Umfrage zum IT-Gipfel: "Viele Ankündigungen, keine Resultate" - Seite 4

Umfrage zum IT-Gipfel: "Viele Ankündigungen, keine Resultate"

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"Nationaler IT-Gipfel" Quelle: dpa
"Nationaler IT-Gipfel" Quelle: dpa

Dirk Graber (Mister Spex): In Deutschland ist Unternehmertum - egal ob Startup oder traditionelles Familienunternehmen - oft negativ bzw. auf jeden Fall nicht positiv belegt. Eine Insolvenz oder das Scheitern einer Idee wird in der Gesellschaft sehr negativ gesehen. Hier sollte die Politik einen Wandel in der „Wertewahrnehmung“ vorleben, indem sie eine kontinuierliche Kommunikation und entsprechende Incentiverung ins Leben ruft.

Die Politik kann und sollte grundsätzlich nur Rahmenbedingungen für ein positives Klima für Startups bereitstellen. Hierzu zählen für mich geringe bürokratische Hürden, ein flexibles Gesellschaftsrecht sowie die flexible Gestaltung von Arbeitsverträgen für Startups. Es ist beispielsweise nach wie vor extrem schwierig, ein flexibles Mitarbeiteroptionsprogramm für eine deutsche GmbH zu implementieren, das nicht gleich wieder mehrere tausend Euro Anwaltshonorar kostet.

Stefan Glänzer (Last-FM): Es steht nach wie vor nicht zum Besten mit der kulturellen und gesellschaftlichen Stellung von Entrepreneurship - dabei ist erwiesen das gerade SME ueberproportional viele Arbeitsplaetze schaffen. Entrepreneurship sollte fest im Bildungssystem verankert werden. 

Glauben Sie, dass sich die Bedingungen für Gründer mit der neuen Bundesregierung aus CDU, CSU und FDP verbessern werden? Warum?

Tino Truppel (Pidoco): Ich glaube schon. Meine Hoffnung ist, dass diese Regierung Gründungen zur mehr  gesellschaftlichen Akzeptanz verhilft, dass es positiv ist Risiken einzugehen und dass Scheitern akzeptiert wird.

Sven Schmidt (Verwandt.de): Viele Gründer haben die FDP unterstützt. Und viele Gründer sind jetzt maßlos enttäuscht. Statt für liberale Kernwerte einzutreten, betreibt die FDP weiter Klientelpolitik. Die Mehrwertsteuersenkung für Hotels sei hier nur als ein Beispiel aufgeführt. Ich hatte hohe Erwartungen, aber die sind schnell enttäuscht worden.

Sönke Schulz (Tredition):  Man könnte denken, dass die neue Bundesregierung etwas unternehmer- bzw. gründerfreundlicher sei. Jedoch ernüchtern die ersten Maßnahmen. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, bei welchem qua Funktion auch Gründungen hätten gefördert werden sollen, ist ein Schnellschuss, der kein nachhaltiges Wachstum generieren wird.

Außerdem fehlt das Thema Gründung/Entrepreneurship etc. im Koalitionsvertrag. Daher befürchte ich, dass es in dieser Legislaturperiode keine Verbesserungen geben wird. Ich habe auch leider bisher weder von der Union noch der FDP ein Konzept zu Gründungsunterstützung bzw. nicht einmal eine Stellungnahme eines Politikers dieser Parteien zu diesem Thema gehört.

Heiko Hubertz (Bigpoint): Ja, wir glauben dass durch den Regierungswechsel das Thema Internet wieder zurück in einen konstruktiven Dialog geführt wird. Gerade die FDP hat sich in ihrem Wahlprogramm klar gegen die Internetsperren ausgesprochen. Wir hoffen zudem, dass sich die Bundesregierung dafür einsetzen wird, den Mittelstand und die Gründerszene mit einer erleichterten Kreditvergabe zu unterstützen.

Stefan Glänzer (Last-FM): Ich habe grosse Hoffnungen das die neue Regierung bei diesem Thema fest zupackt - aber wie das so ist mit Hoffnungen, man weiß nie. Wir werden in Europa große Probleme bekommen wenn wir weiter zusehen dass die digitale Zukunft fast ausschließlich von den USA dominiert wird. 

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 09.12.2009, 00:22 UhrAnonymer Benutzer: Martin Bregulla

    Herr Gadowski trifft die Sache sehr gut. Die Start-Up Kultur in Deutschland völlig auf sich gestellt und wird von der Kultur 1.0 wo es geht ausgebremst. Mitarbeiterbeteiligung in der GmbH Form sind praktisch kaum umzusetzen. Sie sind jedoch in der amerikanischen Start-Up Kultur weit verbreitet. Die guten Angestellten die das Risiko der Gründungsphase ähnlich wie die Unternehmer selbst mitgehen, sollten bei Erfolg auch dementsprechend entlohnt werden. Dies wird durch geltende Steuergesetze und Überregularien aber unterbunden. Das ist weder gerecht, noch leistungsfördernd.

    Die Trennung von Angestelltem und Kapital steckt ganz tief im System drin. Der Gesetzgeber sollte den Kulturwandel mitgehen. Der iT Tag 2010 sollte daher auf die innovative Gründerszene ausgerichtet werden.

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