Die wichtigsten Fragen: Wie gefährlich ist Fracking wirklich?

Die wichtigsten Fragen: Wie gefährlich ist Fracking wirklich?

von Benjamin Reuter und Sebastian Matthes

Die Bundesregierung will die Schiefergasförderung in Deutschland erlauben. Wie gefährlich ist das Verfahren wirklich?

Es ist eine weitere der unzähligen Wenden der schwarz-gelben Bundesregierung: Noch Ende Dezember, auf einer Reise zu niedersächsischen Aluminiumhütten, bezeichnete Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die unkonventionelle Erdgasförderung als unnötig. Seine Botschaft: Fracking brauchen wir nicht. Bei dem Verfahren werden unter hohem Druck und mithilfe von Chemikalien tiefe Gesteinsschichten aufgebrochen, damit das dort eingeschlossene sogenannte Schiefergas entweichen kann.

Vielleicht schwärmten die Chefs der energieintensiven Betriebe aber zu lange von den günstigen Gaspreisen in den USA, wo seit Jahren ein regelrechtes Schiefergasfieber herrscht. Auf jeden Fall hat Rösler eingelenkt: Zusammen mit Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hat er einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Fracking in Deutschland regeln soll.

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Experten wie Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung bezeichnen den Entwurf als „wesentlichen Fortschritt“. Doch die Debatte beginnt gerade erst und pendelt zwischen irrationaler Angst vor dem Bohrer und überzogenen Hoffnungen. Hier die wichtigsten Fakten:

Was ist nun in Deutschland erlaubt?

Falls der Bundesrat dem Gesetzesentwurf der Regierung zustimmt, ist erstmals geregelt, wo Fracking erlaubt ist. Demnach dürfen Unternehmen wie ExxonMobil oder Wintershall nicht in Trinkwasserschutzgebieten bohren. Zudem müssen sie angeben, welche Chemikalien sie in den Boden pumpen und wie sie das als Flowback bezeichnete Wasser entsorgen, das nach dem Fracken wieder an die Oberfläche gepumpt wird. Kurz: Wie auch bei größeren konventionellen Öl- und Gaslagerstätten müssen die Unternehmen die Umweltverträglichkeit der Förderung nachweisen.

ExxonMobil-Manager Kalkoffen "Fracking ist sicher"

Der ExxonMobil-Europachef Gernot Kalkoffen verteidigt das umstrittene Förderverfahren für Schiefergas und warnt davor, die Gasproduktion in Deutschland zu unterschätzen.

Europachef des ExxonMobil-Konzerns, Gernot K. Kalkoffen, im Interview mit der WirtschaftsWoche Quelle: dpa/dpaweb

Wie gefährlich ist Fracking?

Zunächst: Fracking ist nicht so neu, wie manche denken. Seit den Sechzigerjahren haben Unternehmen wie Exxon das Verfahren in Deutschland rund 320 Mal zur Erdgasförderung genutzt – ohne bekannte negative Auswirkungen. Schiefergas liegt in Deutschland mit 1500 bis 2000 Metern allerdings weniger tief als herkömmliche Reserven. Dennoch sind sich Geologen wie Martin Sauter von der Universität Göttingen sicher, dass keine Fracking-Flüssigkeiten ins Grundwasser gelangen können: „Dafür fehlen die Triebkräfte, die die Flüssigkeit nach oben drücken“, sagt er. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sieht das ähnlich: Generell sei „ein umweltverträglicher Einsatz der Technik möglich“. Ein größeres Problem ist die Fracking-Flüssigkeit, die aus der Tiefe durch das Bohrloch wieder an die Oberfläche kommt. Sie enthält natürliche radioaktive Stoffe aus dem Schiefergestein. Der Rösler-Altmaier-Vorschlag verlangt daher eine professionelle Entsorgung.

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