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Energiewende: Windräder verwandeln unsere Landschaften

von Christopher Schwarz

Die Planer von Windkraftanlagen beginnen endlich darüber zu diskutieren, wie man die Geräte sinnvoll in die Landschaft einfügen kann.

Windenergie Quelle: dpa
Ob Windenergieanlage, Maisplantagen oder Solarfelder: Der landschaftliche Formenwandel, der mit den Erneuerbaren einhergeht, bricht mit den vertrauten Sehgewohnheiten Quelle: dpa

Zu den schönsten Stellen in Edgar Reitz’ Filmepos „Heimat“ zählt gleich die Anfangssequenz: Paul Simon, Sohn eines Schmieds, kehrt nach Jahren zurück aus dem Krieg, läuft über die kargen Hunsrückhöhen, sieht von Weitem den geduckten Kirchturm seines Heimatdorfs und weiß: Endlich bin ich zu Hause.

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Wenn er heute in sein Dorf zurückkäme, sähe er schon aus der Ferne etwas ganz anderes: Schlanke Türme mit großen, weißen Propellern, die über den Hügeln kreisen, Dutzende von weiß-rot gestreiften Windrädern, die von Weitem aussehen, als hätte ein Riese sie wie buntes Spielzeug über die Landschaft verstreut, und sich von Nahem einschüchternd in die Höhe recken. Wahrscheinlich hätte der Heimkehrer Schwierigkeiten, heimisch zu werden zwischen den neuen Nachbarn, womöglich beschlichen ihn Urängste angesichts der groß geratenen Geräte, die demonstrativ von einem neuen Zeitalter künden: Nach der „langen Dauer“ der Agrikulturepoche und der kurzen Phase der Industrialisierung markieren die Windmühlen am deutlichsten die neue Zäsur in der Geschichte der Landschaft – den Eintritt in die postfossile Ära der erneuerbaren Energien.

Bruch mit den vertrauten Sehgewohnheiten

Für viele, vor allem die Älteren, wird sie als Bedrohung landschaftlicher und kultureller Identität wahrgenommen, als Angriff auf die Heimat. Ob Windenergieanlage, Maisplantagen oder Solarfelder: Der landschaftliche Formenwandel, der mit den Erneuerbaren einhergeht, bricht mit den aus Kindertagen vertrauten Sehgewohnheiten. Vor allem, wenn die Veränderungen sich rasch und ungesteuert vollziehen.

Enercon

Das vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen im ostfriesischen Aurich ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland. Dem Windanlagenhersteller mangelt es nicht an Aufträgen: 2012 installierte das Unternehmen Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3500 Megawatt. Das entspricht einem Marktanteil von knapp 57 Prozent im Inland und gut acht Prozent im Ausland. Der Jahresüberschuss von Enercon stieg im Jahr 2012 laut einer Unternehmensfolie von zuvor gut 470 Millionen Euro auf rund 600 Millionen Euro.

Bild: dpa

Im Rhein-Hunsrück-Kreis waren es Ende der Neunzigerjahre ein paar vereinzelte Windräder, die im Vorgarten energiebewusster Bürger Zeichen für die Zukunft setzten. Inzwischen rotieren zwischen Rhein, Mosel und Nahe mehr als 150 Anlagen, bis zum Jahr 2014, so meldet die lokale „Rhein-Zeitung“, sollen rund 370 Windräder errichtet werden. Allein in der Verbandsgemeinde Kirchberg stehen 52 Anlagen, 25 Anlagen könnten hinzukommen, sagt Verbandsbürgermeister Harald Rosenbaum. Nach einer ersten Phase der Zurückhaltung haben sich die Gemeinden, der Rechtsprechung folgend, flächendeckend der Windkraft geöffnet und fleißig Bauland ausgewiesen. Ein gutes Geschäft für die Ortsgemeinden: Bis zu 60 000 Euro Pacht pro Jahr zahlen die Windkraft-Betreiber für eine Anlage. „Die Ortschaften können ihre Bürgersteige vergolden“, sagt Werner Elsen von der Freien Wählergemeinschaft – und lassen es zu, dass ihre Landschaft verunstaltet wird?

"Niemand behauptet, dass Windräder schön seien"

Rosenbaum weiß, dass die ökologische Stromerzeugung „ihren Preis“ hat: „Niemand behauptet, dass die Windräder schön seien.“ Landschaftsästhetische Aspekte hätten bei den Kirchberger Planungen keine Rolle gespielt. Inzwischen seien sie ein „Riesenthema“. Der an der TU München lehrende Landschaftsarchitekt Sören Schöbel hat jetzt einen Leitfaden zur „landschaftgerechten Anordnung von Windfarmen“ vorgelegt. „Windenergie & Landschaftsästhetik“ heißt das Büchlein. Es genüge nicht, sagt der Autor, dass Windenergie- oder Solaranlagen als Technologie begrüßt werden, es komme darauf an, sie „sinnstiftend“ in die Landschaft einzufügen.

Wie das geht? Indem man sie, so Schöbel, der „Morphologie der Landschaft“ anpasst. Windräder sollen den typischen Reliefformen der Naturräume, den Kanten, Kämmen, Faltungen und Geländesprüngen der Landschaft folgen oder, wie im flachen Land, den Übergang von der Geestlandschaft in die Tiefebene mit ihren Becken und Urstromtälern markieren.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.04.2013, 14:19 UhrWesterwaelder

    Ich wohne hier im Westerwald und zwar auf seinen Höhen
    die Landschaft war hier wie gemalt ein jeder konnt das sehen
    blickst heute du zum Horizont wo Berg und Wälder stehen
    erkennst du auf den ersten Blick hier ist es nicht mehr schön.
    Verspargelt ist der Horizont entstellt ist die Natur
    wo früher heile Welt zu seh`n ist Technikterror pur
    Energienwende wie soll man das verstehen
    tun doch die großen Räder sich die meiste Zeit NICHT drehen
    Ein grünes Männlein das sehr schlau hat darauf hingewiesen,
    daß wenn der Wind nicht ausreicht hier muss mann die Lücke schließen.
    Die Subventionen das muss mann verstehen, müssen dann in den Wind rein gehen.
    WESTERWALD DU WARST MAL SCHÖN


  • 08.02.2013, 17:55 UhrMayr

    Was hier unter Energiewende geschieht ist ein Katastrophe für Mensch und Tier sowie Natur. Das ist die grösste Naturvernichtung seit dem 30jährigen Krieg. Durch eine "Grüne" Regierung wird Hektar für Hektar Mischwald abgeholzt und diese Monster installiert. Hier geht es nicht um Strom sondern nur um Geld für die nächsten 20 Jahre. Die Windräder bringen maximal 7% Energiegewinnung und wenn wir auch 100.000 Stkc. installieren. Kohle- und Gaskraftwerke benötigen wir zur Sicherstellung der Stromversorgung. Weitere Natur wird zerstört wenn die Überlandleitungen von Nord nach Süd gebaut werden. Die Kosten werden sich auf ca. 200 Milliarden € belaufen, wer soll dies alles bezahlen. Die Landschaft verwandelt sich in eine Industrielandschaft, ein Leben ist hier fast nicht mehr möglich. Wir zogen aufs Land um nach der Arbeit unsere Freizeit zu verbringen. Nun ist es in der Stadt zu leben wahrscheinlich besser. Energiewende auf Kosten unserer Lebensqualität. Marianne Mayr aus dem zerstörten Hunsrück Rheinland-Pfalz ca. 400 Anlagen

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