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Denkfabrik: Abgesang auf das EEG

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz verteuert nicht nur den Strom, es kollidiert auch mit den Regeln des europäischen Emissionshandels und untergräbt die Chancen der grünen Energie im Rest Europas.

Welche Versorger seit der Energiewende umdenken

Platz 10: Vattenfall

Die Studie der European School of Management (ESMT) analysiert, wie führende europäische Energiekonzerne mit den Herausforderungen der Energiewende umgehen. Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg setzt deutsche Unternehmen besonders unter Druck. Gleichwohl ist die gesamte Branche betroffen, denn - so das Ziel der EU - ganz Europa soll umsteigen auf eine nachhaltige, kohlendioxidarme Stromerzeugung. In der Studie wurden die Forschungsaktivitäten der Unternehmen, aber auch Produktivität und Nachhaltigkeit bewertet.

Auf Platz 10 im Innovationsindex schafft es der schwedische Konzern Vattenfall. Für Wachstum im Konzern soll zukünftig grüne Energie sorgen. Noch stützen sich die Aktivitäten in Deutschland aber stark auf den Braunkohletagebau. Das Bild zeigt einen Schaufelradbagger im südbrandenburgischen Welzow.

Quelle: dpa

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Auf einer gerade abgeschlossenen Konferenz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften waren viele Meinungen zum Klimawandel vertreten, aber es gab nicht einen Redner, der sich für den Erhalt des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ausgesprochen hätte. Es ist nämlich ein Faktum, dass das EEG dem Klima nichts bringt, wohl aber extrem teuer ist.

Exzessive Förderung

Wie das RWI überzeugend ausgerechnet hat, liegt der Barwert der von den Verbrauchern zu zahlenden Umlage auf den Strompreis, der für die heute schon installierten Fotovoltaikanlagen zu zahlen ist, bei über 100 Milliarden Euro, und allein im letzten Jahr betrug die Umlage für den grünen Strom insgesamt etwa zwölf Milliarden Euro oder vier Transrapidstrecken vom Münchner Flughafen zum Hauptbahnhof München.

Dass die Deutschen heute schon das Doppelte dessen für Strom zahlen müssen wie die Franzosen, liegt nicht nur am fehlenden Atomstrom, sondern auch an der exzessiven Förderung des grünen Stroms. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat also recht, wenn er eine Kehrtwende einfordert.

Das EEG kann den CO2-Ausstoß nicht verringern

Das EEG ist wirkungslos, weil es mit dem europäischen Emissionshandel kollidiert, der 99 Prozent des CO2-Ausstoßes bei der Stromerzeugung erfasst. Den Emissionshandel gibt es seit 2005, und er befindet sich nun schon in der zweiten Handelsperiode.

Die großen Börsen sind in Amsterdam und Leipzig. Dort werden die Emissionszertifikate gehandelt, die den Kraftwerken zugeteilt wurden. Aber wo auch immer die Zertifikate eingesetzt werden – da der Cap, also die Gesamtmenge der Zertifikate, in Brüssel festgelegt wird, kann das EEG den CO2-Ausstoß nicht verringern.

Der Emissionshandel wirkt überall in Europa

Der grüne Strom, den es in Deutschland hervorbringt, verdrängt zwar den in Deutschland erzeugten Strom aus fossilen Quellen, doch zugleich verdrängt er auch die Emissionszertifikate aus Deutschland und senkt deren Preis. Zu dem niedrigeren Preis finden diese Zertifikate in anderen EU-Ländern Absatz und ermöglichen dort den Ausstoß von genauso viel zusätzlichem CO2, wie in Deutschland eingespart wird. Die Kohle- und Gaskraftwerke stehen dann eben in Polen oder Italien.

Das ist kein Nachteil des Emissionshandels, sondern ein Vorteil. Da der Handel einen einheitlichen CO2-Preis erzeugt, regt er überall in Europa Einsparaktionen an und treibt sie bis zu dem Punkt, an dem die letzte eingesparte Tonne CO2 so viel Vermeidungskosten verursacht, wie ein Zertifikat kostet, und da das Zertifikat überall gleich viel kostet, sind alle Vermeidungskosten für die letzte Tonne gleich.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.03.2012, 12:58 UhrAnonymer Benutzer: Nicolo

    Ehrlich gesagt, verstehe ich ihr Problem nicht?! Die Ziele für den Ausbau der EE in der EU (und in jedem einzelnen Land) stehen fest. Es ist ganz einfach (oder besser wäre einfach gewesen) zu berechnen, wieviel CO² dadurch in den nächsten Jahren eingespart werden wird. Nimmt man nun nur diesen Wert als CO²-Minderungsziel, dann wird logischerweise in den nächsten Jahren der CO²-Preis bei nahe null liegen, bei einem anspruchsvolleren Ziel würde auch der Preis entsprechend steigen.

    Wenn es in der EU nur ein CO²-Minderungsziel gäbe (und keines für den Ausbau der EE), dann wäre ein diskriminierungsfreier CO²-Handel (den es aufgrund vielfältiger Sonderregeln nicht gibt) sicher das beste Instrument. Es gibt aber eben auch noch andere Ziele (Ausbau der EE auf 20%, Steigerung der Energieeffizienz um 20%). Vom letzteren Ziel haben wir noch gar nicht gesprochen, obwohl Maßnahmen und Programme zur Steigerung der Energieeffizienz ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf die CO²-Bilanz und den Preis haben!

    Aber wie gesagt, dieses hätte man beim CO²-Handel berücksichtigen können, wenn man nur gewollt hätte?!

    Im Übrigen, das Beispiel vieler Länder zeigt, dass sog. Grünzertifikate eben nur einen unzureichenden Anzeiz für den Ausbau der EE bilden, und zudem immer teurer und damit weniger effizient sind. Diese allgemein anerkannte Erkenntnis ist bisher nicht zu Herrn Sinn vorgedrungen, vermutlich weil gerade Herr Sinn "sein Modell" schon seit vielen Jahren vertritt, und er sich einen Fehler nicht eingestehen kann und will?! Herr Sinn vertritt immer noch ein Modell, dass die Praxis längst widerlegt hat! Und insofern ist Herr Sinn eben doch mehr Ideologe als Wissenschaftler!

  • 27.03.2012, 00:23 UhrAnonymer Benutzer: David

    Ich stimme Ihnen ja zu, wenn Sie sagen, dass der Emissionshandel in der ersten Periode bis 2008 aufgrund von übermäßiger Ausgabe von Zertifikaten nicht funktionierte, meine jedoch weiterhin, dass sich die Situation seit 2008 deutlich verbessert hat. Laut FAZ lag der Zertifikatepreis noch Anfang des Jahres 2009 bei 15 Euro pro Tonne CO2. [1] Heute liegt der Preis in der Tat deutlich niedriger bei ca. 7 Euro, aber die dritte Handelsperiode steht ja auch bereits an. Abgesehen davon wird der niedrige Preis wie gesagt auch durch das EEG hervorgerufen.
    Desweiteren behauptet niemand, dass es einen prinzipiellen Wiederspruch zwischen EE-Förderung und Emissionshandel geben muss. Es ist allerdings sehr wohl so, dass man das EEG und den Emissionshandel nicht unabhängig voneinander sehen kann und die gegenseitigen Wechselbeziehungen natürlich berücksichtigen muss. Und die Berücksichtigung des EEGs bei der Regulierung des Emissionshandels (wie von Ihnen vorgeschlagen) ist eben nicht wirklich möglich, da das EEG gesamteuropäisch (wie in meinem ersten Kommentar ausgeführt) kein CO2 einspart, es sei denn, man würde die in Deutschland durch den EE-Ausbau freiwerdenden Zertifikate unmittelbar nach ihrem Freiwerden vernichten, was den Grundgedanken des Emissionshandels konterkarieren würde. Es ist ja gerade die Kernthese von Sinn, dass der EE-Ausbau am besten und effizientesten über ein funktionierendes Emissionshandelssystem erreicht werden kann und das zusätzliche Regulierungen nicht unabhängig davon betrachtet werden sollten und außerdem schwer bzw. gar nicht im Emissionshandel zu berücksichtigen sind.
    [1] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/energie-und-klimaschutz-der-emissionshandel-zeigt-erstmals-wirkung-1758252.html

  • 26.03.2012, 13:10 UhrAnonymer Benutzer: Nicolo

    Nun, wie Sie rückblickend feststellen können, lag z.B. im gesamten Jahr 2007 der Emissionspreis bei nahe Null! Den würden wir jetzt wahrscheinlich wieder sehen, wenn Deutschland nicht etwas überraschend kurzfristig mehrere Atommeiler stillgelegt hätte. Nicht zielführend ist es auch, wenn Kohlekraftwerke doppelt so viele Emissionsberechtigungen erhalten wie Gaskraftwerke (noch dazu geschenkt)! So begünstigt man gerade die CO²-intensivste Erzeugungsart!

    Sie vergessen, dass CO²-Minderung und EE-Ausbau zwei separate Ziele in der EU sind, die beide gleichzeitig erreicht werden sollen! Dabei ist ein CO²-Minderungsziel von 20% wenig anspruchsvoll, wenn gleichzeitig die EE auf einen Anteil von 20% ausgebaut werden sollen! Aber gegen ein Minderungsziel von 30% gibt es große Widerstände in der EU, weil man genau weiß, dass dann deutlich höhere Preise als 7 Euro/ t gezahlt werden müßten als derzeit! Und das will man natürlich nicht!

    Wie Sie sehen, könnte man beide Ziele sinnvoll miteinander kombinieren, wenn man es denn wollte. Man muss nur die Auswirkungen des EE-Ausbaus auf die CO²-Mengen berücksichtigen (entweder vorab bei der Planung, oder nachträglich durch Reduzierung der Zertifikate). Ich persönlich halte die erste Variante für besser weil unbürokratischer. Nach einer Handelsphase von vier Jahren kann dann nachgesteuert werden.

    Auf keinen Fall gibt es einen unlösbaren Zielkonflikt, wie ihn Herr Sinn hier postuliert! Und das ist das Entscheidende!

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