Fotovoltaikkraftwerke: Warum die Welt vor einem Solarboom steht

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Fotovoltaikkraftwerke: Warum die Welt vor einem Solarboom steht

von Andreas Menn

Solarenergie wurde lange Zeit als zu teuer und unstet gescholten, in vielen Ländern wurden die Subventionen gekürzt. Trotzdem boomt dieses Jahr die Fotovoltaik wie nie zuvor. Wie kommt das?

Krise, Krise, Krise – so könnte man kurz und bündig die Stimmung in der Solarindustrie in den vergangenen drei Jahren beschreiben. Der Weltmarkt: Geflutet mit Solarmodulen, die keiner kaufen will; die Subventionen für Sonnenstrom: Überall auf Talfahrt.

Doch schleichend hat sich die Großwetterlage auf den Energiemärkten geändert. Das zeigt schon ein Blick auf die Branchennachrichten von Donnerstag, einem Tag wie vielen anderen: Mexiko errichtet Solarpark für 400 Millionen Dollar; Bangladesch baut 60-Megawatt-Solarkraftwerk; Iran installiert fünf Gigawatt Fotovoltaikleistung bis 2016.

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Fotovoltaik ist wieder gefragt, nur diesmal weniger im Energiewende-Deutschland, sondern weltweit. Im laufenden Jahr, so die Prognose vom US-Marktforschungsinstitut Solarbuzz, werden Fotovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 50 Gigawatt installiert - gegenüber 37 Gigawatt im Jahr 2013. Das entspricht der Kapazität von 50 Kernkraftwerken. 

Rechnet man alle bisher gebauten Fotovoltaikkraftwerke zusammen, werden Ende des Jahres 200 Gigawatt Solarleistung am Netz sein – was der Hälfte aller weltweit installierten Kernkraftwerke entspricht.

Die besten Techniken zum Verwenden und Speichern von Solarstrom

  • Solaranlage

    Liefert bei Sonnenlicht Strom, unabhängig vom Verbrauch. Überschüssiger Strom wird bisher an Netzbetreiber verkauft.

  • Hauselektronik-Managementsystem (HEMS)

    Verteilt Sonnenstrom auf Akku, Wärmepumpe und andere Verbraucher.

  • Akku

    Speichert den tagsüber erzeugten Solarstrom für den Energiebedarf am Abend.

  • Wärmepumpe

    Nutzt Strom aus Sonnenenergie, um Wärme für Heizung oder Wasch-/Duschwasser zu erzeugen.

  • Warmwasserspeicher

    Wird von der Wärmepumpe oder direkt mit überschüssigem Solarstrom beheizt.

  • Variable Verbraucher

    Geräte wie Wasch- oder Spülmaschine werden vom HEMS aktiviert und koordiniert, sobald die Solaranlage genug Strom liefert.

  • Elektroauto

    Speichert am Tag Sonnenstrom im eigenen Akku oder wird am Abend über den Hausakku geladen.

Und das ist erst der Anfang einer steilen Wachstumskurve. Laut den Analysten von Bloomberg New Energy Finance werden im Jahr 2020 ein Fünftel der weltweit neu gebauten Kraftwerkskapazitäten Solarkraftwerke sein. Saudi-Arabien will bis 2032 ein Drittel seiner Elektrizität aus Solaranlagen beziehen, China will allein bis 2017 seine Solarleistung auf 70 Gigawatt verdreifachen.

„Der Solar-Boom ist nicht mehr zu bremsen“, sagt Martin Ammon, Solarexperte beim Bonner Marktforschungsinstitut EuPD-Research. Fünf Gründe, warum die Experten sehr wahrscheinlich Recht behalten – und die Welt vor einem Solarboom steht:

1) Solar wird billig

Keine Energietechnologie ist in jüngster Zeit so schnell preiswerter geworden wie die Fotovoltaik. Seit 2006 sind Anlagen zur Montage auf dem Dach um 68 Prozent günstiger geworden. Vor allem die Module selbst haben einen massiven Preisverfall erlebt – zum einen, weil sie immer effizienter geworden sind, zum anderen, weil sie inzwischen in riesigen, hochmodernen Fabriken in Massen gefertigt werden.

In sonnigen Regionen können Solaranlagen laut EuPD-Experte Ammon Strom schon ab sieben Cent pro Kilowattstunde herstellen. Zwei Solarkraftwerke, die der Solarhersteller SunEdison im Auftrag des Energieversorgers Austin Energy im US-Bundesstaat Texas baut, liefern Strom sogar für umgerechnet nur 5,8 Eurocent.

Zum Vergleich: Für Strom aus Erdgas veranschlagt Austin Energy fünf Eurocent pro Kilowattstunde, also nur unwesentlich weniger. Für Strom aus neuen Kohle- und Atomkraftwerken erwarten die Texaner dagegen deutlich höheren Kosten: 7,2 und 9,4 Eurocent. Künftig dürften die Preise für Kohle und Gas weiter steigen – während die Solarkraftwerke 25 Jahre lang Strom zum Fixpreis liefern.

Nicht nur im sonnenreichen Texas wird Solarstrom damit zur Billigenergie. In weiten Teilen Asiens etwa ist Solarenergie laut den Analysten von Bloomberg inzwischen preiswerter als verflüssigtes Erdgas (LNG) – und kann damit auch ohne Subventionen mit fossilen Energieträgern konkurrieren.

Kombiniert man Fotovoltaikanlagen mit Gaskraftwerken, ist die Energieversorgung auch dann gesichert, wenn die Sonne nicht scheint. Laut einer Studie der Citi-Bank könnte dieses Zusammenspiel schon bald Kohlekraftwerke unrentabel machen.

 

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8 Kommentare zu Fotovoltaikkraftwerke: Warum die Welt vor einem Solarboom steht

  • Das Dumme ist nur, dass man die Photovoltaik in Deutschland für eine Anwendung massiv subventioniert, für die sie völlig ungeeignet ist: als Grundlastbeitrag zum öffentlichen Stromnetz eines Industrielandes. Selbst wenn die Herstellkosten neuester PV-Module gleich Null wären, würde sich an den Verbraucherpreisen wegen EEG nichts ändern, nur die Profite der PV-Dach- Besitzer würden höher ausfallen.
    Kombiniert mit preiswerten, wartungsfreien und langfristig zyklenfesten Batterien (plus Wechselrichter)ist PV sicherlich für Inselanwendungen gut geeignet.Dass die Sonnenscheindauer wegen des irdischen Tag/Nacht-Rhythmus die solare Stromerzeugungszeit begrenzt, ist nicht dem Verfahren anzulasten, auch wenn es in Politik und anderswo genügend Dummköpfe gibt, die diese Begrenzung nicht begreifen.
    Und was auch in diesem Artikel - typischerweise - stillschweigend unter den Tisch fällt, ist die unbequeme Wahrheit, dass die PV-"Herstellkosten" natürlich auch die Kosten und Wirkungsgradverluste der Speicher sowie der Wechselrichter beinhalten müssen, um einen sauberen Vergleich mit anderen Verfahren zur Stromherstellung darzustellen.

  • Muss ich da noch weiter lesen, nach diesem Satz: „Das entspricht der Kapazität von 50 Kernkraftwerken.“

    Die Kapazität ist völlig egal. Wieviel wird tatsächlich geliefert, und zwar dann wann man es braucht, und die auch noch verläßlich. Die Jubelartikel ist nur eine weitere Vernebelungstaktik. Peinlich für die WiWo.

  • Nein, Quentin Quencher, das müssen Sie nicht. Es scheint so gut wie keine Redaktionen/Autoren, auch in sog. "Qualitätsmedien" zu geben, die den Unterschied zwischen 1 GW und 1 GWh kennen und daher wissen, dass ein 1GW Kohle- oder Kernkraftwerk unterbrechungsfrei 1 GW x 8.760 (Zahl der Jahresstunden) x 0,9 (Berücksichtigung von Revisionsstillständen etc), also 7.884 GWh Strom im Jahr liefern wird, ein 1 GW-Solarpark in Deutschland hingegen günstigstenfalls (Annahme von 12% Volllaststunden) 1.051 GWh, und das auch nicht kontinuierlich, sondern in chaotisch übers Jahr verteilten "Häppchen".

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