Antibiotika: Einsatz in der Tierhaltung geht laut BfR zurück

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Antibiotika: Einsatz in der Tierhaltung geht laut BfR zurück

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Ein Ferkel steht in einem Gehege.

Antibiotika in der Tierhaltung sind umstritten - Resistenzen drohen. Aktuelle Erhebungen des Bundesinstituts für Risikobewertung weisen auf ein Umdenken hin: In den vergangenen Jahren sank der Antibiotika-Einsatz.

Immer mehr Bakterienstämme entwickeln Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika - die einst scharfe Waffe wird stumpf. Im Verdacht, diese Entwicklung zu beschleunigen, steht auch immer wieder die Landwirtschaft: Durch den massenhaften Einsatz in der Tiermast bilden sich resistente Keime, wodurch wiederum schwere Infektionen beim Menschen befürchtet werden. Denn Antibiotikaresistenzen können nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch zwischen Tieren und Menschen übertragen werden - etwa über tierische Nahrungsmittel.

Vor Kurzem hatte das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) erst einen Verbrauchermonitor veröffentlicht. Dieser zeigte, dass sieben von zehn Verbrauchern wegen Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln beunruhigt sind. Weitere aktuelle Erhebungen des BfR, die am Montag in Berlin vorgestellt wurden, geben nun Anlass zur Hoffnung: Demnach nimmt der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft inzwischen ab.

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Wie man Antibiotika richtig einsetzt

  • Wie Antibiotikaresistenzen entstehen

    Bakterien verändern sich ständig, um sich an wandelnde Umweltbedingungen anzupassen. Kleine Variationen im Erbgut, die Mutationen, verschaffen manchen Mikroben einen Überlebensvorteil, die sich daraufhin stärker vermehren als ihre übrigen Artgenossen. Dieses Grundprinzip der Evolution hilft auch Krankheitserregern, sich gegen Antibiotika zu wehren, etwa indem sie Wirkstoffe zerstören, bevor sie ihnen gefährlich werden. Doch wir können es den Keimen schwerer machen, diese Resistenzen zu bilden, indem wir einige Taktiken beachten.

  • Antibiotika sparsam verwenden

    Auch wenn es banal klingt – nur wenn ein Bakterium mit einem Antibiotikum in Kontakt kommt, bringt ihm eine Resistenz einen Überlebensvorteil. Daher sollten Mediziner die Mittel nur dann verordnen, wenn es aus medizinischen Gründen wirklich erforderlich ist. Doch noch immer setzen sie Antibiotika viel zu lax und häufig ein. Sogar dort, wo sie gar nicht wirken: etwa bei Erkältungen. Die werden meist von Viren verursacht, gegen die jedes Antibiotikum machtlos ist. Erste Schnelltests für Hausärzte gibt es schon, die zwischen Viren oder Bakterien unterscheiden.

    Zudem verwenden Landwirte Breitbandantibiotika seit Jahrzehnten als Mastmittel in der Tierzucht, was zumindest in Europa offiziell verboten ist. Von den 2000 pro Jahr in Deutschland verbrauchten Tonnen sind nur 350 Tonnen für den Menschen bestimmt, der Rest für Tiere. In den Ställen entstehen durch den dauernden Kontakt mit Antibiotika schnell Resistenzen, die auch auf Keime überspringen, die Menschen befallen.

  • Antibiotika richtig dosieren

    Verordnet ein Arzt ein Antibiotikum, darf es nicht zu niedrig dosiert sein oder die Behandlung zu früh abgebrochen werden. Sonst überleben genau jene Keime, die Abwehrstrategien entwickelt haben. Sie geben die Resistenzen
    dann an die Nachkommen weiter.

  • Sorgfältig desinfizieren

    Krankenhäuser sind eine Art Paradies für Keime: Die vielen vorkommenden Erreger können Resistenzgene austauschen; alte, immungeschwächte Patienten bringen neue Keime ins Haus: Jede Operation eröffnet den Erregern ideale Einflugschneisen in den Körper. Deshalb ist penible Hygiene in den Kliniken extrem wichtig. Viele Häuser lehnen es mittlerweile ab, verkeimte Patienten etwa aus schlecht geführten Pflegeheimen aufzunehmen, oder schicken sie konsequent auf Isolierstationen.

  • Früh diagnostizieren

    Bisher weiß ein Arzt oft nicht, ob er mit einem Breitbandantibiotikum früh zugeschlagen soll, um möglichst schnell viele Bakterienarten zu töten, oder ob er lieber mit einem speziellen Mittel einen einzelnen Erreger zielgerichtet
    angreifen soll. Gen-Schnelltests machen es jetzt möglich, einen Krankheitserreger vor der Behandlung genau zu identifizieren. Bisher dauerte das Tage.

Resistente Keime in Lebensmitteln nehmen nicht zu

Eines der Forschungsprojekte nahm etwa Mastschweine ins Visier. Dabei zeigte sich, dass die Behandlungen von fünf Tagen pro Stallplatz und Halbjahr im Jahr 2011 auf nur noch einen Tag in 2014 sank. Wie es zu diesem Rückgang der Verordnungen durch Tierärzte kam, soll weitergehend untersucht werden.

BfR-Präsident Andreas Hensel erklärte: "Eine positive Erkenntnis aus unseren Studien ist, dass antibiotikaresistente Keime in der Lebensmittelkette nicht weiter zunehmen.“ In der Konsequenz sei es nun wichtig, "die Ursachen zu finden und weitere Maßnahmen zu ergreifen." Als eine mögliche Ursache nannte er den festgestellten rückläufigen Einsatz der Medikamente in der Landwirtschaft.

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Noch immer sind Antibiotika die wirksamste Waffe der Medizin im Kampf gegen bakterielle Infektionen bei Mensch und Tier. Durch oft wahllosen Einsatz und unsachgemäße Einnahme sind bereits viele Resistenzen entstanden - hier wird gern das Bild vom stumpfen Schwert verwendet, das gegen die Infektionen nichts mehr auszurichten vermag. Oft bilden sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon kurz nach der Entwicklung neuer Antibiotika auch neue Resistenzen aus - mit verheerenden Folgen: Allein in den EU-Ländern sterben laut WHO-Schätzungen jährlich rund 25.000 Menschen an schweren Infektionen mit resistenten Bakterien.

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