Bau von Nord Stream: 100 Millionen Euro für den Umweltschutz

Bau von Nord Stream: 100 Millionen Euro für den Umweltschutz

, aktualisiert 08. November 2011, 13:28 Uhr
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Unter Umweltschützern war der Bau der Ostseepipeline von Anfang an umstritten.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Bau der neuen Ostseepipeline war ein schwieriger Balanceakt zwischen Ökologie und Ökonomie. Noch auf Jahre hinaus wird Nord Stream Millionenzahlungen für Umweltschutzprojekte leisten.

Lubmin/DüsseldorfZehn Millionen Euro – so viel war den Umweltorganisationen BUND und WWF ihr Klagerecht gegen die neue Ostseepipeline wert. Als die Nord Stream AG vor fünf Jahren Details über die geplante Verlegung der 1224 Kilometer langen Rohrleitung durch die Ostsee veröffentlichte, hatte der WWF noch vor einem „Parforceritt auf Kosten der empfindlichen Meeresnatur“ gewarnt.

WWF und BUND gingen gerichtlich gegen die Baugenehmigung vor. Monate später einigte man sich, nachdem Nord Stream für die Gründung einer Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee zehn Millionen Euro zusagte. Geleitet wird die Stiftung von Funktionären beider Umweltverbände. Die Hälfte des Geldes soll Naturschutzprojekten zugute kommen, die andere Hälfte bildet das Stiftungskapital.

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Kritiker warfen beiden Organisationen in der Folge Käuflichkeit vor. Doch so einfach ist die Sache keineswegs. Tatsächlich gehört der deutsch-russische Röhrenbau zu den ökologisch bestdokumentierten Projekten dieser Art. Und die Ergebnisse der vielfältigen Untersuchungen flossen in hohem Maße in die Realisierung des Projektes ein.

Mehr als zwanzig Forschungsinstitute und Unternehmen wurden allein von Nord Stream mit der Untersuchung möglicher Umweltauswirkungen des Baus beauftragt. Gut 100 Millionen Euro gaben die Pipeline-Betreiber nach eigenen Angaben dafür aus. Das Spektrum reichte von 1000 Wasser- und Sediment-Proben an 96 Messpunkten bis zu Feldstudien an 77 ausgewählten Stationen, wo Fische, Meerespflanzen, Meeressäuger und Seevögel beobachtet wurden.

Auf Wunsch dänischer und finnischer Behörden wurden Streckenalternativen erkundet und zum Beispiel der Trassenverlauf südlich von Bornholm korrigiert. Unabhängige Institute wie die Universität Gotland lieferten Studien, wie sich Bau und Betrieb der Ostseepipeline zum Beispiel auf Fischereibetriebe, Tourismus, den Bau von Windparks oder die Bewahrung von archäologischen Unterwasserdenkmälern auswirkten.


Altlasten verhindern Renaturierung

In Deutschland verpflichtete sich Nord Stream zu einem Kompensationsprogramm. Demnach würden in den nächsten 20 Jahren für Ersatz- und Ausgleichsprojekte an der ostdeutschen Küste mindestens 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, sagt Projektleiter Jens Lange. Vor der Insel Ruden zum Beispiel wurden bereits mit großen Felsgesteinen neue Ruheplätze für Robben angelegt.

Bei Leopoldshagen auf den Wiesen am Stettiner Haff startete im Frühjahr ein Langzeitprojekt zum Schutz seltener Wiesenbrüter wie Uferschnepfen, Brachvögel und Kiebitze. Die am Boden nistenden und jahrzehntelang durch Landwirtschaft und Räuber wie Füchse und Marderhunde nahezu komplett ausgerotteten Küstenvögel sollen durch umzäunte Gehege und eine ökologisch ausgerichtete Mahd geschützt werden.

Für Wiedervernässung, Ausgleichszahlungen an betroffene Landwirte, die mehrjährige Überwachung des 495 Hektar großen Küstenareals durch einen Ornithologen sowie Jagdzüge auf sogenannte Prädatoren will Nord Stream bis zum Jahr 2031 finanziell aufkommen.

Abgesagt wurde dagegen die ursprünglich geplante Renaturierung eines 125 Hektar großen Land- und eines 35 Hektar umfassenden Seegebietes im Norden der Insel Usedom. Auf dem Areal des sogenannten Peenemünde Hakens sei man auf so viele Munitionsfunde gestoßen, dass jegliche Tiefbauarbeiten verboten worden seien, sagte Projektmanager Lange. Die angestrebte Lagunenlandschaft für seltene Flussseeschwalben und Sandregenpfeifer sowie geschützte Tagfalter könne nicht entstehen. Nun werde nach einem alternativen Projekt gesucht.

Natürliche Verhältnisse sollen auch im unmittelbaren Anlandebereich der Ostseepipeline wiederhergestellt werden. Dafür wird bei Lubmin, wo die Übernahmestation entstand, eine Graudünenlandschaft mit Sand- und Magerrasen auf einer Fläche von sechs Hektar angelegt. Insgesamt sollen 6000 Kubikmeter mariner Sand angelandet werden.


Auf extreme Belastung ausgelegt

Um Risiken auch im laufenden Betrieb möglichst gering zu halten, sind die Röhren auf extreme Belastung ausgelegt. Jedes Rohr ist mit einer Mischung aus Eisen und Beton ummantelt, was ihm einerseits die nötige Schwere gegen den Auftrieb verleiht, andererseits aber auch Schäden durch Fischernetze oder Schiffsanker verhindern soll. An besonders gefährdeten Stellen sowie generell in Landnähe wurden die Rohre zudem im Meeresboden versenkt.

Die so geschützte Anlage soll mindestens 50 Jahre halten – auf diese Betriebsdauer ist die Pipeline ausgelegt. In dieser Zeit wird sie von Nord-Stream-Experten regelmäßig inspiziert. Spezielle Messgeräte, sogenannte Molche (Messgeräte), gehen dazu mit dem Gasstrom auf die Reise durch die Pipeline. Entdecken sie einen Schaden, etwa ein Leck, wird zunächst die Gaszufuhr in Russland abgestellt, um den Druck aus der Pipeline zu nehmen.

Für die eigentliche Reparatur muss die Leitung dann völlig entleert, mit Wasser geflutet und anschließend wieder getrocknet werden. Ein Verfahren, das im schlimmsten Fall Monate in Anspruch nehmen kann. Und so hoffen die Betreiber inständig, dass sich die eigene Einschätzung, wonach schwerwiegende Probleme an der Pipeline sehr unwahrscheinlich sind, in der Realität bewahrheitet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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