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Energie: Turbopflanze für den Tank

Energie: Wie Seegras unseren Spritbedarf deckt

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Turbopflanze für den Tank

Personalkarussell im Energieland

RWE: Beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern steht ein Wechsel im Vorstandsvorsitz an. Im Sommer will der bisherige Chef Jürgen Großmann seinen Posten räumen und dem Niederländer Peter Terium Platz machen, einem bisher noch unbeschriebenen Blatt. Konzerninsider vermuten, dass Großmann schon weit vorher das Feld für Terium frei macht.

Großmann, ein strikter Kernkraft-Befürworter, gilt als Realist, der weiß, das RWE einen Neuanfang braucht, so die Manager. Terium muss den Kontakt zur Politik, vor allem zu den nordrhein-westfälischen Kommunen, die 25 Prozent von RWE halten, wieder verbessern.

Bild: dpa

Auch in Deutschland sind diese Pflanzen auf dem Vormarsch. Energiekonzerne wie Vattenfall, RWE und BP pachten bereits hektarweise Brachland und schlechte Böden, um die künftigen Strom-, Treibstoff- und Wärmelieferanten gedeihen zu lassen.

Spezifische Marktanalysen gibt es noch nicht. Aber ein bloßer Überschlag einzelner Investitionen ergibt, dass viele Millionen Euro in die neue Form der Bioenergie fließen. Allein in Deutschland gedeihen auf Tausenden Hektar Energiepflanzen der neuesten Generation. „Ein beachtlicher Teil des Stroms, des Kraftstoffs und auch des Erdgases wird künftig von diesen Pflanzen stammen“, sagt Agrarökologe Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena.

Die große Hoffnung in der grünen Energierevolution liegt aber auf dem Seegras: Es ist eine der am schnellsten wachsenden Pflanzen überhaupt und bringt doppelt so hohe Ernteerträge wie die ertragreichsten Landgewächse. Seine biologische Bauform macht Seegras zu einer idealen Basis für Biosprit: Das schwimmende Gewächs besteht nämlich zu mehr als der Hälfte aus Zucker – bei Energiepflanzen wie der Zuckerrübe sind es nur knapp 20 Prozent. Enzyme zerlegen diese Kohlenhydrate während der Spritproduktion zu einfachem Zucker, der wiederum vergärt mit Hefen zu Biosprit.

Durchbruch der Biokraftstoffe

Aber auch an Land kommt die Erzeugung von Sprit aus Heu und Gras voran: von Biokraftstoffen. Jahrelang gelang die Erzeugung dieser Biokraftstoffe der zweiten Generation nur im Labor. Die Mengen waren schlicht zu klein für eine rentable Fabrik. Immer störte der Bestandteil Lignocellulose im Gras.

Nun ist den Wissenschaftlern der Durchbruch gelungen. Laut dem renommierten US-Bioenergieforscher Chris Somerville löst ein optimierter Enzym-Cocktail des Pilzes Trichoderma Reesei das Problem: Er spaltet die Lignocellulose und macht die Spritproduktion auch aus Gräsern vom Festland möglich. BP finanziert daher Somervilles Bioenergieinstitut mit 500 Millionen Dollar. Mit dieser exorbitanten Summe sollen rund 500 seiner Mitarbeiter erforschen, wie sich der Anbau und die Ernte von Gräsern verbessern lässt. Sie arbeiten unter anderem an Spezialmaschinen, die Halme effizienter ernten, zu Ballen pressen und häckseln.

Solarzellen gehören in der Stadt von Morgen zu den wichtigsten Technologien bei der Energiegewinnung. Die Integration in die Gebäudehüllen spart Material und verbilligt den Sonnenstrom.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

Kraftstoff aus Gras

Dabei interessieren sie sich vor allem für das Elefantengras, von Biologen auch Miscanthus genannt. Diese meterhohen Halme sind die ertragreichsten aller Landpflanzen – und sie müssen nicht einmal gedüngt werden. „Mais hat die höchsten Flächenerträge unter den Kulturpflanzen – aber Miscanthus bringt mehr“, sagt Agrarexpertin Lewandowski. Mit diesem Wundergras gelingt es Forschern neuerdings, in großem Umfang Biokraftstoff herzustellen.

Zwischen endlosen Weiden verwandeln etwa Bauern in Florida stillgelegte, ertragsschwache Felder in Elefantengrasplantagen. 20.000 Hektar hat der Ölkonzern BP bereits unter Vertrag. Denn in Highlands County im Bundesstaat Florida errichtet der Konzern eine der ersten industriellen Biospritanlagen, die keine Nahrungsmittel in Ethanol umwandelt, sondern Elefantengras.

Pipelines und Tanklastkraftwagen sollen von dort ab 2014 knapp 100 Millionen Liter Sprit pro Jahr ins ganze Land transportieren. Sechs weitere solcher Fabriken befinden sich zudem im Bau. Der Anteil von Gräsern an der Biospritproduktion, das bezweifelt kaum ein Experte, wird in den nächsten Jahren stark zunehmen.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 31.12.2012, 01:25 UhrLBraren

    Ähnliches Gedankengut wurde im 3.Reich auch verwandt.
    20% der deutschen Agrarfläche werden verwandt, um sog. Biosprit herzustellen.
    Vom Weizenexporteur sind wir zum Importeur geworden. Die Weltmarktpreise werden in die Höhe getrieben - die armen Länder können die Preise nicht mehr bezahlen.
    Was ist das für eine Moral?

  • 25.10.2012, 18:25 UhrWolfgang

    Es gibt eine bessere Alternative für die Brennstoffgewinnung als Seegras. siehe hierzu:
    http://www.biopetroleo.com/deutsch/

  • 19.10.2012, 22:06 Uhrshadowdancer

    Das unkontrollierte Wachstum der Weltbevölkerung muß gestoppt werden!
    Das hat sogar China erkannt und bitter gehandelt, aber erfolgreich

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