Trump und Twitter: Teile und herrsche

Trump und Twitter: Teile und herrsche

, aktualisiert 04. Januar 2017, 15:02 Uhr
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Der designierte Präsident bleibt seiner Kommunikationsstrategie treu.

von Johannes StegerQuelle:Handelsblatt Online

Was Donald Trump denkt, erfährt Amerika zumeist über Twitter. Der designierte US-Präsident setzt dort auf gewohnt scharfe Töne. Damit hat er die US-Konzerne bereits vor seiner Amtsübernahme fest im Griff. Eine Analyse.

DüsseldorfDonald Trump regelt seine Angelegenheiten am liebsten selbst. Das ist Teil seines wohl gepflegten Images des erfolgreichen Selfmade-Mannes. Auch bei seiner Kommunikationsstrategie setzt der designierte US-Präsident auf die Do-it-Yourself-Strategie. Wer braucht schon Pressesprecher, wenn es Twitter gibt?

Die Methode ist nicht neu für den Republikaner. Schon im Wahlkampf setzte Trump auf den Kanal. Politische Forderungen, Kritik oder das Abwatschen von Konkurrenten und Journalisten – alles verpackt in 140 Zeichen. Damit war dem Kandidaten die Aufmerksamkeit sicher. Kaum war ein Tweet abgesetzt, sprach Amerika und oft auch der Rest der Welt über dessen Inhalt.

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Twitter ist für Trump äußerst praktisch: Die Zielgruppe für seine Inhalte findet sich von selbst – ganz ohne Pressekonferenz, Mitteilung oder die Zuarbeit von Journalisten. Am 20. Januar wird Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Und wer dachte, dass sich der Republikaner ganz präsidial von Twitter verabschieden und verhaltenere Töne anschlagen würde, der hat sich getäuscht. Donald Trump verschont keinen – und das in einem Sprachduktus, der an Wahlkampfzeiten erinnert. Das kann gerade für Unternehmen gefährlich werden.

„America first“ ist eines von Trumps zentralen Wahlkampfversprechen: US-Unternehmen, die ihre Produktion ins Ausland verlegen und damit amerikanische Arbeitsplätze vernichten, passen da natürlich nicht in das Programm des gewählten Präsidenten. Schon im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, diese Unternehmen mit höheren Steuern zu bestrafen. Wie sich jetzt zeigt: Die Tweets waren kein reiner Wahlkampf sondern durchaus ernst gemeint.

Am Dienstag richtete Trump eine Botschaft an den Autobauer General Motors: „General Motors schickt in Mexiko gefertigte Modelle des Chevy Cruz steuerfrei über die Grenze zu US-Händlern. Produziert in den USA oder zahlt hohe Einfuhrsteuern!“

Der präsidiale Tweet zeigte Wirkung, so scheint es zumindest. Konkurrent Ford verkündete wenige Stunden nach der Ankündigung, dass man auf ein neues Werk in Mexiko verzichten werde. Pläne für eine 1,6 Milliarden Dollar teure Fabrik seien gestoppt worden, stattdessen sollen nun 700 Millionen Dollar in eine bestehende Fertigungsstätte in Michigan investiert werden. Daraus entstünden 700 neue Jobs.

Einen Bezug zu den Äußerungen Trumps stellte das Unternehmen allerdings nicht her und will auch weiter an der Produktion in Mexiko festhalten. So soll die neue Generation des Focus in einem bereits bestehenden Werk in Hermosillo produziert werden. Dennoch scheint Trump die Äußerung als Sieg zu verbuchen: Via Twitter teilte er einen Bericht des US-Senders „Fox News“, nachdem sich Ford Donald Trumps Politik füge.


Die Gefahr der Tweets

Später folgte noch die Erklärung, dass Amerika nun wieder ein Magnet für Innovation und Arbeitsplätze werde. Um das zu unterstreichen, teilte er wenig später noch einen Bericht der „New York Post“, nachdem Sprint 5.000 und One Web 3.000 neue Jobs in Amerika schaffen wollten – dank seiner Bemühungen, versteht sich.

Auch sonst kann Amerika und die Welt viel über Trumps politisches Programm über Twitter erfahren: Guantanamo bleibt offen, China bekommt zu viel Geld und Obamacare funktioniert nicht. An seiner unkonventionellen Kommunikationspolitik regt sich Kritik. So rief der neue demokratische Fraktionschef im Senat, Chuck Schumer, Trump zu Gesetzestreue und einer Politik für die kleinen Leute auf. Er müsse in der Realität ankommen: „Die USA können sich keine Twitter- Präsidentschaft leisten.“

Denn die Realität ist seit dem Wahlkampf eine andere: Nach seiner getwitterten Ankündigung die neue Air Force One abbestellen zu wollen, knickte der Aktienkurs von Flugzeugbauer Boeing kurzzeitig um rund einen Prozent ein. Ähnlich erging es wenig später dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin. Nach einem Trump-Tweet über die zu teure Entwicklung des Militärjets F-35 rutschte die Aktie um vier Prozent ins Minus. Jeder Trump-Tweet hat Gewicht – und das kann für Unternehmen dramatische Folgen haben. Ford jedoch profitierte: Die Aktie des US-Autobauers sprang prompt um vier Prozent nach oben.

Und während Donald Trump Aktienkurse durcheinander bringt und Unternehmen zum Umdenken motiviert, zeigt sich ein anderes so gar nicht anfällig für den Trump-Effekt: Twitter selbst krebst seit Monaten deutlich bei einem Aktienkurs unter zwanzig Dollar herum – derzeit liegt die Aktie bei rund 15,80 Dollar.

Der Konzern durchläuft bereits seit längerem eine Schwächephase. Der Dienst wächst immer langsamer und kann nicht mit Konkurrenten wie Facebook mithalten. In den vergangenen Jahren hat Twitter zwar massiv in Produktentwicklung und Marketing investiert. Dies hat sich aber nicht wie erhofft ausgezahlt. Daher steht ein Umbruch an. Neun Prozent der Belegschaft sollen gehen, um die Kosten zu senken. Zahlreiche Spitzenmanager haben das Unternehmen verlassen. Zum Jahreswechsel räumte zuletzt China-Chefin Kathy Chen ohne Begründung ihren Posten.

Von der Trumpschen Kommunikationspolitik kann Twitter nicht profitieren. Aber sie schadet ihm auch nicht: Am Dienstagabend kündigte Trump seine erste Pressekonferenz am 11. Januar an. Also doch Journalisten, Pressesprecher statt 140 Zeichen. Der Kursverfall blieb aus. Vielleicht auch deswegen, weil es wohl unwahrscheinlich ist, dass sich Donald Trump langfristig von dem Netzwerk verabschieden dürfte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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