30 Grad zu heiß am Nordpol: "Dieser Sturm ist rekordverdächtig"

30 Grad zu heiß am Nordpol: "Dieser Sturm ist rekordverdächtig"

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Sturm Eckhard wütet über die norwegische Insel Spitzbergen: Auf über vier Grad Celsius kletterte die Temperatur auf der Insel, die weit hinter dem Nordpolarkreis liegt. Normal wären um diese Jahreszeit Temperaturen von minus 25 Grad.

von Jacqueline Goebel

Sturm Eckhard treibt die Temperaturen in der Arktis hoch. Im Interview erklärt Meteorologe Michael Knobelsdorf, warum es auf dem Meer jetzt gefährlich ist und wie der Sturm mit Überschwemmungen in Amerika zusammenhängt.

Am Nordpol klettern die Temperaturen über den Gefrierpunkt, und Nordengland versinkt schon seit Tagen unter Wassermassen. Der Grund: Der Sturm Eckhard treibt die warme Luft in die Arktis und die Regenmassen nach Nordeuropa. Michael Knobelsdorf, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst, beobachtet das Phänomen genau. Das Tief könnte für Rekorde sorgen, glaubt er.

Herr Knobelsdorf, eigentlich sind Stürme in dieser Jahreszeit in der Arktis nicht ungewöhnlich. Was macht diesen Sturm so besonders?

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Michael Knobelsdorf: Dieser Sturm hat sich rasant entwickelt. Und er hat einen unglaublich niedrigen Kerndruck. Das erzeugt einen Sog, der warme Luft aus den Subtropen anzieht und in den Norden schaufelt.

Zur Person

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    Michael Knobelsdorf ist Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.

Im Sturmzentrum soll der Luftdruck sogar auf unter 930 Hektopascal absinken - normal sind rund 1013. Was hat das für Auswirkungen?

Dieser Wert ist rekordverdächtig! Der Hurrikan Sandy, der vor einigen Jahren die Ostküste in den USA verwüstet hat, hatte nicht so einen niedrigen Luftdruck. Hinzu kommt: Über Osteuropa haben wir gerade ein Gebiet mit sehr hohem Luftdruck, ein Gegenspieler zu dem Sturm in der Arktis. Die Natur versucht, dieses starke Druckgefälle irgendwie auszugleichen - und das geschieht über Wind.

Wie stark können diese Winde werden?

Auf der freien See sind Böen von 160 oder 180 Stundenkilometer möglich. Damit verbunden ist natürlich ein enorm hoher Wellengang. In der norwegischen See können die Wellen jetzt 15 oder 16 Meter hoch sein.

Das hört sich so an, als würde es für die Schiffe dort riskant werden.

Ich hoffe, dass dort kein Schiff unterwegs ist. Das wäre lebensgefährlich.

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Wie kommt es zu der Temperaturerhöhung am Nordpol?

Mit dem Monstertief wird sehr warme Luft aus den Subtropen, teilweise auch sogar noch aus den Kanaren, nach Norden transportiert. Und dort ist die Luft 23 Grad warm, deshalb steigt auch die Temperatur am Nordpol. Auf der norwegischen Insel Spitzbergen messen wir gerade 4 Grad Celsius, am Nordpol sind es um 0 Grad Celsius. Das sind Temperaturen, die für diese Jahreszeit viel zu hoch sind. Die Temperatur sollte normalerweise jetzt mindestens bei Werten um minus 25 Grad liegen.

Tauen dann jetzt innerhalb weniger Stunden noch mehr Eismassen in der Arktis ab?

Das Eis wird auf jeden Fall für ein bis zwei Tage angeknabbert. Aber das Tief verliert in den kommenden Tagen an Intensivität. Im Moment zieht Eckhard über Island hinweg in Richtung Grönland, und dort wird das Tief sich wahrscheinlich in den kommenden Tagen in ein anderes Tiefdruckgebiet eingebettet.

Amerika spürt gerade die Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño. Könnte das auch den Sturm ausgelöst haben?

Da sind sich die Wissenschaftler noch nicht ganz sicher. El Niño ist eine Anomalie der Wasseroberflächentemperatur im Pazifik, die in diesem Jahr extrem stark ausgeprägt ist. Das bringt die gesamten Wettersysteme auf der Welt durcheinander, das löst auch die Überschwemmungen in Amerika aus. Aber Wissenschaftler sind sich unsicher, wie stark die Auswirkungen von El Niño in Europa sind.

Tipps gegen Wetterfühligkeit

  • Abhärten

    Als ganzjährige Präventionsmaßnahme gegen Kreislaufprobleme bieten sich Wechselduschen, Kneippanwendungen und Saunagänge an. Das trainiert Kreislauf und Gefäße. "Saunieren ist ein höchst intensiver Reiz", erklärt Froböse. Empfindliche Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen des Atmungs- oder Herz-Kreislauf-Systems sollten Saunabesuche daher zuvor mit ihrem Arzt besprechen. Nach dem Duschen heißt es Zähne zusammen beißen, die Brause auf kalt stellen und die Beine abduschen. Das erfrischt nicht nur und macht morgens wach, es hilft dem Körper auch, das Öffnen und Schließen der Blutgefäße zu trainieren.

  • Frische Luft

    Regelmäßige Aufenthalte im Freien sind empfehlenswert, denn frische Luft kurbelt die Sauerstoffversorgung an. Das entwöhnt den Körper außerdem von Klima- und Heizungsanlagen und hilft ihm, sich wieder an Temperaturveränderungen zu gewöhnen.

  • Schlaf und Entspannung

    Eine stressige Situation lässt sich besser wegstecken, wenn man entspannt und ausgeglichen ist. Auch Wetterwechsel sind Stress, daher können Entspannungsübungen und Yoga gegen Wetterfühligkeit helfen. Ausreichend Schlaf ist wichtig für die körperliche und psychische Erholung und damit für das Wohlbefinden. Wir fühlen uns besser, wenn wir mehrere Stunden in Ruhe verbracht haben. Durchwachte Nächte sind ein Stressfaktor, und das reduziert auch die körperliche Belastbarkeit.

  • Viel Trinken

    Besonders bei hohen Temperaturen ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Dabei sollte man vor allem zu Wasser greifen. Wer draußen Schwerstarbeit leistet wie Bauarbeiter oder Hochleistungssportler, sollte auf natriumarmes Wasser achten, um den Salzhaushalt des Körpers nicht aus der Balance zu bringen. Das gilt aber nicht für den normalen Büromenschen, der "draußen 20 Minuten spazieren geht", so Marschall. Wer kein Durstgefühl empfindet (vor allem Kinder und ältere Menschen), kann sich an der Farbe des Urins orientieren - ist er dunkelgelb, muss mehr getrunken werden.

  • Ernährung

    Wer nicht gerne trinkt, sollte auf die Auswahl flüssigkeitshaltiger Lebensmittel achten. Marschall empfiehlt hier etwa Wassermelone, Suppe, Salat oder Joghurt. "Regionales und saisonales Obst enthält viel Vitamin C, da tut man auch dem Immunsystem etwas Gutes". Fettes und schweres Essen belastet den Körper nur zusätzlich.

  • Sport - aber nicht im Fitnessstudio

    Bewegung und Sport fordern den Körper heraus. Schon tägliches Spazierengehen hilft, um den Körper auf die natürlichen Temperaturschwankungen einzustellen. Dabei heißt die Devise: Raus aus dem Fitnessstudio, auch im Winter. Wichtig: Nach den individuellen Möglichkeiten und Kräften agieren. "Es ist all das gut, wobei man sich auch gut fühlt", sagt Marschall. Wer sich beim Spazierengehen unterfordert fühlt, kann auch Joggen - dabei sollte man auf seinen Körper hören und nicht als Untrainierter sofort in der größten Mittagshitze losziehen. Es gilt, die eigenen Grenzen kennenzulernen und sich in ihnen zu bewegen.

  • Homöopathie

    Bisher liegen keine wissenschaftlichen Daten vor, dass einzelne homöopathische Präparate die Wetterfühligkeit herabsetzen. Marschall sagt dazu: "Es ist ganz wichtig, dass man das Thema Wetterfühligkeit immer nur als ein Mosaiksteinchen in einem großen Bild von vielen Faktoren sieht". Man könne daher nicht erwarten, dass ein Präparat gleich alle Facetten beeinflusst. "Die Homöopathie kann bei einigen Patienten hilfreich und unterstützend sein", ergänzt Marschall. Nicht unterschätzen sollte man psychologische Effekte. Durch das Gefühl, selber etwas dazu beizutragen, dass es einem besser geht - etwa durch Ernährung, Schlaf oder Sport - könne es sein, dass zusätzliche Mittel gar nicht mehr nötig sind.

Normalerweise transportiert der sogenannte Jetstream, ein schneller Höhenwind, kalte Luft und warme Luft um den Globus. Fakt ist, dass die warme Luft, die durch El Niño am Pazifik aufsteigt, den Verlauf des Jetstream stören kann. Das könnte dazu führen, dass wir auf einmal warme Temperaturen dort haben, wo es normalerweise kalt wäre - so wie am Nordpol, oder diesen Monat auch in Europa. Dieser Dezember wird wahrscheinlich als wärmster Dezember in Deutschland in die Geschichte eingehen.

Bleibt es denn auch in Deutschland so warm? Wie wird die Silvesternacht?

Im Moment stellt sich die Wetterlage um. Das Hoch gewinnt an Dynamik und schaufelt uns kalte Luft aus Osteuropa zu. Den Winter, den wir bisher ja nur auf dem Papier gekannt haben, kommt jetzt langsam. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein wird jetzt der Frost kommen. Und in den Alpen wird es wohl auch endlich den langersehnten Schnee geben. Auch wenn sich das wahrscheinlich nicht lange hält.

Herr Knobelsdorf, vielen Dank für das Gespräch.

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