Freytags-Frage: Muss Fracking verboten werden?

kolumneFreytags-Frage: Muss Fracking verboten werden?

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Protestplakat gegen Fracking in Niedersachsen.

Kolumne von Andreas Freytag

Neben Flüchtlingskrise und Griechenland-Rettung wird es im politischen Herbst vor allem auch um Fracking gehen. Die Diskussion ist kontrovers und bisweilen wenig sachlich. Was spricht für, und was gegen Fracking?

Ein heißer Herbst steht der Politik bevor: So wird es um Fracking, TTIP, Flüchtlinge Griechenland-Rettung und vieles mehr gehen. Schon in wenigen Tagen wird sich der Bundestag mit dem Regelungspaket Fracking, das im Kabinett am 1. April dieses Jahres verabschiedet wurde, befassen. Geplant ist, das Hydraulic Fracturing (kurz: Fracking) in Gesteinsregionen oberhalb von 3000 Meter Tiefe grundsätzlich zu verbieten. Die Erfahrungen wären nicht ausreichend, um alle Gefahrenpotentiale abzuschätzen. Zum Zwecke der Erfahrungsgenerierung werden aber wissenschaftliche begleitete Erprobungsmaßnahmen geplant. Auf Basis dieser Erprobungen soll eine unabhängige Kommission die Unbedenklichkeit prüfen. Dieses wird Gegenstand der Debatte sein.

Im Vorfeld verläuft die Diskussion darüber sehr kontrovers. Beide Seiten – Kritiker wie Befürworter – lassen es dabei an Schärfe nicht fehlen und argumentieren bisweilen wenig sachlich.

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So verweisen Umweltschutzgruppen immer wieder auf die Gefährdungen gerade des Trinkwassers und fordern konsequent ein Verbot des Fracking. Sie lehnen das Paket ab und bedienen sich dabei augeklügelter Internet-Kampagne, die nach Auffassung und Erkenntnis vieler Naturwissenschaftler gezielte Fehlinformationen verbreiten (dieses Phänomen ist leider bei vielen dieser Kampagnen zu beobachten), denn nach einschlägigen und aktuellen Studien ist das Risiko einer Grundwasserverschmutzung und anderer Umweltschäden vernachlässigbar. Dessen ungeachtet wird mit großem Widerhall das Gegenteil behauptet.

Was hinter „Fracking“ steckt

  • „Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

    Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

  • Künstliche Fließwege

    Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

  • Gefahr für das Grundwasser

    Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

  • Beherrschbarkeit des Verfahrens

    Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

  • Lagerstätten in Deutschland

    In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

  • ... und in der Welt

    Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Die Befürworter verweisen auf die Energiesicherheit und die Notwendigkeit, den Übergang zur endgültigen Energiewende zu sichern. Auch sie argumentieren gelegentlich polemisch, indem sie etwa ein Steinzeitalter heraufbeschwören, falls Fracking als Methode zur Gasgewinnung nicht genutzt würde.

Insgesamt ist die Diskussion zu aufgeheizt, was beiden Positionen nicht gerecht wird, denn beide sind – zumindest in Teilen – nachvollziehbar und müssen vorsichtig gewichtet werden. Also gibt es gute Gründe für Sachlichkeit und wissenschaftliches Vorgehen. Hier findet der Versuch statt, ein wenig dazu beizutragen. Gegen die Fracking-Technologie sprechen vor allem folgende Behauptungen, entnommen einem offenen Brief verschiedener Umweltschutz-Organisationen:

  • Es drohe die Gefahr der Grundwasserverunreinigung, wenn Chemikalien mit der Frac-Flüssigkeit in die Tiefe eingeleitet werden.
  • Es drohe Schadstoffbelastung von Luft und Boden.
  • Letztlich führe dies zur weiteren Klimaschädigung durch CO2 und austretendes Methan.

Unkonventionelle Gasvorkommen

  • Schiefergas

    Schiefergas lagert in dichten Tonsteinschichten, in denen es sich auch gebildet hat. In Norddeutschland liegen diese in Tiefen von etwa 1000-25000 Metern. Schiefergas wird in Deutschland bisher nicht gefördert. Um es zu fördern, bedarf es der Hydraulic Fracturing Methode - also Fracking.

  • Kohleflözgas

    Kohleflözgas bezeichnet Erdgas, das in den Kohleschichten entstanden und enthalten ist. Diese Vorkommen befinden sich hierzulande in den Tiefen ab etwa 1000 Metern. Aus internationaler Erfahrung lässt sich eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ableiten, bei der Gewinnung von Kohlflözgas auf Fracking verzichten zu können.

  • Tight Gas

    Tight Gas befindet sich in besonders dichten Sand- oder Kalksteinschichten in Tiefen unterhalb von 3500 Metern. Die Gesteinsschichten zeichnen sich durch eine extrem verringerte Durchlässigkeit aus. Anders als bei Schiefer- oder Kohlflözgas befindet sich das Erdgas hier in Speichergesteinen, und nicht dort, wo das Gas entstanden ist. Tight Gas wird in Niedersachsen seit den 1990er Jahren gefördert, besitzt mit rund drei Prozent aber nur einen geringen Anteil am Gesamtfördervolumen. Tight Gas lässt sich nur durch Fracking fördern. Aufgrund der vielen Erfahrungen der Fachleute, wird Tight Gas heute kaum noch als "unkonventionell" bezeichnet.

  • Diese Probleme bedingten dann Erkrankungen wie unter anderem Krebs.
  • Man fürchtet zudem die Auslösung von Erdbeben mit Schädigung von Gebäuden und Beeinträchtigung der Bohrlochintegrität sowie eine Flächenzerstörung durch Industrialisierung der Landschaft.
  • Hinzu kommen Bedenken darüber, dass Experten einen zu hohen Einfluss auf den Entscheidungsprozess hätten.

Allerdings sind diesen Vorbehalten einige Argumente entgegenzuhalten. Gerade die Landschaftszerstörung ist auch eine Begleiterscheinung des Zuwachses an Windrädern; man reise nur nach Dithmarschen! Diese optische Verschandelung wird aber selten kritisiert.

Auch die Rolle der Experten in der politischen Entscheidungsphase sollte nicht überschätzt werden. Es entscheidet immer noch das Parlament. Eine neue Studie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) sowie zahlreiche Wissenschaftler, darunter der Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Professor Kümpel, zeigen überdies auf, dass die Befürchtungen hinsichtlich potentieller Umweltprobleme nicht berechtigt sind. Grundwassergefährdung ist demnach nahezu ausgeschlossen. Klimaschädigende Abgase sind eine Begleiterscheinung aller fossilen Brennstoffe und haben in der spezifischen Fracking-Diskussion nichts zu suchen. Es findet bereits Fracking statt, jedoch in tieferen Gesteinsschichten. Erdbeben als Folge sind nicht überliefert.

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