Energie: Atom- gegen Solarstrom

Energie: Atom- gegen Solarstrom

Bild vergrößern

Fotovoltaikanlage

von Dieter Dürand

Der Energiemarkt steht vor einem tief greifenden Umbau. Wind und Sonne verdrängen Öl und Kohle schneller als gedacht. Die WirtschaftsWoche analysiert, wie die Stromversorgung bezahlbar und sicher bleiben kann.

Es gibt nur wenig Orte, an denen sich der Wandel der deutschen Energiewirtschaft so genau beobachten lässt, wie in dem zweistöckigen, grauen Waschbeton-Gebäude am Stadtrand von Lehrte, keine 20 Minuten Autofahrt von Hannover entfernt. Von Kameras bewacht und mit Stacheldraht geschützt, verbirgt sich hinter den abgedunkelten Fenstern eine der wichtigsten Schaltstellen der Republik: die Leitwarte des Netzbetreibers Transpower. Von hier aus wird die Stromversorgung für 20 Millionen Menschen gesteuert. Zwei Schalttechniker halten pro Schicht das 11.000 Kilometer umfassende Hochspannungsnetz auf Kurs.

Norbert Kelpe ist einer von ihnen. Als der Elektroingenieur vor fast 20 Jahren in Lehrte anfing, war sein Job noch ruhig. Netze und Kraftwerke waren im Besitz der Stromkonzerne, und Kelpe konnte die Leistung der Kraftwerksgeneratoren im Einklang mit dem Bedarf steuern.

Anzeige

Verkehrte Energiewelt

Inzwischen ist sein Job stressig geworden. Um sicherzustellen, dass die Stromkunden in Bremen, Frankfurt und München jederzeit Kaffee kochen und Computer hochfahren können, muss er mit allerhand unvorhersehbaren Ereignissen fertigwerden. Gerade die Windenergie ist eine schwer kalkulierbare Variable geworden: Kelpe muss jederzeit damit rechnen, dass es an den Küsten stürmt und gleich mehrere Tausend Megawatt zusätzlich ins Netz schießen.

Wird er diesen Strom bei seinen Kunden nicht los, müssen er und seine Kollegen die Energie an der Leipziger Strombörse verkaufen – und mitunter Geld drauflegen, um Abnehmer zu finden. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verpflichtet die Netzbetreiber, den Ökostrom einzuspeisen – auch wenn das zu Überangeboten führt: Zwischen September 2009 und Anfang März rutschten die Strompreise an 29 Tagen ins Minus.

Es ist eine verkehrte Energiewelt, mit der sich Experten wie Kelpe tagtäglich konfrontiert sehen. Und doch ist das erst der Anfang des epochalen Wandels seiner Branche. Schon in zehn Jahren sollen Wind, Sonne und Wasser nach den Plänen der Bundesregierung 30 Prozent zur Elektrizitätserzeugung beitragen – gegenüber 16 Prozent in diesem Jahr.

Gewaltige Stromlücke

Das führt Deutschland zwar näher an die ehrgeizigen Klimaschutzziele. Zugleich aber gefährdet die Entwicklung die bisher sichere Stromversorgung: Die Übertragungsnetze sind nicht darauf ausgelegt, die schnell wachsenden Mengen unsteten Wind- und Sonnenstroms aufzunehmen. „Sie geraten immer häufiger an ihre Belastungsgrenze“, warnt Transpower-Geschäftsführer Martin Fuchs.

Zudem liegt der geplante Bau mehrerer konventioneller Kraftwerke auf Eis. Die Investoren fürchten wegen der Bevorzugung der grünen Energien, politischer Unklarheiten und unkalkulierbarer Bürgerproteste um ihre Renditen. Der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, sieht „eine gewaltige Stromlücke“ entstehen. Er schätzt sie bis 2020 auf 12 bis 13 Gigawatt (GW) – das entspricht in etwa der Leistung von 15 Kohlekraftwerken. Und so türmen sich immer mehr ungelöste Fragen vor den verantwortlichen Politikern in Berlin:

Um wie viele Jahre wird der 2002 beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft gestreckt?Welche Investitionen in den Netzausbau und Speichertechnik sind notwendig?Können Sonne, Wind und Biomasse trotz wachsender Milliardenkosten weiter subventioniert werden?Wie lässt sich ein europäischer Strommarkt organisieren?

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%