Architektur: Vom Kriegsbunker zum Loft

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Architektur: Vom Kriegsbunker zum Loft

von Andreas Menn

Loft statt Luftschutz - deutsche Bunker sind begehrt als Wohnungen, Büros und Ateliers. Erst seit wenigen Jahren ist die Technik entwickelt, mit der sich die massiven Gebäude renovieren lassen.

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Fotomontage mit Visualisierung des umgebauten Düsseldorfer Bunkers.

Als es Granaten über Düsseldorf regnete, saß Manfred Jung hinter zweieinhalb Meter dicken Wänden und fühlte sich bombensicher. Der Steppke von fünf Jahren war mit der Mutter anno 1943 in den Bunker an der Pariser Straße im Stadtteil Heerdt geflüchtet, schlief wie Hunderte andere Schutzsuchende auf Stockbetten und aß Suppe aus Kartoffeln, die er auf den Feldern klaute. Die halbe Stadt brannte, der Betonklotz blieb. „Wär das Ding nicht gewesen“, sagt der 76-Jährige, „dann wär auch ich nicht mehr.“

Weil „das Ding“ Jungs Leben rettete, will dessen Sohn nun den Bunker wiederbeleben. Peter Jung, Inhaber einer Werbeagentur, hat das Trumm gekauft und macht es zum Luxusdomizil. Seit Monaten sägen Arbeiter tonnenschwere Klötze heraus, schaffen Platz für 24 Wohnungen samt Terrasse und Lift fürs Auto. „Bunker bieten erstklassigen Wohnraum“, sagt Bauleiter Gerd Schmitz, „es wäre zu schade, sie abzureißen.“

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Luxus im Luftschutzbunker, Stuck statt Stockbetten: Architekten machen sich landauf, landab daran, die Schutzräume des Zweiten Weltkriegs in moderne Lofts, Büros, Ateliers oder Kulturzentren zu verwandeln. Ein wahrer Bunkerboom ist im Gange, seit der Bund im Jahr 2007 die meisten Schutzräume zum Verkauf freigab. Mehr als 190 Anlagen hat die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben inzwischen veräußert. In den kommenden Jahren stehen 200 weitere Hochbunker zur Versteigerung an.

Erst seit wenigen Jahren ist die Technik entwickelt, mit der sich die massiven Gebäude renovieren lassen. Die Bauherren rücken mit Diamantsägen und Schwerelastkränen an – teures Spezialgerät. Doch sie können hinterher oft zu Luxuspreisen verkaufen und vermieten. Denn viele angebotene Bunker liegen auf Filetgrundstücken in der Innenstadt – etwa bei der Sendlinger Straße in Münchens Altstadt oder in Hamburgs Uni-Bezirk Eimsbüttel.

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Trifft einen Bunker die Abrissbirne, blutet vielen das Herz. Dutzende Beispiele zeigen, wie sich die düsteren Kriegsdenkmäler in lichte Gebilde verwandeln lassen. Der Berliner Architekt Gerhard Spangenberg etwa hat einen Bunker in Bochum als Unterbau eines 15-stöckigen Bürohauses genutzt. Mit seinen drei gegeneinander verschobenen Blöcken gleicht es einem fragilen Turm aus Spielklötzen.

An der Elbe wiederum hat der Versorger Hamburg Energie einen Gefechtsturm in ein Kraftwerk umgewandelt. Solarmodule auf dem Dach erzeugen Strom, im Innern liefern Biogas und Holz Wärme. So dient der Betonklotz aus dem Dritten Reich jetzt erneut als Bunker – nur diesmal für die Wärme, die ein riesiger Wassertank, groß wie 13.000 Badewannen, für kalte Nächte zwischenspeichert.

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