Debatte um Gentech-Mais: „Tagpfauenauge und Co. haben nichts zu befürchten“

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InterviewDebatte um Gentech-Mais: „Tagpfauenauge und Co. haben nichts zu befürchten“

von Susanne Kutter

DuPont Pioneer-Manager Heinz Degenhardt zu den Marktchancen der Maissorte 1507, die mit Hilfe einer gentechnischen Veränderung ihr eigenes Insektengift gegen einen Schädling – den Maiszünsler – produziert.

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DuPont Pioneer-Manager Heinz Degenhardt

WirtschaftsWoche: Herr Degenhardt, wird Ihr Unternehmen DuPont Pioneer nach der heutigen Entscheidung des Europäischen Rats nun die gentechnisch veränderte Maissorte 1507 bald in Europa auf den Markt bringen?

Heinz Degenhardt: Nein, denn die Zulassung steht ja noch aus. Wir rechnen im Laufe des Jahres damit. Erst danach werden wir entscheiden – auch unter Berücksichtigung der Akzeptanz der grünen Gentechnik – wann und wo wir das Produkt in Europa vermarkten.

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Hat DuPont Pioneer denn überhaupt noch Interesse an dieser Maissorte? Schließlich wurde die Zulassung schon vor 13 Jahren beantragt. Sonderlich neu und innovativ ist dieser Gentech-Mais also nicht gerade.

Trotzdem ist er sehr nützlich. Denn die gentechnische Veränderung, um die es bei der Zulassung gerade geht, schützt die Maispflanze vor ihrem Fressfeind, der Raupe eines kleinen Schmetterlings, des Maiszünslers. Denn die so veränderten Pflanzen produzieren mit dem sogenannten Bt-Eiweiß, das ursprünglich aus einem Bodenbakterium - dem Bacillus thuringiensis - stammt, ihren eigenen Abwehrstoff gegen bestimmte Insekten. Bt-Eiweiße werden übrigens auch im Biolandbau seit Jahrzehnten verwendet. Außerhalb Europas ist der Mais 1507 bereits in elf Ländern für den Anbau zugelassen und wird sehr erfolgreich eingesetzt. Auch in einigen Regionen Europas richtet der Maiszünsler große Schäden an. Dort wäre das Saatgut der Sorte 1507 sicherlich gefragt.

Maissorte 1507 Friedrich will Genmais trotz Zulassung verbieten

Bei der Abstimmung im Europäischen Rat kam es wie erwartet nicht zu einer klaren Ablehnung von Gentech-Mais. Damit ist der Weg frei für eine Zulassung. Agrarminister Friedrich hofft auf die Ausstiegsklausel.

Gen-technisch veränderte Maispflanzen auf einem Versuchsfeld. Quelle: dpa-dpaweb

Ist Deutschland auch davon betroffen?

Ja, vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben die Landwirte mit dem Maiszünsler zu kämpfen.

Umweltschützer befürchten, dass auch andere Insekten und vor allem Schmetterlinge Schaden nehmen könnten, wenn Bt-Maissorten angebaut werden…

… was aus unserer Sicht weder belegt noch nachvollziehbar ist.

Wieso? Es handelt sich doch auch beim Maiszünsler um einen – wenn auch kleinen und unscheinbaren – Schmetterling, oder etwa nicht?

Ja, aber trotzdem haben Tagpfauenauge und Co. nichts zu befürchten. Denn diese Schmetterlinge saugen Nektar, sie fressen nicht an den Maispflanzen, wie es die Raupen des Maiszünslers tun. Das Bt-Eiweiß wird nur dann zu einem wirksamen Gift, wenn es von Insekten mit einem alkalischen Verdauungsmilieu aufgenommen wird. In unseren Breiten ist der Maiszünsler des einzige Insekt, das an der Maispflanze frisst. Alle anderen Insekten leben in einem Feld voller Bt-Mais sogar besonders sicher, weil der Landwirt hier keine weiteren Insektizide spritzt.

Es gibt in Europa allerdings schon einen Bt-Mais, der zugelassen ist, die Maissorte MON 810 Ihres US-Konkurrenten Monsanto. Glauben Sie, da ist noch Platz für ein nahezu identisches Produkt aus Ihrem Hause?

Ja, das glaube ich.. Die Landwirte hätten dann eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Produkten zur Abwehr des Maiszünslers. Zudem wäre die Zulassung unserer Sorte auch deshalb sehr sinnvoll, weil sie möglicherweise das Risiko vermindern kann, dass der Maiszünsler Resistenzen entwickelt – sich also quasi an den Giftstoff gewöhnt und er unwirksam würde.

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Wie soll das funktionieren, wo doch beide Maissorten das identische Insektengift produzieren?

Es ist eben nicht dasselbe Gift. Es gibt gut hundert unterschiedliche Bt-Eiweiße, einige wirken gegen Schmetterlinge, andere gegen Käfer und wieder andere gegen Fliegen. So haben wir das Gen für das selektiv wirkende Bt-Eiweiß namens CRY1F in den Mais eingebaut, Monsanto dagegen das Gen zur Produktion des Eiweißstoffes CRY1ab. Der Wirkungsmechanismus ist nicht identisch.

Ob Sie die europäischen Verbraucher damit überzeugen können?

Das Produkt ist bereits als Importware in Europa vorhanden und hat seit dem Jahr 2006 eine Zulassung als Lebens- und Futtermittel. Letztendlich entscheidet der Landwirt, der ein Problem mit dem Schädling hat, darüber, ob der Mais TC1507 auch in Europa angebaut wird.

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