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„Great Barrier Reef“: Kohleboom bedroht australisches Naturwunder

von Urs Wälterlin Quelle: Handelsblatt Online

Klimawandel und eskalierende Industrialisierung: Das Große Barrier-Riff in Australien ist akut vom Untergang bedroht. Ökonomische Rohstoff-Interessen und Umweltschutz prallen direkt aufeinander - ein ungleicher Kampf.

Das Große Barrier-Riff ist akut in Gefahr. Quelle: Reuters
Das Große Barrier-Riff ist akut in Gefahr. Quelle: Reuters

CanberraDer Kulturarm der Vereinten Nationen, Unesco, warnt in einem Bericht, der weitere Ausbau der Industrie und geplante Häfen an der ostaustralischen Küste würden schwerwiegende Konsequenzen für Umwelt und Natur am Barrier Riff haben. Die Organisation droht, das UNO-Weltnaturerbe als „gefährdet“ einzustufen. Die australische Regierung müsse ihre Strategie zur industriellen Entwicklung der ostaustralischen Küste neu formulieren. Die Warnung kommt nach dem jüngsten Besuch einer Unesco-Delegation in Australien.

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Mit 2.300 Kilometern Länge und einer Fläche von rund 345.000 Quadratkilometern ist das Barrier-Riff das größte Korallenriff der Welt und eine der bedeutendsten Touristenattraktionen Australiens. Es wird gelegentlich als größtes lebendes Gebilde der Welt bezeichnet.

Das ist laut Experten nicht korrekt: das Große Barrier-Riff ist vielmehr eine Ansammlung von Millionen einzelner Riffe, die sich wiederum aus Milliarden von Korallenpolypen zusammensetzen. Bereits 1981 war es in das Register der Weltnaturgüter der Vereinten Nationen aufgenommen worden. Doch die Folgen des Klimawandels – allen voran Temperaturerhöhung und Übersäuerung des Wassers – machen dem Barrier-Riff stark zu schaffen. Vielerorts stellen Forscher die großflächige Ausbleichung von Korallen fest.

Wo sich noch vor wenigen Jahren Taucher an einer farbigen Unterwasserwelt erfreuen konnten, finden sie heute grauweißen Korallenschutt. Einigen Experten zufolge wird das Barrier-Riff schon im Jahr 2050 mehrheitlich abgestorben sein, wenn nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Der Rohstoffboom, den Australien dank des rapiden Wachstums in vielen Ländern Asiens seit Jahren genießt, ist zumindest indirekt ein weiterer Grund für die negative Entwicklung. Im Hinterland von Queensland befinden sich einige der größten Kohlefelder der Welt.


Australien hat einen Ruf als Spitzenexporteur zu verlieren

Australien ist der größte Kohleexporteur der Welt. Hunderte von Millionen Tonnen des in Asien begehrten Brennstoffs werden abgebaut und über Häfen an der Küste verschifft. Außerdem baut Queensland seit ein paar Jahren eine Erdgasindustrie auf, die laut Analysten dereinst gemessen an der Produktion die des Golfstaates Katar übertrumpfen werde. Um die eskalierenden Mengen an fossilen Ressourcen verschiffen zu können, sind an der Küste mehrere neue Verladehäfen im Bau oder geplant.

Umweltorganisationen klagen, dass durch das Ausbaggern des Meeresbodens etwa im Hafen der Stadt Gladstone wichtige Brutplätze für Fische verloren gehen und Meeressäuger wie Seekühe und Delphine ihre Lebensgrundlage verlieren. Außerdem würden Schwermetalle aufgewühlt, die laut Kritikern bereits zu einem Fischsterben geführt hätten. Mit der wachsenden Zahl von Kohlefrachtern, die durch das Riff fahren, steigt zudem die Gefahr einer Ölpest im Naturschutzgebiet. In den letzten Jahren ist das Barrier-Riff schon mehrfach knapp einer solchen Katastrophe entgangen, nachdem Transportschiffe auf hoch liegenden Korallenriffen aufgelaufen waren.

Der australische Umweltminister Tony Burke nahm den Bericht der Unesco zur Kenntnis. Viele der darin identifizierten Gefahren gälten auch für andere Korallenriffe, meinte er. Der neu gewählte Regierungschef von Queensland, Campbell Newman, lehnte es am Wochenende kategorisch ab, den Bau von Kohle- und Gasanlagen an der Küste zu stoppen. Der Bundesstaat lebt zu einem wesentlichen Teil vom Export von Rohstoffen. „Wir sind im Kohlegeschäft“, so der Premier. Das müsse man wissen, wenn man „Spitäler, Schulen und Polizisten will“.

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