Graswurzeltechnik: Wie Crowdfunding eine grüne Technik-Bewegung in Gang bringt

Graswurzeltechnik: Wie Crowdfunding eine grüne Technik-Bewegung in Gang bringt

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Für solch außergewöhnliche, grüne Technikprojekte, wie etwa eine genveränderte Pflanze, die leuchtet, wie eine Nachttischlampe war es früher fast unmöglich, an Geld zu kommen. Dank Crowdfunding-Plattformen und privaten Finanziers stehen wir inzwischen vor einer grünen Technikrevolution - ganz ohne Beteiligung großer Unternehmen oder der Politik.

von Sebastian Matthes

Wir stehen vor einer grünen Technikrevolution - ohne Beteiligung großer Unternehmen und der Politik. Wie das funktioniert.

Eine Pflanze, die leuchtet, wie eine Nachttischlampe; eine schwerkraftbetriebene Leuchte für Entwicklungsländer oder ein Gerät, das die Meere von Plastikmüll befreit: Für solch außergewöhnliche, grüne Technikprojekte war es früher fast unmöglich, an Geld zu kommen. Finanzinvestoren sind die grünen Visionen oft zu heikel. Sie tendieren eher dazu auf Konzepte zu setzen, die anderswo schon einmal funktioniert haben. An Banken war sowieso nicht zu denken. Zu groß ist den Finanziers das Risiko, dass neue Technologie-Ideen am Ende doch nicht funktionieren - oder keinen Markt finden.

Wenn überhaupt Geld fließen sollte, mussten grüne Erfinder auf staatliche Mittel hoffen, um ihre Visionen umsetzen zu können.

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Nun aber gibt es plötzlich doch private Finanziers für die grüne Technik-Visionen. Befeuert von neuen Internet-Portalen, entsteht eine technologisch getriebene ökologische Graswurzelbewegung: Erfinder und Forscher stellen ihre Ideen im Internet vor und sammeln Geld dafür auf sogenannten Crowdfunding-Plattformen. Kickstarter und  Indiegogo sind die beiden wohl bekanntesten Vertreter dieser recht neuen Kategorie.

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Im Grunde sind es Websites, auf denen Erfinder und Gründer ihre Ideen einem weltweiten Publikum vorstellen können. Wer die Idee mag, kann sie entweder mit einem kleinen Geldbetrag unterstützen oder mit einer etwas höheren Summe gleich ein Exemplar des neuen Produkts bestellen. Wie auch immer:  Ein Profil ist auf diesen Crowdfunding-Plattformen so schnell eingerichtet wie ein Account bei Facebook.

Das spricht sich herum. Und so erscheinen mittlerweile fast im Wochentakt neue, faszinierende Ideen, die mitunter weltweit für Aufmerksamkeit sorgen: Viel diskutiert wurde kürzlich etwa über die Idee des 18-jährigen Boyan Slat. Der niederländische Student hat ein Gerät entwickelt, das wie ein Staubsauger Plastikmüll aus Ozeanen fischen soll. 90.000 Dollar sammelte er nach kurzer Zeit für seine Idee bei Indiegogo ein. Genug, um das Projekt voranzutreiben.

Crowdfunding ist sogar eine Alternative, wenn herkömmliche Investoren in Schwierigkeiten geraten. Das Startup Changers etwa finanziert seine solarbetriebenen Ladegeräte via Crowdfunding, nachdem der Hauptinvestor, ein Solartechnikunternehmen, selbst in Geldnot geriet. Das Berliner Unternehmen entschied sich für die Plattform Seedmatch und sammelte dort bereits rund 90.000 Euro ein.

WiWo Green 2/2013

Bemerkenswert ist an dieser ganzen Bewegung, dass dadurch auch völlig abgedrehte Ideen eine Chance bekommen: Amerikanische Forscher wollen beispielsweise die Gene einer Pflanze so verändern, dass das Gewächs im Dunkeln leuchtet. Das neue genveränderte Gewächs soll mindestens Nachttischlampen, eines Tages aber vielleicht gar Straßenlaternen ersetzen.

Fast 400.000 Dollar sind bei Kickstarter für das leuchtende Gewächs schon zusammengekommen - und jeden Tag steigt die Summe. Wer an das Projekt glaubt, kann für 40 Dollar ein paar Samen des neuen Gewächses ordern, für 120 Dollar gibt es eine Pflanze und wer 10.000 Dollar zahlt, dessen Name wollen die Wissenschaftler in das Genom der Pflanze schreiben. Lieferung allerdings nur, wenn alles klappt. Geplant ist das Jahr 2014.

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