Erneuerbare Energien: Wo die Wärmewende schon funktioniert

Erneuerbare Energien: Wo die Wärmewende schon funktioniert

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Im Zusammenspiel von Solarenergie, Erwärme und Blockheizkraftwerken lässt sich ein Großteil der Energiekosten sparen

von Benjamin Reuter

Grünstrom, produziert mit Sonne und Wind – klar, kennen wir. Aber grüne Wärme? Ist immer noch die Ausnahme. Wenn Deutschland aber seine Klimaziele erreichen will, braucht es eine Wärmewende. Pioniere zeigen, wie das gehen könnte.

Manchmal findet sich die Avantgarde nicht in den Metropolen, sondern in der Provinz. So wie in dem Städtchen Crailsheim, auf halbem Wege zwischen Nürnberg und Stuttgart gelegen. Dort arbeiten die lokalen Stadtwerke seit Jahren daran, Wärme grün zu machen – sie mit erneuerbarer Energie zu erzeugen statt wie bisher mit Gas, Öl oder Kohle.

Schon jetzt heizen rund 1500 Menschen im Wohngebiet Hirtenwiesen ihre Häuser mit Sonnenenergie. In einer zweiten Ausbaustufe, finanziert mit Bundes- und Landesmitteln, sollen sich bald 2000 Einwohner zur Hälfte mit grüner Wärme versorgen können. Den Rest trägt ein effizientes Blockheizkraftwerk bei, das Erdgas verbrennt, um Wärme und Strom zu erzeugen.

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Manchmal findet sich die Avantgarde nicht in den Metropolen, sondern in der Provinz. So wie in dem Städtchen Crailsheim, auf halbem Wege zwischen Nürnberg und Stuttgart gelegen. Dort arbeiten die lokalen Stadtwerke seit Jahren daran, Wärme grün zu machen – sie mit erneuerbarer Energie zu erzeugen statt wie bisher mit Gas, Öl oder Kohle.

Schon jetzt heizen rund 1500 Menschen im Wohngebiet Hirtenwiesen ihre Häuser mit Sonnenenergie. In einer zweiten Ausbaustufe, finanziert mit Bundes- und Landesmitteln, sollen sich bald 2000 Einwohner zur Hälfte mit grüner Wärme versorgen können. Den Rest trägt ein effizientes Blockheizkraftwerk bei, das Erdgas verbrennt, um Wärme und Strom zu erzeugen.

Sommerwärme für den Winter sparen

Rückgrat des Systems sind Solarkollektoren auf einem Lärmschutzwall sowie auf den Hausdächern, die zusammen die Fläche eines Fußballfeldes bedecken. Sie erwärmen Wasser, das wiederum zwei riesige Kessel mit mehr als einer halben Million Liter Fassungsvermögen zwischenspeichern. Und per Fernwärmenetz die Wohnungen versorgen. Sind sie voll, strömt das heiße Wasser über 80 Rohre in den Untergrund, wo es in 60 Meter Tiefe Gestein erhitzt. So lässt sich die Sonnenwärme bis in den Winter retten.

Die besten Techniken zum Verwenden und Speichern von Solarstrom

  • Solaranlage

    Liefert bei Sonnenlicht Strom, unabhängig vom Verbrauch. Überschüssiger Strom wird bisher an Netzbetreiber verkauft.

  • Hauselektronik-Managementsystem (HEMS)

    Verteilt Sonnenstrom auf Akku, Wärmepumpe und andere Verbraucher.

  • Akku

    Speichert den tagsüber erzeugten Solarstrom für den Energiebedarf am Abend.

  • Wärmepumpe

    Nutzt Strom aus Sonnenenergie, um Wärme für Heizung oder Wasch-/Duschwasser zu erzeugen.

  • Warmwasserspeicher

    Wird von der Wärmepumpe oder direkt mit überschüssigem Solarstrom beheizt.

  • Variable Verbraucher

    Geräte wie Wasch- oder Spülmaschine werden vom HEMS aktiviert und koordiniert, sobald die Solaranlage genug Strom liefert.

  • Elektroauto

    Speichert am Tag Sonnenstrom im eigenen Akku oder wird am Abend über den Hausakku geladen.

Technisch ist das System in Crailsheim spektakulär – mehr erneuerbare Sonnenwärme nutzt kaum eine Siedlung weltweit. Und es zeigt zudem: Es ist effizienter, ganze Wohngebiete und Stadtteile mit Wärme zu beliefern, als wenn jedes Eigenheim eine Burg sein will, die sich selbst versorgt. Vor allem auch deshalb, weil die Sonne schließlich nicht der einzige Wärmelieferant ist. Auch Erdwärme, Abluft aus Räumen und Hitze aus Fabriken und Raffinerien liefern einen immer größeren Teil der Energie für Zehntausende Haushalte. Ihnen allen ist gemeinsam: Sie produzieren fast kein Kohlendioxid und tragen so nicht zum Klimawandel bei. Sie sind damit sehr viel sauberer als die fossilen Energieträger, mit denen wir immer noch zu mehr als 90 Prozent die Wärme in Wohnungen erzeugen.

Ein gigantisches Potenzial

Das alles weiß auch die Politik. „Die Energiewende wird nur gelingen, wenn wir die Wärmewende in den Griff bekommen“, erklärt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Deshalb will auch Sigmar Gabriel (SPD), Hendricks’ Kollege im Wirtschaftsministerium, jetzt den Umbau beschleunigen.

Seit dem 1. April fördert er Haushalte, Unternehmen und Kommunen, die bei der Wärmeversorgung auf die Kraft aus Sonne, Biomasse oder Erdwärme setzen. Mehr als 300 Millionen Euro stehen für die Projekte pro Jahr bereit. Das ist ein Anfang, im Vergleich zu der Förderung für Dämmung und neue Heizungen von jährlich insgesamt zwei Milliarden Euro eher bescheiden.

Nachfrage gibt es ohne Zweifel, denn in Deutschland hat die erneuerbare Wärme gigantisches Potenzial. In einer groß angelegten Studie kam Hans-Martin Henning, Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg ISE, zu dem Schluss: „Strom und Wärme lassen sich in Deutschland zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien erzeugen.“ Erdgas und Heizöl müssten nicht mehr importiert werden – die rund 50 Milliarden Euro, die pro Jahr die Deutschen für ihre Wärmeversorgung ausgeben, blieben im Land. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid würde kräftig sinken.

Dass dies keine bloße Theorie ist, zeigt eine Reise zu den Pionieren der deutschen Wärmewende: zu Stadtwerken, Großunternehmen und kleinen Ingenieurbüros.

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