Frankfurter Flughafen: Lufthansa testet steilere Starts

ThemaLufthansa

Frankfurter Flughafen: Lufthansa testet steilere Starts

Die Lufthansa testet am Drehkreuz Frankfurt ein neues Startverfahren, um mehrere Tausend Tonnen Kerosin im Jahr zu sparen. Dabei wird der Jet ab einer geringeren Flughöhe beschleunigt.

Die Lufthansa lässt an ihrem größten Drehkreuz Frankfurt einige Jets künftig nach einem neuen Verfahren starten. Die Flugzeuge sollen bereits ab einer Höhe von 1000 Fuß (etwa 305 Meter) die Klappen einfahren, beschleunigen und dann in den Steigflug gehen, wie die Fluggesellschaft ankündigte. Bislang war dies für Lufthansa-Jets in Frankfurt erst ab 1500 Fuß (457 Meter) üblich.

Lufthansa will das international zugelassene Verfahren vom 1. Juli bis zum 30. September auf seine Lärmauswirkungen testen. Zum Vergleich soll auch weiterhin auf die bislang übliche Weise gestartet werden, wobei die jeweiligen Anteile noch nicht feststehen, wie ein Sprecher sagte. Klar ist aber, dass sämtliche Flugzeugtypen der Flotte an dem Test teilnehmen sollen.

Anzeige

Mayrhuber doch Aufsichtsrats-Chef Überraschende Wende bei der Lufthansa

Wolfgang Mayrhuber ist trotz erheblicher Kritik einzelner Investoren an die Spitze des Aufsichtsrats der Airline gewählt worden. Allerdings mit dem schwächsten Ergebnis aller vorgeschlagenen Vertreter.

Wolfgang Mayrhuber wird nun doch Aufsichtsrats-Chef der Lufthansa. Quelle: REUTERS

Das Startverfahren funktioniert so: Nach dem Abheben steigt ein Flugzeug mit ausgefahrenen Landeklappen und konstanter Geschwindigkeit zunächst bis auf eine bestimmte Höhe. Dazu wird bei modernen Flugzeugen in der Regel nicht der maximal verfügbare, sondern ein reduzierter Startschub genutzt. Die Klappen dienen dabei zur Verbesserung des Auftriebs und zur Vermeidung eines Strömungsabrisses. Bei Erreichen einer ersten Zielhöhe (1500 Fuß) wird der Schub der Triebwerke auf Steigschub, also maximale Beschleunigung, verändert, bis die Reiseflughöhe erreicht ist. Die Klappen werden vorher eingefahren. Bei den neuen steileren Starts sollen die Klappen bereits ab 1000 Fuß eingefahren und das Flugzeug beschleunigt werden, was zu mehr Lärm führen kann. Das Unternehmen rechnet wegen des früheren Einfahrens der Klappen mit einem geringeren Treibstoffverbrauch und weniger CO2-Emissionen. Allein in Frankfurt könnten jährlich 2200 Tonnen Treibstoff gespart werden, weltweit gehe es für Lufthansa um 6000 Tonnen pro Jahr. Der Test in Frankfurt entscheidet bei Lufthansa auch über die Einführung des geänderten Verfahrens an anderen deutschen Flughäfen.


Die zentralen Schwachpunkte der Lufthansa

  • zu hohe Kosten

    Die Lufthansa arbeitet mit zu hohen Kosten. Trotz aller Sparmaßnahmen wendet die Kranichlinie immer noch sechs Cent auf, um einen Passagier einen Kilometer weit zu fliegen; Easyjet kommt mit knapp vier Cent, Emirates mit gut drei und Ryanair nicht mal zwei Cent aus.

  • zu umständlich

    Deutschlands Marktführer arbeitet zu umständlich. Die Lufthansa macht bis zu Wartung und Flugküchen fast alles selbst und gibt ein Viertel der Kosten für das Personal aus. Emirates und Billigfliegern reicht die Hälfte.

  • zu wenig Komfort

    Die Lufthansa bleibt bei der Flotte und beim Komfort zurück: Weil die Deutschen weniger neue Flugzeuge anschaffen als Emirates, können die Araber deutlich schneller wachsen und ihren Kunden an Bord modernsten Komfort anbieten.

Die gegen den Flughafenausbau gerichteten Bürgerinitiativen sehen die Ankündigung der Airline kritisch. Menschen in unmittelbarer Nähe des Flughafens könnten mit zusätzlichem Lärm belastet werden, sagte Sprecherin Ingrid Kopp. Man werde dies nicht an den Messungen, sondern an den zusätzlichen Protesten der Bevölkerung merken. Kopp forderte die hessische Landesregierung auf, für weniger Lärm rund um den Flughafen zu sorgen. Von einer Entlastung sei derzeit nichts zu spüren. „Am Ohr wird nichts leiser.“


Lufthansa kündigte an, das neue Startverfahren in Abstimmung mit dem Forum Flughafen und Region auszuwerten. Eine wissenschaftliche Studie beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) lasse nur geringfügige Schallveränderungen durch das neue Abflugverfahren erwarten. Lufthansa bestreitet rund zwei Drittel des täglichen Flugverkehrs in Frankfurt. Das Forum Flughafen und Region bestätigte, dass international grundsätzlich bereits ab 800 Fuß (244 Meter) auf Steigleistung umgeschaltet werden darf. Die bislang vorliegenden Einschätzungen zur Lärmentwicklung seien aber nicht aussagekräftig genug, so dass keine eindeutige Empfehlung gegeben worden sei. Stattdessen wolle man die Auswirkungen beobachten.


weitere Artikel

Das Verfahren von 800 bis 1000 Fuß werde am Frankfurter Flughafen unter anderem von Air Canada, British Airways, Delta, Etihad und der Lufthansa Cargo bereits geflogen, berichtet das Forum. Die Lufthansa Passage fliegt nach eigenen Angaben das Verfahren selbst unter anderem in London, Stockholm, Barcelona oder Istanbul.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%