Christof Rühl: "Die globale Erdölförderung steigt jedes Jahr"

InterviewChristof Rühl: "Die globale Erdölförderung steigt jedes Jahr"

von Benjamin Reuter

Der Chefökonom des Energiekonzerns BP will Kohlendioxid bepreisen – auch wenn das Öl und Erdgas verteuert. Ein Gespräch über gutes Fracking und böse Kohle.

Bild vergrößern

Christof Rühl, Chefökonom beim Energiekonzern BP ist von den bisherigen Förderraten aus Schiefergestein positiv überrascht

Anfang Januar kam aus Polen eine Erfolgsmeldung: Mitten im Winter, bei eisigen Temperaturen ist es dem kleinen irischen Energieunternehmen San Leon Energy erstmals gelungen, mehrere Tage lang große Mengen Erdgas aus Schiefergestein zu fördern. Schon bald will Oisin Fanning, Chef von San Leon, weitere Bohrungen starten. Das Förderpotenzial aus seinem Projekt im Norden Polens hält er für ähnlich groß wie das von vergleichbaren Erdgasquellen in den USA.

Noch ist nicht absehbar, ob damit die Förderung von Schiefergas im Osten Europas bald so boomen wird wie in den Vereinigten Staaten. Allerdings dürften diejenigen Auftrieb erhalten, die von einer Erdgasbonanza in der Alten Welt träumen – eine Horrorvorstellung für Fracking-Gegner, die vor verseuchtem Grundwasser rund um die Bohrlöcher warnen.

Anzeige

Einer, der die umstrittene Fördermethode für unverzichtbar hält, ist Christof Rühl, Chefökonom im Range eines Vice President beim britischen Öl- und Gasriesen BP. Weltweit werde das Verfahren in den nächsten Jahren weiter boomen, ist der 55-Jährige überzeugt. Bis zu einem Fünftel des Erdgases könne künftig aus Schiefergestein kommen und das Fracking sogar im Kampf gegen den Klimawandel helfen.

Schiefergas-Förderung Fracking - die unabsehbare Gefahr aus der Tiefe

Die Energieversorgung der Deutschen steht vor einer radikalen Umwälzung. Neue Techniken erschließen bislang unerreichbare Gasquellen in der Tiefe. Die Fördermethoden sind riskant.

Die Suche nach Schiefergas hat die USA vom Gas-Importeur zum Gas-Exporteur werden lassen. Quelle: dapd

WirtschaftsWoche: Herr Rühl, viele Umweltschützer fordern, Unternehmen wie Ihres sollten nicht mehr nach neuen Vorkommen von Erdgas und Erdöl suchen dürfen. Erlaubt wäre nicht einmal mehr, die bekannten Felder voll auszubeuten, um den Klimawandel nicht anzuheizen. Auch das Fördern von Schiefergas wäre damit tabu. Eine gute Idee?

Rühl: Nein, denn wir werden die fossilen Energieträger noch eine ganze Weile brauchen. Deshalb sollten wir auch nach neuen Vorkommen suchen. Und solange es nicht verboten ist, liegt es an den Energieunternehmen und ihren Aktionären, zu entscheiden, ob sie das Risiko auf sich nehmen und nach neuen Reserven suchen.

Eine weitere Forderung lautet: Der Staat sollte Klima- und Umweltschäden in fossile Rohstoffe einpreisen. Sind Öl, Gas und Kohle noch zu billig?

Ich bin dafür, über einen Preisaufschlag die externen Kosten von Kohlendioxid (CO2) in den Preis für fossile Energieträger einzurechnen. Ich glaube allerdings nicht, dass es damit schon vorbei wäre mit den fossilen Energiequellen.

Warum?

Weil es darauf ankommt, über welche Rohstoffe wir sprechen. Wenn wir einen weltweiten Preis für CO2 hätten, wären zum Beispiel Unternehmen im Vorteil, die Erdgas statt Kohle zur Stromerzeugung anbieten: Eine Kilowattstunde aus Erdgas setzt nur etwa halb so viel CO2-Emissionen frei wie eine aus Kohle produzierte. Ein Problem bekäme also zuerst die Kohlebranche. Ich bin ein großer Freund von Marktmechanismen. Zu sagen, ihr dürft ab dem Jahr X kein Erdöl oder Erdgas mehr fördern, bringt niemanden weiter.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%