Geologen halten Fracking und Umweltschutz für vereinbar

Wenn der Farmer John Fenton – Cowboyhut und Baumfällerhemd – in Pavillion im US-Staat Wyoming auf seiner Terrasse sitzt, blickt er auf das, was ihm am meisten Sorgen bereitet: Vor einer Hügelkette stehen zwei graue Metallbehälter auf der Wiese. Sie sind so hoch wie Fentons Holzhaus und voll mit Fracking-Flüssigkeit für 24 Bohrtürme, die das Unternehmen Encana im Umkreis betreibt. In dem Gemisch, das in die Erde gepresst wird, um die Schiefergesteinsschichten aufzubrechen, findet sich unter 20 teils giftigen Chemikalien auch krebserregendes Benzol.
Vergangenes Jahr rückten Wissenschaftler der US-Umweltbehörde EPA in dem Ort Pavillion an und stellten neben explosivem Methangas auch gesundheitsschädliche Chemikalien im Grundwasser fest. Dennoch beharren Vertreter der Gasindustrie darauf, dass Fracking nicht gefährlicher sei als die herkömmliche Erdgasförderung. Nach 20.000 Fracks in den USA habe es nur knapp 40 Beschwerden wegen verschmutzten Grundwassers gegeben. Eine ordentliche Bilanz, attestierten Forscher der Eliteuni MIT. Wie aber kam das Fracking-Gift ins Grundwasser? Experten vermuten, dass die Chemie aus undichten Auffangbecken oder Förderrohren gesickert ist. Möglicherweise drang die Flüssigkeit aber auch durch die nur 500 Meter dicke poröse Gesteinsschicht nach oben, die zwischen Grundwasser und Gasfeld liegt.
Die Risiken des "Frackens"
Normalerweise trennt bei Schiefergas-Feldern dichtes Gestein von mehr als 1.000 Meter Wasser und Gas voneinander. Dass Chemikalien durch diese unter hohem Druck stehende Barriere in Richtung Grundwasser gelangen, halten Geologen für ausgeschlossen. Gefährlich ist weniger das Fracken selbst, sondern Unfälle und falsche Berechnungen – etwa die Frage, ob das Gestein tatsächlich undurchlässig ist. „Solange sich die Unternehmen an die Sicherheitsregeln halten, sind Fracking und Umweltschutz vereinbar“, urteilt Stefan Ladage von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
Um die Risiken zu minimieren, entwickelt die Gasindustrie saubere Fracking-Techniken. Der österreichische Energiekonzern OMV und der US-Multi Halliburton arbeiten an einer Fracking-Flüssigkeit aus Wasser, Quarzsand und Maisstärke. Um die Verträglichkeit zu zeigen, trank Halliburton-Chef Dave Lesar bei einer Konferenz gar einen Schluck des Gebräus.
Bleibt das Klimaproblem. US-Wissenschaftler streiten derzeit heftig darüber, wie klimaschädlich die Schiefergas-Förderung wirklich ist. Fest steht: Mit herkömmlichen Verfahren gefördertes Erdgas verursacht beim Verbrennen 50 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) als Kohle und ein Drittel weniger als Öl. Für Schiefergas ist die Rechnung komplizierter.
Streitpunkt der Forscher ist, wie viel des Treibhausgases Methan – der Hauptbestandteil von Erdgas – beim Fracken in die Atmosphäre gelangt. Einige nehmen an, Schiefergas sei doppelt so klimaschädlich wie Kohle, weil während der Förderung massenhaft Methan durch undichte Bohrrohre austrete. Erst 2015 ist Abhilfe in Sicht: Dann sind die Unternehmen verpflichtet, ihre Bohrtürme mit Dichtungen und Auffangbehältern nachzurüsten.
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Alle Kommentare lesen07.08.2012, 17:00 UhrAnonymer Benutzer:gieselkalk
Leider wird immer vieles durch einander gebracht. Fracking ist nur die Spitze des Eisberges. Erst einmal muß ein Loch gebohrt werden. Dabei ensteht Bohrschlamm dieser Bohrschlamm enthält Stoffe(Schmiermittel, Kühlmittel, Schwermetalle, synthetische Stützmittel) die man zum Bohren benötigt(also immer belastet). Da man vor 60 Jahren nicht alles so eng gesehen hat, wurden einfach Gruben ausgehoben und hinnein damit( sogenannte Bohrschlammgruben) Die gibt es heute immer noch, obwohl schon viele saniert worden sind( z.b. Eydelstedt: 421.000t Aushub und Wietingsmoor: 160.000t Aushub). ca 85% des Materials werden dann irgendwo deponiert. Heute wird der Bohrschlamm direkt aufbereitet und deponiert. Einige Erdgas-Erdölförderer haben das mit der Sanierung von Bohrschlammgruben ganz einfach gelöst. Über die Grube wird eine Plane gezogen und dann alles mit mehreren Erdschichten versiegelt (z.b. Siedenburg I und II). Ist das Bohrloch fertig, wird mit der Förderung begonnen. Hierbei fällt im allgemeinen immer Lagerstättenwasser an. Das Lagerstättenwasser ist immer belastet (z.b. Benzol, Radium, Quecksilber und weitere wasserlösliche Giftstoffe und mit Flowback). Dieses wird dann in Verpressstationen wieder in ein Bohrloch verpresst. Pro Bohrloch bis zu 50.000 cbm pro Jahr. Lagerstättenwasser wird in Rohrleitungen(früher Stahl, heute Kunststoff) zur Verpressstation gebracht oder mit Lastwagen. Es fällt halt dauerhaft an. Dann gibt es noch Einpressbohrungen. Hier wird Flüssigkeit (oft Salzwasser, Lagerstättenwasser) in ein Bohrloch dauerhaft gepresst, um Druck auf das zu fördernde Erdöl aufzubauen. Desweiteren werden bei der Erdölförderung noch Spühlmittel eingesetzt. Auch diese stammen von der chemischen Industrie. Und jetzt noch Fracking dazu, wo dann auch noch Erdbeben ausgelöst werden? Nein Danke!!!
07.08.2012, 14:49 UhrAnonymer Benutzer:huibuh
Die Gefahren sind nur sehr unzureichend geschildert. Tatsächlich ist es bereits zu großflächigen Verunreinigungen des Trinkwassers gekommen, diese Verunreinigungen sind auch noch irreversibel. Gas im Trinkwasser führt dann auch zu brennenden Toiletten, man braucht sofort Ex geschützte Elekroinstallationen. Tolle Aussichten!