
Beim Energiesparen sind die Deutschen kreativ: Wahre Pfennigfuchser ersetzen Glühbirnen durch Energiesparfunzeln, kaufen teure Spar-Kühlschränke und schirmen ihr Haus mit einem halben Meter Dämmschicht luftdicht von der Umwelt ab. Ausgerechnet auf die nächstliegende und wirksamste Sparidee aber kommt kaum einer: die Heizung an die Wetterprognosen zu koppeln.
Das aber dürfte sich jetzt ändern. Schließlich verspricht der Ansatz drastisch niedrigere Energiekosten. Einer der Vordenker ist Markus Werner. Der Chef des Jülicher Unternehmens Meteoviva hat eine Steuerung entwickelt, die mithilfe von Sonnen- oder Niederschlagsvorhersagen für die nächsten Tage die Regelung optimiert. Der Brenner beispielsweise bullert dann nur noch, wenn es wirklich kalt wird – und nicht bloß, weil der Außenfühler an der Hauswand gerade noch im Schatten liegt.
Bei Bürogebäuden und Fabrikhallen spart das teils schon mehr als 40 Prozent. Nun wird die Technik auch für Mieter und Eigentümer bezahlbar. Denn Werner ist nicht der Einzige, der Petrus das Thermostat in die Hand drückt. Ähnliche Technik kommt vom Münchner Startup Tado, vom Unternehmen Nest aus den USA oder von Passive Systems aus Großbritannien.
Alle versprechen: Heizungen für Einfamilienhäuser lassen sich einfach per Fingerstreich auf dem Smartphone regeln. Zudem passt sich die Technik, in schick designten Geräten verpackt, mit jedem Tag besser an den Nutzer an. Sie merkt sich, wann er gewöhnlich nach Hause kommt und welche Temperatur er dann bevorzugt – und stellt sie automatisch ein.
Bild: AP1. Raumtemperatur
Ausgewogen Heizen heißt die Devise, denn unnötig warme Räume schlucken viel Energie. Ist der Raum zu stark ausgekühlt, kostet das Aufheizen ebenso unnötig Brennstoff. Generell spart aber jedes Grad Celsius, um das die Raumtemperatur gesenkt wird rund sechs Prozent Heizenergie. In Wohnräumen reichen in der Regel 20 bis 22 Grad, in der Küche dürfen es auch zwei Grad weniger sein. Im Bad sollten etwa 23 Grad und im Schlafzimmer 16 bis 18 Grad Celsius sein. Das lässt sich in der Regel über die Heizkörperventile regeln. Moderne Varianten ermöglichen auch eine Zeitsteuerung für einzelne Räume. Das kann bis zu zehn Prozent der Heizenergie sparen.
Bild: dapd2. Fenster und Türen
Fenster und Türen sind potenzielle Kältebrücken und sollten daher möglichst dicht sein. Weil die Tür- und Fensterdichtungen auch Verschleiß unterliegen, sollten sie immer wieder mal überprüft werden. Mit Dichtungsbändern aus dem Baumarkt oder Ersatzgummidichtungen vom Fensterhersteller lassen sich Schäden schnell beheben. Damit nachts nicht unnötig Wärme entweicht, sollten auch Rollläden und Vorhänge geschlossen werden.
Bild: Ewald Fröch - Fotolia.com3. Heizkörper
Damit die Heizkörper die Wärme optimal an den Raum abgeben, dürfen keine Möbel oder Vorhänge vor die Wärmeabstrahlung behindern. Ansonsten arbeitet die Heizung unnötig. Auch Luft im Heizkörper behindert die effektive Aufheizung des Heizkörpers. Mit einem Vierkantschlüssel können sie entlüftet werden. Auch automatische Entlüfterventile können diese Aufgabe übernehmen. Sie können aber nur bei entleerten Heizkörpern installiert werden.
Bild: Kadmy - Fotolia.com4. Wartung durch den Installateur
Ablagerungen von Ruß und ein nicht optimal eingestellter Brenner mindern den Wirkungsgrad des Heizkessels und erhöhen die Verbrauchskosten. Auch ein hydraulischer Abgleich hilft sparen. Dabei werden spezielle Thermostatventile vom Fachmann so eingestellt, dass jeder Raum entsprechend seiner Größe und seinem Zweck entsprechend mit der richtigen Wärmemenge versorgt wird.
Bild: dpa5. Wände hinter Heizkörpern
Insbesondere im Altbau hilft auch schon eine dünne Isolationsschicht hinter dem Heizkörper, um den Wärmeverlust über die Außenwand zu senken. Die aluminiumbeschichteten, wenige Millimeter dicken Isolierfolien verbessern die Wärmeabstrahlung von den Heizkörpern in den Raum. Erhältlich in jedem Baumarkt und einfach selbst anzubringen.
Bild: sugar0607 - Fotolia.com6. Thermostate
Ständiges Rauf- und Runterregeln der Heizkörper lohnt sich in aller Regel nicht – auch nicht, wenn man die Wohnung tagsüber verlässt. Zumindest auf niedrigem Niveau sollte auch bei Abwesenheit weiter geheizt werden, damit die Räume nicht auskühlen und dann wieder stark aufgeheizt werden müssen.
Bild: Irina Fischer - Fotolia.com7. Lüftung
Gekippte Fenster sind zu Vermeiden. Weit offene Fenster verbessern den Luftaustausch um den Faktor fünf, wenige Minuten reichen. So kühlen auch die Wände rund um die Fenster kaum aus und müssen nicht mühsam wieder aufheizen. Dieses regelmäßige, kurze Stoßlüften verhindert auch die Schwitzwasserbildung und damit Schimmel. Weil der Luftaustausch maßgeblich von der Temperaturdifferenz zwischen Innen und Außen abhängt, muss der Bewohner umso länger lüften, je wärmer es draußen ist. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt genügen drei bis fünf Minuten, bei wärmerem Wetter zehn bis 15 Minuten. Vor und während des Lüftens sollten die Heizkörper herunter geregelt werden.
Bild: Grohe8. Warmwasser
Schätzungsweise zwölf Prozent des Energieverbrauchs gehen durchschnittlich für das Erwärmen von Wasser drauf. Der sparsame Umgang mit warmen Wasser hilft somit auch, Heizkosten zu sparen, wenn das Warmwasser von der Heizungsanlage mitproduziert wird. So ist etwa der Einbau eines Sparventils an Spüle, Dusche oder Waschbecken hilfreich und senkt außerdem auch die Kosten für Wasser und Abwasser.
Bild: gms9. Heizungsanlage
Wer noch einen alten Heizkessel betreibt, sollte über die Anschaffung eines modernen Gerätes nachdenken. Brennwertheizungen für Öl oder Gas nutzen die Wärme der Abgase zur Wärmerückgewinnung. Das senkt den Energieverbrauch der Heizung gegenüber alten Geräten leicht um 15 bis 20 Prozent. Solch eine Anschaffung macht sich meist schon nach ein paar Jahren bezahlt – vor allem wenn die Energiepreise weiter steigen.
1. Raumtemperatur
Ausgewogen Heizen heißt die Devise, denn unnötig warme Räume schlucken viel Energie. Ist der Raum zu stark ausgekühlt, kostet das Aufheizen ebenso unnötig Brennstoff. Generell spart aber jedes Grad Celsius, um das die Raumtemperatur gesenkt wird rund sechs Prozent Heizenergie. In Wohnräumen reichen in der Regel 20 bis 22 Grad, in der Küche dürfen es auch zwei Grad weniger sein. Im Bad sollten etwa 23 Grad und im Schlafzimmer 16 bis 18 Grad Celsius sein. Das lässt sich in der Regel über die Heizkörperventile regeln. Moderne Varianten ermöglichen auch eine Zeitsteuerung für einzelne Räume. Das kann bis zu zehn Prozent der Heizenergie sparen.
„Es ist doch erstaunlich, dass es in dem Bereich bisher kaum Innovationen gibt“, sagt Ingenieur Christian Deilmann, einer der Gründer von Tado. Der Markt für Energiespartechnik wäre gewaltig: Fast drei Viertel der rund 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland stammen aus der Zeit vor 1979, als die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft trat. Die Unternehmensberatung Roland Berger kalkuliert, dass der Markt für Energiespartechnik von heute etwa 40 Milliarden bis 2020 auf rund 76 Milliarden Euro wächst.
Das ist zwar nur eine grobe Schätzung. Doch klar ist: Die meisten Altbauten sind wahre Energieverschwender. Sie verbrauchen nach den Zahlen der Deutschen Energieagentur (Dena) 75 Prozent der Gesamtenergie für Heizung und Warmwasser. Das zu ändern wäre überfällig: Denn um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, müssten die Gebäude viel schneller energetisch saniert werden, als dies im Moment passiert. Tatsächlich aber tut sich erschreckend wenig.
Sparen beim Spielen
Nun aber kommt Bewegung in den Markt: mit smarter neuer Technik, die sogar Spaß machen kann, weil sie auch den Spieltrieb der Nutzer befriedigt. Eines der ansehnlichsten Geräte stammt vom US-amerikanischen Unternehmen Nest. Deren Gründer Tony Fadell hat als ehemaliger iPhone-Entwickler die Apple-Optik auf einen kreisrunden Thermostaten mit Bewegungsmelder und einem Minirechner im Innern übertragen. Er merkt beispielsweise, ob jemand im Raum ist, und lernt, wann der Nutzer aus dem Haus geht und welche Temperatur er bevorzugt. Zudem zeigt er Statistiken zum Energieverbrauch an. Mit einem schicken Ring aus gebürstetem Aluminium lässt sich die Temperatur verstellen, die ein LCD-Bildschirm anzeigt.
Nest vereinfacht vor allem die Bedienung dramatisch und erzielt so, ähnlich dem 270 Euro teuren Smart-Home-System des Essener Energiekonzerns RWE, alleine dadurch einen Einspareffekt. Denn Technik für das gezielte Absenken und Ausschalten der Heizung, etwa wenn der Bewohner nicht da ist, gibt es schon länger. Sie ist nur meist kaum bedienbar. Die hohen Preise der smarten Regler allerdings verhindern derzeit noch, dass sich die Investition schnell rentiert.
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