50 Ideen für eine bessere Welt: Die CO2-Waschmaschine

50 Ideen für eine bessere Welt: Auf der Suche nach sauberer Energie

Die CO2-Waschmaschine

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Mit Climeworks soll bald aus dem ausgestoßenen CO2 neuer Treibstoff gewonnen werden.

Ein grau-weißer Kasten, kaum größer als ein Schuhkarton, an dem einige Kabel und Schläuche baumeln und den ein paar Messinstrumente umgeben: Unspektakulärer könnte das Gerät kaum aussehen, das da auf einem Labortisch in den frisch bezogenen Räumen des Unternehmens Climeworks in Zürich steht.

Und doch hat es das Zeug, die Welt zu verändern. Davon sind jedenfalls die Climeworks-Gründer Jan Wurzbacher, 28, und Christoph Gebald, 29, überzeugt. Denn im Inneren des Geräts, versichern die jungen deutschen Maschinenbau-Ingenieure, verberge sich das bisher fehlende Glied, um die Menschheit auch nach dem Ende des Erdöl-Zeitalters in ausreichenden Mengen mit erschwinglichem Biokraftstoff versorgen zu können – und das gänzlich klimaneutral.

Das vermeintliche Wunderwerk ist ein Filter, den Wurzbacher und Gebald als Doktoranden an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich entwickelt haben. Er fischt dank seiner speziellen porösen Struktur aus ganz normaler Luft mit wenig Energieaufwand Kohlendioxid (CO2) heraus. Synthetisiert man das Gas mit Wasserstoff, entsteht am Ende einer längeren Prozesskette Benzin, Diesel und Kerosin (siehe Grafik).

Eine solche CO2-Waschmaschine wäre ein Segen für unseren Planeten: Denn bei der Verbrennung des Ökotreibstoffs gelangt kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre, sondern nur so viel, wie die Filteranlage ihr vorher von dem Treibhausgas entzogen hat. Der CO2-Kreislauf wäre geschlossen – Tanken würde dem Klima nicht mehr schaden.

Bekannte Technik wirtschaftlich gemacht

Tanken ohne Nebenwirkungen. Wie sich Treibstoff klimaneutral gewinnen lässt

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Vor der Weltenrettung, das räumen Wurzbacher und Gebald bei aller Zuversicht ein, stehen allerdings noch einige Jahre harter Entwicklungsarbeit. Oberstes Ziel der beiden Erfinder ist es, die Filteranlage reif für den großtechnischen Einsatz zu machen. Investoren – wie die Zürcher Kantonalbank – haben ihnen dafür in einer jüngst abgeschlossenen Finanzierungsrunde insgesamt 2,5 Millionen Euro spendiert.

Die Idee, aus Wasser und CO2 saubere Treibstoffe herzustellen, hat nichts mit Spinnerei zu tun. Die prinzipielle Technik dafür steht bereit. Doch bisher gab es bei der Umsetzung einen großen Pferdefuß: Um CO2 zum Beispiel aus dem Abgas von Kohlekraftwerken herauszutrennen, wo das Gas in großen Mengen vorkommt, sind ein enorm hoher Druck und eine Temperatur von einigen Hundert Grad notwendig. Der extreme Energiebedarf machte die CO2-Gewinnung unwirtschaftlich. Wurzbachers und Gebalds Filter funktioniert schon bei Temperaturen von weniger als 100 Grad, und die lassen sich problemlos mit einem Sonnenkollektor plus angeschlossenem Wärmespeicher erreichen. Zudem können sie ihre Anlage an jedem beliebigen Ort aufstellen – Luft befindet sich schließlich überall.

Um ihre Erfindung im industriellen Maßstab umzusetzen, haben sich die Tankrevolutionäre mit Sunfire in Bremen verbündet. „Unser Part ist die Lieferung des aus der Luft gewonnenen CO2“, sagt Wurzbacher. Die Sunfire-Gründer Carl Berninghausen, Nils Aldag und Christian von Olshausen haben das Gesamtverfahren zur synthetischen Kraftstoffgewinnung seit 2008 zur industriellen Reife entwickelt.

Billige Massenproduktion

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Das gefürchtete Klimagas CO2 könnte zum Öl der Zukunft werden. Dank neuer Verfahren wird es bereits für Alltagsprodukte wie Parfüm, Pillen und Schuhe genutzt.

Quelle: Reuters

Die nächsten Schritte haben sie klar abgesteckt: Nächstes Jahr geht eine Testanlage in Betrieb, 2016 folgt eine erste Demonstrationsanlage. Drei Jahre später soll die Erzeugung dann in großem Stil beginnen – mit einer Tageskapazität von zunächst 650 000 Litern. Klingt viel, ist aber nur ein Bruchteil der etwa 180 Millionen Liter Kraftstoffe, die deutsche Autofahrer täglich verbrauchen.

Dank der neuen energiesparenden Filtertechnik von Climeworks erwartet Wurzbacher, die Erzeugungskosten bis dahin auf 1,20 bis 1,50 Euro je Liter drücken zu können. Das liegt zwar nur knapp unter den heutigen erdölbasierten Spritpreisen. „Aber die werden sicher bis dahin weiter deutlich gestiegen sein“, sagt Wurzbacher. „Und je mehr wir die Massenproduktion ausbauen, desto billiger wird unser Treibstoff.“ Überdies stehen Luft, Wasser und Sonne praktisch unbegrenzt zur Verfügung. Zunächst will sich das Duo Sunfire und Climeworks auf die Herstellung von Kerosin konzentrieren. Der Grund: Die Luftfahrtindustrie hat sich verpflichtet, 2020 zehn Prozent ihrer Treibstoffe aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Der Preis spielt daher für sie nicht die wichtigste Rolle – Hauptsache, sie bekommt die Mengen zusammen.

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Wie rasch sich der klimaschonende Sprit aus Sonne, Wasser und Luft verbreitet? Wurzbacher hält nichts von Übertreibungen. Realistisch sei ein Anteil von fünf bis zehn Prozent bis zum Jahr 2030. Immerhin: Die Umwelt könnte schon einmal etwas aufatmen, und die Abhängigkeit vom Erdöl wäre merklich gelindert.

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