50 Ideen für eine bessere Welt: Die cleveren Projekte sozialer Unternehmer

50 Ideen für eine bessere Welt: Die cleveren Projekte sozialer Unternehmer

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Die Hindustan Unilever Limited (HUL), indische Tochter des niederländisch-britischen Konsumgüterkonzerns Unilever, nutzt örtliche Selbsthilfegruppen, um in den Dörfern ein Vertriebsnetz für ihre Produkte aufzuziehen

Viele Konzerne kümmerten sich bislang eher wenig um Probleme dieser Welt. Wie etwa die Versorgung der Ärmsten in Entwicklungsländern mit Medikamenten, fehlende Jobs und unzureichende Kommunikationstechnik. Hier kommen Sozialunternehmer ins Spiel, die sich für einen Wandel der Gesellschaft einsetzen. Sie werden nun immer öfter zum Vorbild auch für große Unternehmen, die ihr Image verbessern – oder einfach helfen wollen.

Wandel durch Handel

Außer Not und Elend hatte das Leben Chhaya lange nichts zu bieten. Doch die 38-jährige Inderin aus einem Dorf gut 100 Kilometer südlich von Hyderabad an der Ostküste Indiens wollte sich als Mutter zweier Töchter mit dieser Situation nicht abfinden. Ihr sehnlichster Wunsch: endlich ein geregeltes Einkommen haben, das ihr und ihrer Familie bescheidenen Wohlstand ermöglicht. Um dem Ziel näher zu kommen, trat sie einer örtlichen Selbsthilfegruppe bei. Die Frauen des ländlichen Indiens bringen sich darin handwerkliche und unternehmerische Fähigkeiten bei und sammeln Geld für Kleinstkredite, mit denen sie versuchen, sich
selbstständig zu machen.

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Die Hindustan Unilever Limited (HUL), indische Tochter des niederländisch-britischen Konsumgüterkonzerns Unilever, nutzt diese Zweckbündnisse, um in den Dörfern ein Vertriebsnetz für ihre Produkte aufzuziehen. Im Gegenzug verschafft das Unternehmen den Frauen, die als selbstständige Verkäuferinnen ausgesucht werden, eine Erwerbsquelle. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und die Nachhaltigkeitsexperten der Münchner Ratingagentur Oekom Research loben das Modell als vielversprechenden Ansatz, wie Unternehmen helfen können, in armen Gegenden der Welt eine wirtschaftliche Entwicklung in Gang zu bringen.

Chhaya war eine der Auserwählten. Jeden Morgen verlässt sie um sieben Uhr das Haus, um in den umliegenden Dörfern zu erklären, warum regelmäßiges Händewaschen und saubere Kleidung vor Krankheiten schützen. Natürlich will sie nicht nur Bewusstsein für die Wichtigkeit von Hygiene schaffen. Im Gepäck hat sie immer einen großen Pappkarton voll mit den entsprechenden Produkten: Seifen, Waschmittel, Shampoos, Haushaltsreiniger – alles abgefüllt in winzige, für die Dorfbewohner bezahlbare Mengen.

Der neue Job hat Chhaya ihrem Traum ein Stück näher gebracht. Umgerechnet 20 Dollar verdient sie jetzt im Monat – doppelt so viel wie vorher. Sie bezeichnet sich als Unternehmerin und ist stolz darauf, ihr eigenes Geld zu verdienen. Shakti – zu Deutsch Kraft – heißt das Programm, mit dem Unilever heute 45 000 Frauen aus 15 indischen Bundesstaaten ein geregeltes Einkommen ermöglicht. Die Frauen wiederum beschäftigen noch einmal rund 30 000 Familienangehörige. Der Konzern kooperiert mit Nichtregierungsorganisationen, die den Niederländern Zugang zu den Selbsthilfegruppen ermöglichen. Anschließend zeigen Unilever-Vertreter den Frauen, wie sie einen Tür-zu-Tür-Handel aufbauen können. Partner des Konzerns helfen ihnen mit Kleinkrediten um die 200 Dollar – Geld, mit dem die Frauen eigene Läden eröffnen können.

Dabei hat Unilever nie versucht, Shakti als ein reines Sozialprojekt zu verkaufen, sondern immer betont, auch selbst davon zu profitieren. Schätzungen zufolge erzielt die Tochter HUL rund die Hälfte ihres Umsatzes in ländlichen Gegenden. Besonders während der jüngsten Weltwirtschaftsflaute zeigte sich die Belastbarkeit des neu erschlossenen Verkaufsnetzes: „Shakti ist in der Krise wichtiger für uns geworden“, sagt HUL-Geschäftsführer Hemant Bakshi. „Wenn wir in schwierigen Zeiten weiter wachsen wollen, werden wir das Programm ausbauen müssen.“ Die Pläne dafür liegen bereit: Bis 2015 soll das Vertriebsnetz um weitere
30 000 Verkäuferinnen ausgebaut werden. Der Indien-Experte Armin Paasch vom katholischen Hilfswerk Misereor steht dem Programm dennoch kritisch gegenüber.

Er bemängelt, dass Unilever ausschließlich seine eigenen Waren vertreibt und die Verkäuferinnen konkurrierender Produkte oftmals vom Markt verdrängt. Chhaya sind solche Einwände egal. Sie plant bereits den nächsten Schritt auf ihrer Karriereleiter: Jeden Monat legt sie Geld zurück, um bald ihren eigenen Shakti-Laden eröffnen zu können. Am liebsten hätte sie, dass auch ihre Töchter Verkäuferinnen werden. „Dann haben wir das Geld schneller zusammen“, sagt sie.

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