt Fernseher

, aktualisiert 01. September 2016, 10:51 Uhr
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Die IFA gilt als weltgrößte Leitmesse für Unterhaltungselektronik, IT und Hausgeräte.

von Ina Karabasz und Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Fußball-EM und Olympische Spiele haben den Umsatz bei TV-Geräten angekurbelt. Star der am Freitag beginnenden Elektronikmesse IFA in Berlin ist aber kein Fernseher. Was Sie auf der Technikshow nicht verpassen sollten.

BerlinKnackige Kontraste, strahlende Farben, riesige Bilder: Ab morgen setzen die TV-Hersteller auf der IFA ihre neuen Modelle in Szene. Für viele Besucher der Technikmesse in Berlin dürften es die größten Hingucker sein. Doch trotz dieser optischen Überlegenheit, der eigentliche Star der Messe ist ein anderes Gerät: „Das Smartphone plus X, das ist der Trend der IFA“, sagt Timm Lutter vom deutschen Technologieverband Bitkom.

Das gilt einerseits für die Größe des Geschäfts – der Umsatz mit iPhone, Galaxy S7 & Co dürfte in diesem Jahr allein in Deutschland 10,4 Milliarden Euro betragen und damit die gesamte klassische Unterhaltungselektronik mit 9,5 Milliarden Euro übertreffen. Und das, obwohl Fußball-EM und Olympische Spiele den TV-Herstellern eine Sonderkonjunktur verschafft haben.

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Das gilt andererseits für den Einfluss auf die gesamte Branche. „Das Smartphone hat eine Doppelrolle“, sagt Lutter: Einerseits verdränge es Gerätekategorien wie Digitalkameras, Camcorder oder mobile Spielkonsolen, anderer ermögliche es Fitness-Tracker oder vernetzte Audiosysteme, die heute als Wachstumsfelder gelten. „Das Smartphone ist Vertreiber und Antreiber zugleich“, sagt Lutter.

Smart Home: Heizen, kochen, leuchten

Das Haus bekommt Augen – zumindest wenn es nach Bosch geht. Der Konzern stellt auf seinem IFA-Stand das vernetzte Zuhause in den Mittelpunkt. Da gibt es eine neue Dunstabzugshaube mit Sensoren, die sich automatisch einschalten kann, und Rauchmelder, der auch Luftqualität und Temperatur misst und somit auch vor Mief und Schimmel schützen soll. Und mithilfe einer neuen Überwachungskamera samt Lautsprecher lassen sich Besucher an der Tür sogar aus der Ferne begrüßen.

Längst wird vernetzt, was sich vernetzen lässt: Lampen und Steckdosen, Auch Schlösser und Rauchmelder, Staubsauger und Küchenmaschinen. Etliche Unternehmen geben auf der IFA ihre Premiere in diesem Markt, neben Bosch etwa die deutsche Lenovo-Tochter Medion oder der Routerhersteller AVM mit einem Heizthermostat. Währenddessen zeigt die Deutsche Telekom die zweite Generation des Steuerungszentrale Qivicon. Als Schaltzentrale fürs vernetzte Zuhause etabliere sich das Smartphone, sagt Bitkom-Präsidiums-Mitglied Martin Börner – es sei wie ein „Schweizer Offiziersmesser“.

Der Markt ist bislang noch klein, Experten erwarten aber ein rasantes Wachstum. Im 2030 werde jedes dritte neu gebaute oder renovierte Haus über automatisierte und vernetzte Elektronik, Heizung oder Lüftung verfügen, prognostiziert die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC – wenn die Hersteller die Nutzer überzeugen, ist das ein potenzieller Milliardenmarkt. Eine wichtige Voraussetzung: Datensicherheit und Privatsphäre müssen gewährleistet sein.


Die Neuerfindung des TV

Fernsehen: Alles auf einen Blick

Das Fernsehen wird neu erfunden – allerdings nicht von den Fernsehsendern. Online-Videotheken wie Netflix und Amazon Video entwickeln eigene Serien, die die Zuschauer schauen können, wenn es ihnen gerade passt. Set-Top-Boxen wie Apple TV und Chromecast holen YouTube und Streaming-Dienste auf die Mattscheibe. Und das neue Entertain-Angebot der Deutschen Telekom, das auf der IFA zu sehen sein wird, erlaubt den Abruf aller Sendungen der vergangenen sieben Tage. Auch eine Smartphone-App fürs Unterwegsfernsehen soll der Dax-Konzern in Arbeit haben.

Auf diesen Trend reagieren die großen TV-Hersteller. „Der Konsument hat über mobile Geräte gelernt, dass man nützliche Zusatzinhalte bekommen kann“, sagt Kai Hillebrandt, der bei Samsung Deutschland das Geschäft mit Fernsehern leitet. „Netflix und YouTube fordern die Fernsehsender heraus.“ Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Geräte in Deutschland ist nach einer Studie des Branchenverbands und IFA-Ausrichters GFU smart, davon sind drei Viertel (74 Prozent) auch tatsächlich ans Internet angeschlossen. Neben den Mediatheken sind YouTube und Video-on-Demand-Dienste beliebt.

Samsung will den Zuschauer die Navigation zwischen klassischen Sendern und Internetdiensten erleichtern. Der Marktführer hat dafür die Benutzeroberfläche überarbeitet und eine einheitliche Fernbedienung für alle Zuspielwege entwickelt – IFA-Besucher können sich die auf der CES Anfang des Jahres angekündigten Geräte anschauen. Auch Sony will den ständigen Wechsel zwischen den verschiedenen Quellen stoppen: Bei der Suche durchforstet der Fernseher gleichzeitig das TV-Programm, YouTube und Online-Videotheken. Weitere Ankündigungen dürften folgen.

Das Streaming von Inhalten ermöglicht zudem, die Technik der modernen Fernseher auszureizen. Die ultrahohe Auflösung Ultra-HD ist bei neuen Geräten Standard, auch die Technik HDR für einen hohen Kontrastumfang kommt immer öfter zum Einsatz. Das kann toll aussehen, wie auf der IFA zu besichtigen sein wird. Die TV-Sender strahlen jedoch kaum Inhalte in diesem Format aus. Bei den Online-Diensten ist das Angebot schon besser.

Audio: Alles streamt

Den Herstellern von Audiogeräten bereitet der Smartphone-Boom Freund und Leid zugleich. Der Absatz sinkt, weil die Nachfrage nach MP3-Playern und ähnlichen Geräten nachlässt. Trotzdem steigt aber der Umsatz um fast sechs Prozent auf 1,54 Milliarden Euro in Deutschland. Kauflust bereiten vor allem Systeme, mit denen Nutzer ihre Musik streamen können – ob aus der Cloud oder vom Smartphone, zum Beispiel Multiroom-Systeme. „Auch vernetzte und kabellose Produkte sowie Soundbars und Kopfhörer sind weiterhin sehr beliebt bei den Verbrauchern“, berichtet der Marktforscher GFK.
Auf der IFA werden in diesem Jahr mehr als 340 Aussteller Audiogeräte vorstellen, darunter Bang & Olufsen, Samsung oder Teufel. Einige kleinere Unternehmen versuchen einen ganz neuen Trend zu setzen: Kopfhörer, die unabhängig vom Smartphone Musik spielen und zusätzlich wie ein Fitnesstracker allerhand Daten messen – Experten sprechen von Hearables.


Angezogen, abgetaucht und abgehoben

Wearables: Zeig' mich!

Technik-Show mit Modenschau: Bei Smartwatches und anderer tragbarer Technologie geht es nicht nur um die technischen Daten, sondern auch um Äußerlichkeiten. Samsung hat seine neue Gear S3 beispielsweise von einem Schweizer Uhrendesigner gestalten lassen, auf dem ersten Blick ist kaum ein Unterschied zu einem analogen Zeitmesser zu erkennen. Fast alle Hersteller bieten inzwischen verschiedene Designs und Wechselarmbänder an.

Der Markt wächst zwar, das Analysehaus IDC geht davon aus, dass in diesem Jahr erstmals mehr als 100 Millionen Wearables verkauft werden. Die Hersteller stehen aber in einem doppelten Wettbewerb: Einerseits mit der mannigfaltigen Konkurrenz aus verschiedenen Branchen – ob Uhrenspezialisten oder Elektronikhersteller. Andererseits gegen das erlahmende Interesse der Nutzer – verschiedene Umfragen zeigen, dass gerade Fitness-Tracker nach der ersten Begeisterung oft in der Schublade landen.

Während das Design eine wichtige Rolle spielt, wollen die Hersteller auch mit besserer Technik punkten: mit besseren Bildschirmen, längerer Akkulaufzeit und zusätzlichen Sensoren. Zudem kommen immer neue Formen auf, Datenbrillen und smarte Kleidung zum Beispiel. „Während Uhren und Fitness-Tracker immer beliebt sein werden, profitiert der Markt von neuen Formen, weil sie neue Möglichkeiten bieten“, schreibt IDC – ob für Unternehmen oder Verbraucher.

Virtual Reality: Film‘ mich!

Die Faszination ist groß – aber wie lange hält sie an? Virtual Reality (VR) ist derzeit einer der großen Trends der Technologiebranche. Mit Brillen wie Gear VR, Oculus Rift und HTC Vive können sich Nutzer durch virtuelle Welten bewegen, ebenso mit Gestellen, in die das Smartphone als Bildschirm eingeschoben wird.

Damit Verbraucher eigene virtuelle Trips gestalten können, zeigen mehrere Unternehmen auf der IFA Kameras, mit denen jeder selbst Fotos und Videos im Rundumformat aufnehmen kann. „Es gibt bereits viele professionell erstellte Inhalte, aber selbst gemachtes Material wird die größte Quelle für 360-Grad-Inhalte werden“, sagt Ben Wood, Analyst bei CCS Insight.

Samsung und LG haben Kameras im Sortiment, die aus einzelnen Bildern solche 360-Grad-Aufnahmen zusammensetzen. Das deutsche Start-up Panono zeigt seinen Ball, der aus der Luft 360 Fotos schießt und daraus ein detailreich Panorama erstellt. Und mit Terratec drängt bereits ein günstiger Nachahmer auf den Markt. Ansehen lassen sich die Aufnahmen übrigens nicht nur mit VR-Brillen, sondern auch auf dem Smartphone oder im Browser – das ist nicht ganz so beeindruckend, zeigt aber das Potenzial der Technologie.

Drohnen: Lass mich fliegen!

Die IFA geht in die Lüfte: Zwischen Fernsehern und Waschmaschinen sind auf der Messe in Berlin zunehmend auch Drohnen zu finden. Experten schätzen den Umsatz mit den Fluggeräten auf mehr als 11 Milliarden Dollar. Ein Zehntel davon sollen Drohnen für Privatanwender einbringen.

Die gibt es mittlerweile auch im Taschenformat: Der Anbieter Breeze etwa zeigt eine hochauflösende Drohne, die 24 cm im Durchmesser ist, weniger als 400 Gramm wiegt und über das Smartphone gesteuert wird. Zeroteck präsentiert mit Dobby eine intelligente Mini-Drohne, die stark hochauflösende Videos aufzeichnet. Dabei müssen die Nutzer die Fluggeräte nicht einmal mehr steuern, sie fliegen auch autark hinter ihnen her, was sie etwa für Sportler attraktiv macht. Auch Marktführer DJI will in Berlin Neuigkeiten vorfliegen lassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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