TV-Trends auf der IFA: Ein Kunstobjekt namens Fernseher

TV-Trends auf der IFA: Ein Kunstobjekt namens Fernseher

, aktualisiert 01. September 2017, 09:53 Uhr
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Sind die Geräte ausgeschaltet, lassen sie sich von normalen Bildern kaum mehr unterscheiden. Ob Familienfotos, Kopien alter Meister oder zeitgenössische Malerei und Naturfotografie - der Nutzer kann sein Frame TV nach Belieben gestalten. (Foto: pr)

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Wo ist denn der Fernseher? Bei einigen Geräten, die auf der IFA ausgestellt sind, ist das erst auf den zweiten Blick zu sehen. Sie sind Designobjekte, die sich nahtlos integrieren – und sogar Kunst ins Haus holen.

BerlinWidersprüche erzeugen Aufmerksamkeit. Und so hätte Samsung wohl keine bessere Idee einfallen können, als die neue Fernsehmodelle mit dem Namen „The Frame“ in einer Kunstausstellung zu zeigen. Unterhaltung und Kunst, das passt selten zusammen.

Doch die Geräte des koreanischen Konzerns, die derzeit im Berliner Designkaufhaus Stilwerk zu sehen sind, haben einen „Art Mode“: Sind sie ausgeschaltet, zeigen sie Bilder an, umgeben von einem Rahmen. Das können selbst gemachte Familienfotos sein, die Kopien alter Meister, oder – wie in der Galerie – zeitgenössische Malerei und Naturfotografie.

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Die Ausstellung, passend zur IFA in Berlin eröffnet, ist ein Zeichen für eine Veränderung, des Fernsehers wie des Fernsehens. Der technische Fortschritt ermöglicht Geräte, die so dünn sind, dass sie sich flach wie ein Bild an die Wand hängen lassen. Neben Samsung zeigen beispielsweise auch LG, Metz und Loewe auf der Elektronikmesse solche Konzepte.

Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, in derartige Designobjekte zu investieren – nicht zuletzt, weil Online-Dienste wie Netflix früh neue Technologien nutzen, die auf den Hightech-Fernsehern voll zu Geltung kommen. Das gilt für die Auflösung Ultra-HD, die vier Mal so hoch ist wie bei einem HD-Fernseher, oder für den Standard HDR, der mehr Kontrast und Helligkeit und somit eine deutlich bessere Bildqualität ermöglicht. Es ist die nächste Neuerfindung des Fernsehens.

Der Rahmen verschwindet

Dünner, schärfer, knackiger: Dieser Überbietungswettbewerb ist für die IFA typisch, seit dort vor 50 Jahren der damalige Vizekanzler Willy Brandt das Farbfernsehen mit einem symbolischen Knopfdruck einführte. Aber: „Der Innovationszyklus hat sich in den letzten Jahren dramatisch beschleunigt“, sagte Samsung-Manager Kai Hillebrandt dem Handelsblatt.

Die Entwicklung hat dazu geführt, dass um den Bildschirm herum nicht mehr viel übrig geblieben ist. „Die Geräte werden immer flacher, die Rahmen immer schmaler“, beschreibt Hillebrandt den Trend. Die Konsequenz: „Der Fernseher ist von einem technischen Produkt zu einem Designobjekt geworden.“ Vorausgesetzt, der Zuschauer ist bereit, 1500 Euro aufwärts fürs Heimkino auszugeben.

Das gilt nicht nur für die Modelle der „The Frame“-Reihe, die der Marktführer in Größen ab 43 Zoll verkauft: Auf der IFA bewirbt LG beispielsweise den „dünnsten Fernseher der Welt“, der sich wie eine Tapete an der Wand anbringen lässt – die OLED-Technologie macht es möglich. Metz hat mit dem chinesischen Mutterkonzern Skyworth im Rücken ein ähnlich flaches Gerät entwickelt. Und der deutsche Premiumhersteller Loewe platziert einige Modelle auf Staffeleien.


Für jeden Dritten bleibt der Fernseher unverzichtbar

Die Unternehmen hoffen darauf, dass den Käufern Design einiges wert ist, ähnlich wie bei Küchen und Möbeln. Und sie hoffen, dass sie den rasanten Preisverfall in der Fernsehbranche aufhalten können. Die Chancen scheinen nicht schlecht zu stehen: Der Durchschnittspreis in Deutschland ist mittlerweile drei Jahre in Folge auf nun 595 Euro gestiegen.

Auch international können die Hersteller wieder mehr verlangen, dank größerer Bildschirme und neuer Technologien, wie eine Studie des Marktforschers GfK zeigt: Der Verkauf von Fernsehern mit der neuen Auflösung Ultra-HD dürfte demnach in diesem Jahr um 40 Prozent auf 75 Millionen Stück steigen. Und knapp ein Drittel der Käufer entscheidet sich für ein Gerät mit mehr als 50 Zoll Bildschirmdiagonale, also 1,27 Meter.

Das mag auf den ersten Blick verwundern. Die Nutzer haben das Smartphone schließlich immer dabei, Netflix und Youtube sind nur einen Klick entfernt. In Deutschland schauen acht von zehn Internetnutzern Inhalte aus dem Netz, von den jüngeren praktisch alle. „Streaming hat weiter an Fahrt aufgenommen“, sagt Timm Lutter, der beim IT-Branchenverband Bitkom den Bereich „Consumer Electronics & Digital Media“ leitet.

Und trotzdem: Für immerhin jeden Dritten ist der Fernseher unverzichtbar, wie eine Umfrage von TNS-Emnid vor einem Jahr ergab. „Inhalte werden auf mehreren Geräten geguckt, aber der Fernseher hat eine absolut wichtige Stellung“, sagt Lutter. Vor allem dann, wenn es auf die Bildqualität ankommt.

Gerade die Streaming-Dienste fördern nach Ansicht von Samsung-Manager Kai Hillebrandt die Nachfrage nach hochwertigen Fernsehern: „Serien wie ‚Game of Thrones‘ sind episch erzählt und bieten ein tolles Bilderlebnis – das macht Lust, sich wieder mehr mit Technologie zu beschäftigen.“ Nicht zuletzt, weil Anbieter wie Netflix experimentierfreudig sind und neue Standards früh einführen, teils gegen Aufschlag.

„Die große Zahl der vernetzten Bildschirme hat zu einem wesentlichen Wandel des Medienkonsums geführt“, sagt Technikexperte Lutter. Immer weniger Zuschauer halten sich an das Programmschema, immer mehr schauen Filme und Serien, wenn ihnen danach ist. Ob auf DVD, in der Mediathek oder in der Online-Videothek. Das, so beobachtet Lutter, geht jedoch nicht zulasten des Fernsehers, sondern des Übertragungswegs.

Quelle:  Handelsblatt Online
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