Denkfabrik: Abgesang auf das EEG

kolumneDenkfabrik: Abgesang auf das EEG

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz verteuert nicht nur den Strom, es kollidiert auch mit den Regeln des europäischen Emissionshandels und untergräbt die Chancen der grünen Energie im Rest Europas.

Auf einer gerade abgeschlossenen Konferenz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften waren viele Meinungen zum Klimawandel vertreten, aber es gab nicht einen Redner, der sich für den Erhalt des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ausgesprochen hätte. Es ist nämlich ein Faktum, dass das EEG dem Klima nichts bringt, wohl aber extrem teuer ist.

Exzessive Förderung

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Wie das RWI überzeugend ausgerechnet hat, liegt der Barwert der von den Verbrauchern zu zahlenden Umlage auf den Strompreis, der für die heute schon installierten Fotovoltaikanlagen zu zahlen ist, bei über 100 Milliarden Euro, und allein im letzten Jahr betrug die Umlage für den grünen Strom insgesamt etwa zwölf Milliarden Euro oder vier Transrapidstrecken vom Münchner Flughafen zum Hauptbahnhof München.

Dass die Deutschen heute schon das Doppelte dessen für Strom zahlen müssen wie die Franzosen, liegt nicht nur am fehlenden Atomstrom, sondern auch an der exzessiven Förderung des grünen Stroms. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat also recht, wenn er eine Kehrtwende einfordert.

Das EEG kann den CO2-Ausstoß nicht verringern

Das EEG ist wirkungslos, weil es mit dem europäischen Emissionshandel kollidiert, der 99 Prozent des CO2-Ausstoßes bei der Stromerzeugung erfasst. Den Emissionshandel gibt es seit 2005, und er befindet sich nun schon in der zweiten Handelsperiode.

Die großen Börsen sind in Amsterdam und Leipzig. Dort werden die Emissionszertifikate gehandelt, die den Kraftwerken zugeteilt wurden. Aber wo auch immer die Zertifikate eingesetzt werden – da der Cap, also die Gesamtmenge der Zertifikate, in Brüssel festgelegt wird, kann das EEG den CO2-Ausstoß nicht verringern.

Der Emissionshandel wirkt überall in Europa

Der grüne Strom, den es in Deutschland hervorbringt, verdrängt zwar den in Deutschland erzeugten Strom aus fossilen Quellen, doch zugleich verdrängt er auch die Emissionszertifikate aus Deutschland und senkt deren Preis. Zu dem niedrigeren Preis finden diese Zertifikate in anderen EU-Ländern Absatz und ermöglichen dort den Ausstoß von genauso viel zusätzlichem CO2, wie in Deutschland eingespart wird. Die Kohle- und Gaskraftwerke stehen dann eben in Polen oder Italien.

Das ist kein Nachteil des Emissionshandels, sondern ein Vorteil. Da der Handel einen einheitlichen CO2-Preis erzeugt, regt er überall in Europa Einsparaktionen an und treibt sie bis zu dem Punkt, an dem die letzte eingesparte Tonne CO2 so viel Vermeidungskosten verursacht, wie ein Zertifikat kostet, und da das Zertifikat überall gleich viel kostet, sind alle Vermeidungskosten für die letzte Tonne gleich.

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