Folgen von Fukushima: Japan will trotz Kernschmelze Atommeiler zurück

Folgen von Fukushima: Japan will trotz Kernschmelze Atommeiler zurück

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Arbeiter in Schutzanzügen 2011 in der Gefahrenzone um Fukushima.

Deutschland schaltet Kernkraftwerke ab, Japan schaltet sie vier Jahre nach der Reaktorkernschmelze wieder an – gegen den Willen der Bevölkerung und trotz andauernder Probleme in Fukushima.

Mit bewegenden Worten des Kaisers und Gedenkminuten im ganzen Land hat Japan am Mittwoch der Opfer der Katastrophe von 2011 mit Erdbeben, Tsunami und Atomunfall in Fukushima gedacht. „Viele Menschen, sowohl in den betroffenen Regionen als auch in den Orten, wohin sie evakuiert wurden, leben bis zum heutigen Tag weiter unter schwierigen Bedingungen“, sagte Kaiser Akihito. „Ich bin insbesondere über die Gesundheit der Älteren besorgt, die von Jahr zu Jahr älter werden“, sagte der im Volk hoch verehrte Monarch.

Viele Menschen beklagen, dass der Wiederaufbau der Region nur schleppend vorankomme. Regierungschef Shinzo Abe betonte indes die erzielten Fortschritte, gelobte aber zugleich, den Wiederaufbauprozess zu beschleunigen.

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Um 14.46 Uhr Ortszeit - der Zeitpunkt, an dem am 11. März 2011 ein schweres Erdbeben den Nordosten Japans heimsuchte - legten die Menschen in den Katastrophengebieten, aber auch Firmenbelegschaften und Schulklassen in Tokio und anderen Orten Schweigeminuten ein. Die U-Bahnen in Tokio stoppten die Züge für eine Minute. Flaggen an öffentlichen Gebäuden wehten auf halbmast.

Seit dem frühen Morgen beteten Bewohner in der von der mörderischen Flutwelle heimgesuchten Region im Nordosten des Landes für die fast 19.000 Todesopfer.

Im Atomkraftwerk Fukushima war es in Folge des Bebens und Tsunamis zu Kernschmelzen gekommen. Noch immer gebe es verstrahlte Sperrgebiete, sagte Kaiser Akihito bei einer zentralen Gedenkveranstaltung in Tokio. „Mein Herz schmerzt beim Gedanken daran, dass so viele Menschen noch nicht wissen, wann sie in ihre Häuser zurückgehen können“, fügte er hinzu.

Die Lage in der Atomruine ist derweil weiter mit Risiken behaftet: „Im zurückliegenden Jahr gab es eine Reihe von Zwischenfällen und Problemen“, räumte der Vorsitzende der Atomaufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka, ein. Dies verursache Ängste und Ärger unter den Bewohnern Fukushimas, sagte Tanaka vor Mitarbeitern. Er versicherte, alles zu tun, um weitere Probleme zu vermeiden.

Deutschlands Energieriesen im Vergleich

  • Eon

    Mit über 122 Milliarden Euro Umsatz und weltweiten Kapazitäten zur Stromerzeugung von 61 Gigawatt im Jahr 2013 ist Eon Deutschlands größter Energiekonzern. Doch den Düsseldorfern machen die Folgen der Energiewende zu schaffen. Das klassische Stromgeschäft wirft wegen des wachsenden Anteils von Sonnen- und Windenergie immer weniger Geld ab. Zudem häufte Eon durch seine Expansion einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro an. Ende 2013 hatte der Konzern 62.200 Mitarbeiter.

  • RWE

    Die Gewinne des zweitgrößten deutschen Versorgers sind wegen des niedrigen Börsenstrompreises 2014 rapide geschrumpft. Das betriebliche Ergebnis sank auf 4 Milliarden Euro und lag 25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Außenumsatz des Konzerns ging von 52,4 auf 48,5 Milliarden Euro zurück. Die Nettoverschuldung von RWE bewegte sich 2014 mit 31 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Ende 2014 beschäftigten die Essener weltweit knapp 59.800 Mitarbeiter.

  • EnBW

    Die Nummer drei der Branche will zum Treiber der Energiewende werden. Ende 2013 erzeugte EnBW knapp 20 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Bis 2020 soll der Anteil 40 Prozent betragen. Die Karlsruher haben rund 20.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro. Unrentable Kraftwerke und niedrige Strompreise sorgten unter dem Strich in den ersten neun Monaten 2014 für ein Minus von über 770 Millionen Euro.

  • Vattenfall

    Fallende Preise machten dem schwedischen Konzern 2014 zu schaffen. Der Umsatz sank auf 166 Milliarden Kronen (18 Milliarden Euro). Auch das bereinigte Betriebsergebnis von 2,6 Milliarden Euro fiel geringer aus - teils wegen Rücklagen für den deutschen Atomausstieg. 2015 will das Staatsunternehmen aus Stockholm mit 30.200 Mitarbeitern einen strikten Sparkurs fahren. In Deutschland erwägt Vattenfall einen Verkauf seiner Braunkohle-Sparte in Brandenburg und Sachsen.

Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung in Japan für einen Atomausstieg ist, treibt die Regierung das Wiederanfahren der ersten nach Fukushima abgeschalteten Atomkraftwerke im Lande voran. Derweil müssen Zehntausende von Menschen noch immer in containerähnlichen Behelfsunterkünften hausen. Viele beklagen, dass der Wiederaufbau nur langsam vorankomme. Ein Grund ist der Mangel an Bauarbeitern. Zudem sind die Kosten für Baumaterialien deutlich gestiegen.

Hinzu kommt eine Debatte über den von der Regierung geplanten Bau riesiger Betonbollwerke entlang der Küste zum Schutz vor künftigen Tsunami. Gegner bezweifeln den Sinn solcher Betonmauern und werfen der Regierung vor, damit vor allem der im Wahlkampf wichtigen Bauwirtschaft lukrative Aufträge zukommen lassen zu wollen.

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Regierungschef Abe erklärte indes, er wolle Japan zu einer Nation machen, die widerstandsfähig gegen Katastrophen sei. An diesem Samstag findet in Sendai, der größten Stadt in den Katastrophengebieten, die dritte Weltkonferenz der Vereinten Nationen (UN) zur Risikoreduzierung von Katastrophen statt.

„Naturkatastrophen wie Dürren, Fluten, Erdbeben und Stürme verursachen jährlich bis zu 270 Milliarden Euro an wirtschaftlichen Schäden und kosten viele Menschenleben“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Christoph Strässer. Der Klimawandel erhöhe das Risiko noch weiter. In Sendai werde man sich für eine „neue globale Strategie“ zur Risikominderung und Katastrophenvorsorge einsetzen.


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