Fukushima: Japans Energiewende wird zum Chaos

Fukushima: Japans Energiewende wird zum Chaos

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Tepco-Arbeiter in der Ruine von Fukushima

von Martin Fritz

Während Japans Regierung und der AKW-Betreiber Tepco sich um das Hochfahren der abgeschalteten Atommeiler bemühen, droht eine Renaissance der klimaschädlichen Kohle. Wie sich Japan in der Energiewende verheddert.

Das größte Erdwärmekraftwerk der Welt könnte ein Symbol sein für eine neue saubere Energieversorgung in Japan. Die 330-Megawatt-Anlage gehört zur Hälfte dem Handelshaus Itochu und dem Stromversorger Kyushu Electric, die Turbinen stammen von Toshiba.

Doch die Anlage, die ein Drittel der Leistung eines durchschnittlichen Atomkraftwerks hat, entsteht nicht in der Heimat der drei japanischen Unternehmen, sondern in Indonesien. Zwar könnte der heiße Dampf aus Nippons vulkanischem Untergrund bis zu 20 große Atommeiler ersetzen. Der US-Nuklearexperte Chuck Casto hält Geothermie neben Wind sogar für die beste Energiequelle auf dem Beben- und Tsunami-gefährdeten Archipel.

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Aber bisher ist nur ein einziges großes Geothermie-Projekt geplant. Dazu investiert der japanische Stromriese J-Powert im Norden – in Akita – gerade 200 Millionen Euro in eine Erdwärmeanlage mit der lächerlichen Leistung von 42 Megawatt. Der Winzling soll umweltfreundlichen Strom liefern – ab 2019.

Die Vernachlässigung einer der wichtigsten Ressourcen passt zu dem bizarren Bild vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima: Während die Regierung und der AKW-Riese Tepco sich vergeblich um die Wiederinbetriebnahme der 48 abgeschalteten Atommeiler bemühen, verheddert sich die Politik beim Ökostrom. Es droht eine Renaissance der klimaschädlichen Kohle.

Besonders krass ist die Fehlentwicklung beim Solarstrom. Die Blase platzt, „die Party ist vorbei“, meint Steffen Studeny, der frühere Japan-Chef des inzwischen geretteten deutschen Solarzellenproduzenten Q-Cells. Zunächst hatte ein extrem hoher Einspeisetarif einen gewaltigen Boom ausgelöst. Innerhalb von zwei Jahren wurde mit über 60 Gigawatt beinahe doppelt so viel Solarkapazität genehmigt wie in Deutschland in zehn Jahren.

Auf der sonnigen Hauptinsel Kyushu würden die beantragten Anlagen mehr Strom produzieren, als dort an schwachen Tagen verbraucht wird. Im Oktober zogen deshalb fünf Versorger die Notbremse und verweigerten weitere Genehmigungen für Sonnenstromfabriken. Inzwischen dürfen sie in Spitzenzeiten bis zu 30 Prozent des eingespeisten Solarstroms ablehnen, ohne die Produzenten zu entschädigen – ohne nachzuweisen, ob ihr Netz tatsächlich überlastet ist. Zudem soll der Einspeisetarif für Solarstrom bis Juli gegenüber 2012 um 36 Prozent sinken. „Dadurch wird sich der Ausbau der Erneuerbaren verlangsamen“, schätzt Marcus Schürmann, Vize-Chef der deutschen Außenhandelskammer in Tokio.

Gleichzeitig erweist sich das Regierungsziel, der Atomenergie 15 bis 25 Prozent am künftigen Strommix einzuräumen, als Wunschdenken. Erst 4 der 48 Meiler erfüllen die verschärften Sicherheitsauflagen, politische Widerstände und erste Gerichtsklagen verzögern die Neustarts. Dadurch verlieren die AKW-Betreiber Milliarden, bei dreien musste der Staat einsteigen.

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Fukushima-Betreiber Tepco erhielt 70 Milliarden Euro für Aufräumarbeiten und Entschädigungen. Um den Vorschuss zurückzuzahlen, muss Tepco wieder Atomstrom produzieren. Jeder Monat Stillstand der sieben Meiler im weltgrößten AKW Kariwa-Kashiwazaki kostet fast eine halbe Milliarde Euro. Zwei der sieben Reaktoren dürfte die Atomaufsicht demnächst für sicher erklären. Doch Gouverneur Hirohiko Izumida will den Neustart blockieren: „Hat eine Organisation, die zwei Monate lang Kernschmelzen verschweigt, das Recht, Atomkraftwerke zu betreiben?“

Also setzen Japans Versorger auf neue Kohlekraftwerke mit reduziertem CO2-Ausstoß. Sie sollen die Ölkraftwerke in der Bucht von Tokio ersetzen. Auch hier mit von der Partie: Tepco.

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