Turbopflanze für den Tank
Bild: dpaPersonalkarussell im Energieland
RWE: Beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern steht ein Wechsel im Vorstandsvorsitz an. Im Sommer will der bisherige Chef Jürgen Großmann seinen Posten räumen und dem Niederländer Peter Terium Platz machen, einem bisher noch unbeschriebenen Blatt. Konzerninsider vermuten, dass Großmann schon weit vorher das Feld für Terium frei macht.
Großmann, ein strikter Kernkraft-Befürworter, gilt als Realist, der weiß, das RWE einen Neuanfang braucht, so die Manager. Terium muss den Kontakt zur Politik, vor allem zu den nordrhein-westfälischen Kommunen, die 25 Prozent von RWE halten, wieder verbessern.
Bild: dapdEnBW
Der sympathische Kernkraft-Freund Hans-Peter Villis hat sich die Sympathien des Großaktionärs verscherzt. Die grünrote Landesregierung in Stuttgart will den schnellen Ausstieg aus der Kernenergie, und da die baden-württembergische EnBW bisher zu 50 Prozent ihrer Stromproduktion von Atomkraft abhängig war, sind rasche Entscheidungen vor allem im Ländle notwendig.
Der Vertrag von Villis läuft zwar noch bis Herbst 2012, aber vor Weihnachten gaben Land und Kommunaleigner, sie halten an EnBW je 46 Prozent, dass Villis das Unternehmen nicht weiter führen soll. Man sucht nach einem Nachfolger, der Villis noch vor dem offiziellen Vertragsende ablöst und EnBW in eine grüne Zukunft führt – wie immer die aussieht.
Bild: dpaRAG
Die Stiftung der RAG, Hauptaktionär des Chemiekonzerns Evonik und Abwickler des deutschen Steinkohlebergbaus, hat sich in einen Machtkampf verstrickt. Der Geschäftsführer der RAG, Wilhelm Bonse-Geuking, wird im Frühjahr vertragsgemäß und aus Altergründen seinen Posten räumen. Um das bisher wenig glanzvolle aber sachlich wichtige Amt ist ein öffentlichkeitswirksames Gerangel in Gang gekommen.
Denn der Bonse-Geuking-Widersacher Werner Müller (Foto), früherer Bundeswirtschaftsminister unter der rotgrünen Schröder-Regierung und Mit-Architekt des RAG-Stiftungsmodells, will Bonses Posten gerne haben und hat sich dafür die Rückendeckung der SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gesichert.
Bild: dpaAuch das Kanzleramt in Berlin scheint nichts dagegen zu haben, wenn der den Sozialdemokraten nahestehende Müller das Amt bekommt. Doch damit würde ein Richtungswechsel bei der RAG eingeläutet werden: Die Stiftung soll nämlich Geld einsammeln für die sogenannten Ewigkeitskosten des ab 2019 stillgelegten deutschen Steinkohlebergbaus. 200 Millionen Euro pro Jahr würde das Abpumpen des Grubenwassers in den toten Zechen kosten.
Bisher sah die Stiftung nur auf die Refinanzierung dieses Solls. Müller will zusammen mit der nordrhein-westfälischen SPD die Stiftung aber auch noch für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts NRW instrumentalisieren, was weiteres Geld kostet. Kritiker berfürchten, dass die Ewigkeitskosten somit eher auf den Steuerzahler zukommen, weil der RAG-Stiftung eher kostspielige Repräsentationspflichten aufgebürdet werden.
Bild: dpaSteinkohlebergbau an der Saar
2012 wird einen weiteren Schub im Auslaufbergbau bedeuten. Das Endes des 250 Jahre alten Saarbergbaus steht bevor, wenn die letzte Zeche Ensdorf, eine besonders ergiebige, dichtmacht. An der Saar malochten in den fünfziger Jahren über 60 Beschäftigte. Ab Mai 2012 soll dieses Kapitel beendet werden. Auf die RAG-Stiftung wird der erste Batzen der Ewigkeitskosten zukommen.
Bild: dpaE.On
Der größte deutsche Energiekonzern wird sich erklären müssen, ob er betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland aussprechen will. Die Ruhrgas, eine Tochter der E.On, produziert rote Zahlen, die Atomkraftwerke können aufgrund der Teilstilllegungen nach Fukushima nicht die gewohnten Gewinne herbeiproduzieren. Möglicherweise wird 2012 das Jahr der Arbeitskämpfe, der Demonstrationen in der Energiewirtschaft. Ein Novum seitdem es Elektrizität in Deutschland gibt.
Personalkarussell im Energieland
RWE: Beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern steht ein Wechsel im Vorstandsvorsitz an. Im Sommer will der bisherige Chef Jürgen Großmann seinen Posten räumen und dem Niederländer Peter Terium Platz machen, einem bisher noch unbeschriebenen Blatt. Konzerninsider vermuten, dass Großmann schon weit vorher das Feld für Terium frei macht.
Großmann, ein strikter Kernkraft-Befürworter, gilt als Realist, der weiß, das RWE einen Neuanfang braucht, so die Manager. Terium muss den Kontakt zur Politik, vor allem zu den nordrhein-westfälischen Kommunen, die 25 Prozent von RWE halten, wieder verbessern.
Auch in Deutschland sind diese Pflanzen auf dem Vormarsch. Energiekonzerne wie Vattenfall, RWE und BP pachten bereits hektarweise Brachland und schlechte Böden, um die künftigen Strom-, Treibstoff- und Wärmelieferanten gedeihen zu lassen.
Spezifische Marktanalysen gibt es noch nicht. Aber ein bloßer Überschlag einzelner Investitionen ergibt, dass viele Millionen Euro in die neue Form der Bioenergie fließen. Allein in Deutschland gedeihen auf Tausenden Hektar Energiepflanzen der neuesten Generation. „Ein beachtlicher Teil des Stroms, des Kraftstoffs und auch des Erdgases wird künftig von diesen Pflanzen stammen“, sagt Agrarökologe Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena.
Die große Hoffnung in der grünen Energierevolution liegt aber auf dem Seegras: Es ist eine der am schnellsten wachsenden Pflanzen überhaupt und bringt doppelt so hohe Ernteerträge wie die ertragreichsten Landgewächse. Seine biologische Bauform macht Seegras zu einer idealen Basis für Biosprit: Das schwimmende Gewächs besteht nämlich zu mehr als der Hälfte aus Zucker – bei Energiepflanzen wie der Zuckerrübe sind es nur knapp 20 Prozent. Enzyme zerlegen diese Kohlenhydrate während der Spritproduktion zu einfachem Zucker, der wiederum vergärt mit Hefen zu Biosprit.
Durchbruch der Biokraftstoffe
Aber auch an Land kommt die Erzeugung von Sprit aus Heu und Gras voran: von Biokraftstoffen. Jahrelang gelang die Erzeugung dieser Biokraftstoffe der zweiten Generation nur im Labor. Die Mengen waren schlicht zu klein für eine rentable Fabrik. Immer störte der Bestandteil Lignocellulose im Gras.
Nun ist den Wissenschaftlern der Durchbruch gelungen. Laut dem renommierten US-Bioenergieforscher Chris Somerville löst ein optimierter Enzym-Cocktail des Pilzes Trichoderma Reesei das Problem: Er spaltet die Lignocellulose und macht die Spritproduktion auch aus Gräsern vom Festland möglich. BP finanziert daher Somervilles Bioenergieinstitut mit 500 Millionen Dollar. Mit dieser exorbitanten Summe sollen rund 500 seiner Mitarbeiter erforschen, wie sich der Anbau und die Ernte von Gräsern verbessern lässt. Sie arbeiten unter anderem an Spezialmaschinen, die Halme effizienter ernten, zu Ballen pressen und häckseln.

Solarzellen gehören in der Stadt von Morgen zu den wichtigsten Technologien bei der Energiegewinnung. Die Integration in die Gebäudehüllen spart Material und verbilligt den Sonnenstrom.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Strom erzeugende Straßen gehören zu der Vision des amerikanischen Startup Solar Roadways. Die Oberfläche besteht aus einem extrem harten Glas, darunter befinden sich Solarzellen.
Im US-Bundesstaat Idaho wurde so der erste Strom erzeugende Parkplatz aus Solarmodulen gebaut.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Durch transparente Farbstoffsolarzellen können zusätzlich Fassadenflächen zur Energiegewinnung genutzt werden. Das australische Solarunternehmen Dyesol und der US-Glashersteller Pilkington wollen bereits in wenigen Jahren damit beginnen, Glas mit Solarzellen aus Farbstoffen zu bedrucken.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Einzelne Haushalte können sich zukünftig durch Kleinwindräder, die sich leicht auf Hausdächern und an Balkonbrüstungen montieren lassen, mit Strom versorgen.
Der Branchenverband RenewableUK rechnet damit, dass in England bis 2020 Kleinwindräder mit einer Gesamtleistung von 1,3 Gigawatt installiert sein werden - so viel wie ein großes Atomkraftwerk derzeit produziert.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Elektroautos könnten in den zukünftigen Megacities direkt am Parkplatz aufgeladen werden - durch Windenergie. Sanya Skypump heissen diese Windturbinen, die vom New Yorker Kleinwindanlagen-Startup Urban Green Energy entwickelt wurden.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Selbst Biomasse lässt sich in den Städten zur Energiegewinnung nutzen. Durch Fermentierungsanlagen wird aus dem angefallenen Müll Biogas erzeugt - womit sich wiederum gasbetriebene Fahrzeuge antreiben lassen. Zudem...
Illustration: Javier Martinez Zarracina

...lässt sich das gewonnene Biogas problemlos in das Gasleistungsnetz mischen. So können auch hocheffiziente Blockheizkraftwerke betrieben werden, die dann in den Kellern von Gebäuden Wärme und Strom erzeugen.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Selbst Algen lassen sich in der Megacity zur Treibstoffgewinnung nutzen. In speziellen Tanks, die auf Dächern oder Grünflächen montiert werden könnten, werden Miniorganismen gezüchtet, die dann mit chemischen Methoden in Öl oder Gas umgewandelt werden. Wissenschaftler der Uni Bielefeld testen momentan eine Methode, bei der Algen aus Sonnenlicht und Wasser Wasserstoff produzieren. So kann umweltfreundlicher Treibstoff gewonnen werden, mit dem...
Illustration: Javier Martinez Zarracina

...Brennstoffzellenautos angetrieben werden können, die in der Megacity von Morgen zum normalen Stadtbild gehören. Luftverschmutzung und Smog könnte so entgegengewirkt werden.
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Auch die Wasserkraft soll in die urbanen Zentren zurückkehren - durch schwimmende Bojen, die mithilfe der Flussströmung Strom erzeugen. Das österreichische Startup Aqua Libre hat solche Strom-Bojen entwickelt - 2013 sollen sie in Serienfertigung gehen.
Illustration: Javier Martinez Zarracina
Solarzellen gehören in der Stadt von Morgen zu den wichtigsten Technologien bei der Energiegewinnung. Die Integration in die Gebäudehüllen spart Material und verbilligt den Sonnenstrom.
Illustration: Javier Martinez Zarracina
Kraftstoff aus Gras
Dabei interessieren sie sich vor allem für das Elefantengras, von Biologen auch Miscanthus genannt. Diese meterhohen Halme sind die ertragreichsten aller Landpflanzen – und sie müssen nicht einmal gedüngt werden. „Mais hat die höchsten Flächenerträge unter den Kulturpflanzen – aber Miscanthus bringt mehr“, sagt Agrarexpertin Lewandowski. Mit diesem Wundergras gelingt es Forschern neuerdings, in großem Umfang Biokraftstoff herzustellen.
Zwischen endlosen Weiden verwandeln etwa Bauern in Florida stillgelegte, ertragsschwache Felder in Elefantengrasplantagen. 20.000 Hektar hat der Ölkonzern BP bereits unter Vertrag. Denn in Highlands County im Bundesstaat Florida errichtet der Konzern eine der ersten industriellen Biospritanlagen, die keine Nahrungsmittel in Ethanol umwandelt, sondern Elefantengras.
Pipelines und Tanklastkraftwagen sollen von dort ab 2014 knapp 100 Millionen Liter Sprit pro Jahr ins ganze Land transportieren. Sechs weitere solcher Fabriken befinden sich zudem im Bau. Der Anteil von Gräsern an der Biospritproduktion, das bezweifelt kaum ein Experte, wird in den nächsten Jahren stark zunehmen.

















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Alle Kommentare lesen31.12.2012, 01:25 UhrRegistrierter Benutzer:LBraren
Ähnliches Gedankengut wurde im 3.Reich auch verwandt.
20% der deutschen Agrarfläche werden verwandt, um sog. Biosprit herzustellen.
Vom Weizenexporteur sind wir zum Importeur geworden. Die Weltmarktpreise werden in die Höhe getrieben - die armen Länder können die Preise nicht mehr bezahlen.
Was ist das für eine Moral?
25.10.2012, 18:25 UhrAnonymer Benutzer:Wolfgang
Es gibt eine bessere Alternative für die Brennstoffgewinnung als Seegras. siehe hierzu:
http://www.biopetroleo.com/deutsch/
19.10.2012, 22:06 UhrRegistrierter Benutzer:shadowdancer
Das unkontrollierte Wachstum der Weltbevölkerung muß gestoppt werden!
Das hat sogar China erkannt und bitter gehandelt, aber erfolgreich