Brasilien: Solardächer für die neuen WM-Stadien

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Brasilien: Solardächer für die neuen WM-Stadien

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Ein undatiertes Foto des Erstliga-Stadions Pituaçu in der brasilianischen Stadt Salvador de Bahia. Es wurde im April 2012 als erstes solares Fußballstadion Lateinamerikas eingeweiht. Die Arena ist mit einer 400-Kilowatt- Photovoltaikanlage ausgestattet. Kostenpunkt: umgerechnet 2,3 Millionen Euro. Weitere Stadien sollen folgen, darunter der legendäre Maracanã-Fußballtempel in Rio de Janeiro.

Quelle:dpa

Ausgerechnet im Sonnenland Brasilien fristet die Solar-Branche ein Schattendasein. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern – dank der Fußball-WM.

Die Idee kam eher zufällig. Es war im Juni 2009 bei einem Fußball-Spiel in einem brasilianischen Stadion. Die Sonne schien, das Bier war kalt, die Partie dagegen eher lau, erinnert sich Dirk Assmann, der sich mit Partnern schon länger den Kopf darüber zerbrach, wie man dem Mauerblümchen Solarenergie im sonnenverwöhnten Brasilien zur Blüte verhelfen kann.

„Na klar, Photovoltaik-Anlagen in Fußball-Stadien. Das ist es“, beschreibt der Programmleiter Energie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den zündenden Moment.

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Seit 2009 ist viel passiert: Im vergangenen April wurde in Brasilien das erste solare Fußballstadion Lateinamerikas eingeweiht - das Erstliga-Stadion Pituaçu in Salvador de Bahia. Die Arena ist mit einer 400-Kilowatt- Photovoltaikanlage ausgestattet und weitere Stadien sollen folgen, darunter der legendäre Maracanã-Fußballtempel in Rio de Janeiro. Dort werden die Finalspiele des Confederations Cup 2013 und der Fußball-WM 2014 ausgetragen.

Die Idee „Solarpower auf Stadiendächern“ wird den Energie-Mix Brasiliens quantitativ nicht revolutionieren. Aber das Projekt soll vor allem Aufmerksamkeit schaffen für Solarenergie. Und dafür ist in Brasilien kein Thema besser geeignet als Fußball. Die Solarenergie soll in der sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt einen ähnlichen Boom erfahren wie die Windenergie, deren Leistung von 400 Megawatt (MW) im Jahr 2008 auf 1,5 Gigawatt Ende 2011 anstieg. Im Bau sind derzeit Kapazitäten von 5,5 Gigawatt.

Anteil der Solarenergie liegt faktisch bei null Prozent

Dagegen ist der Anteil von Solarenergie kaum messbar. 2011 waren nur 2 MW Photovoltaik-Leistung am Netz. In Deutschland sind es 25 000 MW, und das obwohl es selbst im südlichen Porto Alegre, wo das Wetter deutlich schlechter ist als in anderen Ballungsräumen Brasiliens, 40 Prozent mehr Sonnenstrahlung gibt als im sonnenverwöhnten München.

Branchenexperten rechnen nach Angaben der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Germany Trade and Invest/GTAI) mit einem Bedarf an Ausrüstung bis 2020 im Wert von rund 25 Milliarden Reais (9,6 Mrd Euro). Damit könnte der Anteil der Solarenergie am Energiemix von heute faktisch null Prozent bis 2016 auf 3 bis 5 Prozent steigen.

Einen Schub dürften dabei die sinkenden Kosten für Solarenergieanlagen bringen, denn die Preise für Photovoltaik-Module fielen 2011 weltweit fast um 50 Prozent. Die Anlage auf dem Dach des Pituaçu-Stadions kostete umgerechnet stolze 2,3 Millionen Euro, die zum Großteil vom lokalen Energieversorger COELBA aufgebracht wurden. Die im Auftrag der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der Kfw-Bankengruppe tätige GIZ verwendete 60 000 Euro für die Beratung.

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Die GIZ-Rechnung: „Mit jedem Euro deutscher Steuerzahler wurden knapp 40 Euro brasilianische Mittel zur Investition in erneuerbare Energien mobilisiert.“ Das verhältnismäßig kleine Stadion ist der Prototyp. Weitere Projekte sind in Planung und auch die WM-Stadien in Belo Horizonte, Brasília und das Maracanã-Stadion in Rio sollen mit PV-Anlagen ausgestattet werden.

Die Weichen für mehr Wachstum stellte die Regulierungsbehörde ANEEL am 17. April mit dem Erlass einer Einspeisevergütungsregelung für erneuerbare Energien. „Das war ein richtiger Paradigmen-Wechsel. Damit werden erstmalig kleine Anlagen bis 1 Megawatt großen Anlagen gleichgestellt“, sagt GIZ-Experte Assmann. „Die ANEEL will mit diesem Schritt einen ersten Solar-Boom auslösen.“

Quelle:  dpa
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