Dramatische Zustände in Schweinezuchtbetrieben: Veterinärämter sind mit Tierschutz überfordert

Dramatische Zustände in Schweinezuchtbetrieben: Veterinärämter sind mit Tierschutz überfordert

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Ariwa-Recherchen zur Schweinezucht
von Meike Lorenzen und Timo Stukenberg

Recherchen von Tierschützern zeigen dramatische Zustände in Schweinezuchtbetrieben. Die Bauern verstoßen anscheinend gegen EU-Recht. Die Veterinärämter sind überfordert.

Eine Recherche der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (Ariwa) zeigt erbärmliche Zustände in deutschen Massenzuchtbetrieben. Schwache Zuchtsauen stehen bei Dauerbeleuchtung in sogenannten Kastenständen, die den Tieren kaum Platz bieten. Dazwischen stolpern verwirrte und verletzte Ferkel über die Kadaver ihrer Artgenossen. Mit solchen drastischen Bildern will Ariwa belegen, dass Schweinezuchtbetriebe in Deutschland EU-Recht brechen.

Laut einer EU-Richtlinie dürfen trächtige Zuchtsauen seit Anfang des Jahres nicht mehr dauerhaft in Kastenständen gehalten werden. Auch Dauerbeleuchtung ist verboten. Doch die Video-Aufnahmen, die die Tierschützer nach eigenen Angaben unbemerkt nachts in mehreren Massenbetrieb gemacht haben, zeigen genau das. Die Mitarbeiter der Veterinärämter, die jeweils für ihren Landkreis zuständig sind, sollten solche Betriebe überprüfen. Doch die sind überfordert. "Vor allem die großen Mastbetriebe werden nicht ausreichend kontrolliert", sagt Erasmus Müller von Ariwa. "Niemand hat Zeit sich die großen Gelände mit tausenden Tieren in Ruhe anzuschauen." In der Praxis fehle es häufig an Personal, sagt der Tierschützer.

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Ähnliches hat auch Matthias Gauly, Leiter der Arbeitsgruppe Produktionssysteme der Nutztiere an der Universität Göttingen, beobachtet. "Das Personal wurde über viele Jahre hinweg abgebaut. Gleichzeitig kamen vielfältige Aufgaben dazu." Er fordert eine Stellenaufstockung in den Veterinärämtern.

"Nicht die bundesweite Realität"

Laut Bundeslandwirtschaftsministerium seien die EU-Vorgaben in deutschen Schweinemastbetrieben zu 99,2 Prozent umgesetzt. Diese Angaben werden von den Landesbehörden übermittelt. "Verstöße gegen das EU-Recht müssen geahndet werden", sagte eine Sprecherin. Die Kontrollen seien allerdings Ländersache. Laut Presseberichten seien in Thüringen nur stichprobenartig Kontrollen durchgeführt worden. In Niedersachsen sind laut Landwirtschaftsministerium alle rund 2700 Schweinezuchtbetriebe kontrolliert worden.

"Die Bilder zeigen nicht die bundesweite Realität", sagt Thomas Blaha von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. "Wir gehen davon aus, dass sich weit über 90 Prozent der Landwirte in Deutschland an die Gesetzesvorgaben halten." Da die Veterinärämter auf Landkreisebene organisiert sind, sieht Tierschützer Erasmus Müller ein weiteres Problem in vielen Landkreisen: "In der Regel sind die Mitarbeiter des Veterinäramts selbst stark im ländlichen Raum eingebunden. Kontrollen im Sinne der Tiere und hartes Durchgreifen sind da schwierig."

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