Bericht des Weltklimarats: Klimadiplomatie war gestern – offensive Wirtschaftspolitik ist heute

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KommentarBericht des Weltklimarats: Klimadiplomatie war gestern – offensive Wirtschaftspolitik ist heute

von Cordula Tutt

Nach einem neuen Bericht des Weltklimarates scheint eine politische Lösung für alle ferner denn je. Doch regionale Koalitionen der Willigen sind besser als nichts – auch und gerade für die Industrie.  

Alles schon mal gehört: Im letzten Jahrzehnt wurde weltweit soviel Kohle verfeuert wie nie zuvor. Nicht mal die Energiewende in Deutschland hin zur klima- und umweltfreundlicheren Krafterzeugung hat vermocht, die Treibhausgase zu senken. Auch bei uns wird mehr davon in die Luft gepulvert, trotz Windrädern und Solarkollektoren.

Nach dem neuesten Bericht des Weltklimarats (IPCC) ist es mal wieder fünf vor zwölf.  Das ist aus Sicht der Wissenschaftler plausibel, auch wenn sie eine ähnliche Botschaft nunmehr seit ihrem ersten Bericht vor rund 20 Jahren präsentieren.  Plausibel ist die regelmäßig alarmistische Botschaft der IPCC-Forscher aus zwei Gründen:  Alle statistischen Analysen weisen inzwischen nach, dass der Klimawandel der vergangenen Jahrzehnte zu einem Gutteil Menschenwerk ist und alles, was wir heute entscheiden, die Generation der Enkel treffen wird. Außerdem  würde ein Bericht ohne Hinweis auf neue Wetterextreme oder die bedrohte Nahrungsmittelproduktion sicher noch weniger Politiker und Bürger aufrütteln.

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Zahlen zum Klimawandel

  • 0,05 Grad Celsius

    Nur 0,05 Grad Celsius weniger würde die Temperatur durch die EU-Klimapläne ansteigen.

  • 300 Euro

    Es ist 300 Euro teurer, eine Tonne CO2 mit Solar- statt mit Windstrom zu vermeiden.

  • 3.600 Euro

    Um 3.600 Euro verteuern schärfere CO2-Grenzwerte jeden Neuwagen.

  • 15 Billionen Euro

    Mit 15 Billionen Euro will die EU bis 2100 die Erderwärmung bekämpfen.

Solche Ergebnisse reichen aber nicht und immer weniger aus, die Klimadiplomaten, die Energieerzeuger, die Wirtschaftspolitiker und Umweltschützer auf gemeinsame Schritte zu verpflichten. Die Interessen sind regional zu unterschiedlich,  daraus haben sich inzwischen längst auch regional unterschiedliche Ziele entwickelt. Höchstens zwei Grad Erderwärmung zuzulassen – im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung vor gut 150 Jahren – das scheint nicht mehr realistisch. Vor dem Weltklimagipfel kommendes Jahr in Paris dürften die Willigen es nur noch schaffen, regionale Koalitionen zu schmieden. Ein weltweiter Pakt fürs Klima ist nicht absehbar.

Was kann also bestenfalls passieren?  Die EU hat ein einfaches Mittel in der Hand. Sie kann das klimaschädliche Kohlendioxid mit einem Preis versehen, der tatsächliche Kosten der Umweltverschmutzung  wiedergeben und den Auspuff des Gases auf dem Kontinent vermindern würde.  Wenn Kohlendioxid einen angemessenen Preis bekommt, wird klar, dass die Atmosphäre allen gehört und nicht nur jenen, die unmittelbar Nutzen aus einer Fabrik ziehen. Das müsste in Europa trotz der osteuropäischen Länder machbar sein, die auf Kohle setzen. Der C02-Preis war schon mal deutlich höher, damals war vom Untergang der europäischen Industrie keine Rede. Bei den heutigen Preisen des Emissionshandels hätte dieser gar nicht erst eingeführt werden müssen. 

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Außerdem müssten Regierungen, allen voran auch die deutsche, wieder offensiver werden. Die Technologie gegen die Luftschadstoffe gibt es bei vielen deutschen Unternehmen, andere schwenken um in dieses wachstumsträchtige Feld. Das bietet Wirtschaftswachstum und nicht nur Einschränkungen für die Wirtschaft bei klareren Klimazielen.  International lässt sich so durchaus auch punkten. Ohne erhobenen Zeigefinger. Herkömmliche Brennstoffe und traditionelle Energieerzeugung machen nicht nur Chinesen inzwischen den Alltag zur Qual und das Atmen zur unerwünschten Pflicht.

Es gab mal kurzzeitig einen deutschen Bundesumweltminister, der diesen offensiven Gedanken, eine solche innovative Wirtschaftspolitik , auch international propagierte: der jetzige Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sprach oft und gern vom Vorbild der „German Energy Wende“, von schlauen Energieerzeugern und effizienter Nutzung der Ressourcen. Ausgefüllt hat der den Gedanken allerdings nicht mehr, Verbündete auch kaum an sich gebunden, bevor er seinen Posten wechselte. Genug Ideen gäbe es in der Industrie – wenn die Anreize stimmen.

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