Energiewende: Woran Stromversorger in der Nach-Atom-Ära verdienen wollen

Energiewende: Woran Stromversorger in der Nach-Atom-Ära verdienen wollen

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Stromversorger schreiben der Windkraft eine enorme Wichtigkeit zu. Sie erwarten nun ein heftiges Gerangel um die besten Standorte

von Dieter Dürand

Bürgerbeteiligung, Windparks, Spartipps: mit welchen Strategien die Stromversorger sich nach dem Atomausstieg ihr Geschäfte sichern wollen.

So rabiat hat noch keine Bundesregierung in den Markt eingegriffen: Ihrem Energiekonzept zum Ausstieg aus der Atomkraft zufolge soll Deutschland im Jahr 2050 nur halb so viel Kohle, Öl und Gas verbrauchen wie 2008. Die Energieausgaben würden dadurch mit 214 Milliarden Euro in etwa auf heutigem Stand eingefroren. Ihr Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung sänke von neun auf sechs Prozent.

Stagnation auf Jahre! Keine Frage, die alten, auf stetiges Wachstum ausgelegten Geschäftsmodelle der Energieversorger greifen unter diesen Voraussetzungen nicht mehr. Doch mit welchen Strategien lässt sich im Nach-Atom-Zeitalter Geld verdienen? Und wer werden die Gewinner des Verteilungskampfes sein?

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Die Unternehmensberatung Horváth & Partners hat dazu bundesweit Stadtwerke und Stromkonzerne befragt. Die wichtigsten Ergebnisse: Neun von zehn stellen sich auf sinkende Renditen ein; 84 Prozent erwarten deutlich steigende Strompreise, und fast ebenso viele sagen eine stärkere Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten voraus (siehe Grafik).

Mit welchen Folgen der energiewende die Versorger rechnen Quelle: Horváth & Partners

Mit welchen Folgen der energiewende die Versorger rechnen (Angaben in Prozent; Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Horváth & Partners

Elektromobilität ist wenig attraktiv

Am ehesten hoffen die Versorger in Zukunft mit dezentraler Energieerzeugung, energienahen Dienstleistungen sowie Strom und Wärme aus Sonne, Wind und Biomasse ordentliche Gewinne machen zu können. Herkömmliche große Kohle- und Gaskraftwerke dagegen werfen allenfalls noch geringe Margen ab, schätzen sie. Ebenso wenig sehen sie Elektromobilität als attraktives Geschäftsfeld.

85 Prozent der Unternehmen erwarten einen starken Zuwachs bei kleineren Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Sie würden künftig dezentral Siedlungen, Stadtteile und Gewerbegebiete mit Strom und Wärme beliefern. Bei Dienstleistungen wollen die Versorger vor allem bei der effizienten Energienutzung beraten sowie für Kunden kleinere Erzeugungsanlagen finanzieren und betreiben.

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Boom der Windkraft

Unter den erneuerbaren Energien soll die Windkraft stark zulegen. Laut Umfrage steigt ihr Anteil bis 2020 von 46 auf 72,7 Prozent. Die Unternehmen befürchten ein heftiges Gerangel um die besten Standorte. Drei Viertel planen daher eine stärkere Beteiligung der Bürger beim Bau von Wind- und Solarparks, um sich deren Zustimmung zu sichern.

Die Umfrage bestätigt, dass das künftige Energiesystem in Deutschland radikal anders aussehen wird als heute. Der Trend zu dezentralen Versorgungsstrukturen stärkt laut Horváth-Energieexperte Stephan Haller die Position kleinerer Anbieter, etwa der Stadtwerke. Sie sehen in der Energiewende denn auch deutlich häufiger eine Chance. Die großen Energiekonzerne dagegen hätten Probleme, ihre Geschäftsmodelle an die neuen Bedingungen anzupassen. Dabei erodiere ihr Kerngeschäft, die Stromerzeugung in zentralen Großkraftwerken, zusehends, so Haller.

Heftige Kritik übt der Experte an der Politik. „Sie muss endlich verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, sonst kommen die Investitionen nicht in Gang.“

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