Greenpeace-Studie: Streit um billiges Palmöl im Biosprit

ThemaUmweltschutz

Greenpeace-Studie: Streit um billiges Palmöl im Biosprit

, aktualisiert 04. Juli 2013, 16:19 Uhr
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So sieht eine aufgeschnittene Palmölfrucht aus. Aus dem Fruchtfleisch wird Öl gepresst, aus dem Kern separat das noch wertvollere Palmkernöl.

Laut einer Studie von Greenpeace steckt immer mehr Palmöl im Bio-Diesel, wegen dem wertvoller Regenwald abgeholzt wird. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie spricht von mutwilliger Desinformation.

Die Debatte um Sinn und Unsinn des Biosprits schwelt schon seit Jahren. Auch Studien der EU-Kommission haben gezeigt, dass mancher Biotreibstoff sogar schlechter für die Umwelt ist, als fossiles Benzin. Am 10. Juli soll der Umweltausschuss abstimmen, ob der Biospritanteil auf fünf Prozent begrenzt wird. Derzeit liegt er bei sieben Prozent. "Die EU-Parlamentarier haben die Chance, ihre verzapfte Biospritpolitik zu korrigieren", sagte Greenpeace-Expertin Gesche Jürgens. "Biosprit löst keine Umweltprobleme, sondern schafft neue. Die EU muss den Einsatz von Biosprit deutlich begrenzen."

Eine Erhebung der Naturschutz-Organisation Greenpeace zeigt nämlich, dass der Anteil von Palmöl im Biodiesel im Vergleich zum Jahr 2011 verdreifacht hat. Der Anteil an Rapsöl ist hingegen stark gesunken. Laut Greenpeace liegt das daran, dass der Rapsanbau in Deutschland nicht mehr ausreicht, um genügend Pflanzenöl für die vorgeschriebene Beimengung in Kraftstoffe bereit zu stellen. Stattdessen lande "immer mehr Palmöl aus Regenwaldzerstörung im Tank", sagt Jürgens, Waldexpertin bei Greenpeace.

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Palmöl ist im Winter nicht einsatzfähig

Dem widerspricht Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie: "Die Biodiesel-Beprobung wird dem Verbraucher von Greenpeace auch in diesem Jahr nicht korrekt erklärt", sagt er. Der Einsatz von Palmöl sei, anders als von Greenpeace unterstellt, nicht auf einen Mangel an Rapsöl zurückzuführen, sondern auf einen Preiswettbewerb beim Rohstoff. Im Übrigen laute die korrekte Botschaft, dass auch 2013 der Hauptrohstoff für Biodiesel in Deutschland Rapsöl ist – und eben nicht Palmöl. Das liege auch daran, dass Palmöl keine ausreichende Kältestabilität habe und im Winter gar nicht verwendet werden könne. Hätte die Untersuchung durch Greenpeace demnach im Winter stattgefunden, hätte man gar kein Palmöl im Kraftstoff gefunden. "Bei der durch Fakten unbeeinflussten Haltung von Greenpeace darf mit Fug und Recht von mutwilliger Desinformation ausgegangen werden", so der VDB-Geschäftsführer.

Richtig ist, dass in Indonesien für den Anbau von Ölpalmen die Regenwälder weichen müssen. Die illegale Brandrodung hat 2013 ein gefährliches Ausmaß angenommen, berichten die Naturschützer. Darunter leidet auch die Bevölkerung: Die Luftqualität in Sumatra, Singapur und Teilen Malaysias sei aufgrund der Waldbrände so schlecht wie noch nie. Untersuchungen hätten gezeigt, dass hunderte der Brände in Gebieten lägen, die für Ölpalmplantagen lizenziert sind. Allerdings gelangt das auf diesen illegal gerodeten Flächen gewonnene Palmöl nicht nach Deutschland. Alle Biokraftstoffe, die in Deutschland eingesetzt werden, müssen strenge gesetzliche Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, zu denen der Schutz wertvoller Flächen wie Regenwäldern gehört. Das Palmöl, das an deutschen Tankstellen landet, muss von speziellen Plantagen kommen, die nicht auf Regenwaldgebiet oder ähnlichen Flächen stehen. Hersteller und Händler werden regelmäßig vom TÜV sowie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kontrolliert, ob sie diese Richtlinien auch einhalten. Dementsprechend aufgebracht ist der VDB, wenn ihm vorgeworfen wird, indirekt am Regenwaldsterben beteiligt zu sein. "Für Palmölbiodiesel darf kein Urwald gerodet werden – anders als für Speiseöl, Kosmetik und Chemie", betont Baumann.

Recyceltes und frisches Öl lassen sich nicht unterscheiden

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Die gravierendste Fehlinformation unterlaufe Greenpeace laut VDB aber bei der Interpretation der Laborergebnisse. Für die Untersuchung nahm Greenpeace im Juni 15 Proben von Dieselkraftstoffen in den drei Städten Berlin, Hamburg und München an Tankstellen von Aral, Shell, Esso, Total und Jet und ließ sie in einem unabhängigen Labor untersuchen. Zum einen bemängelt der Verband, dass die Stichprobe bei gut 14.000 Tankstellen in Deutschland viel zu klein und demnach nicht repräsentativ sei. Hinzu komme, dass Greenpeace übersehe, dass auch altes Speisefett im Labor als 'Palmöl' erfasst werden kann. Man könne also nicht einwandfrei unterscheiden, ob in der jeweiligen Probe nun recyceltes Fett von der Pommesbude oder frisches Palmöl enthalten ist. Dadurch, dass das in der Studie nicht erwähnt werde, bringe "Greenpeace die politisch erwünschte Nutzung von Abfall völlig irrig mit der Regenwaldrodung in Verbindung", empört sich der VDB-Chef. "Wer diese Fehlinformationen dem mündigen Verbraucher als politische Botschaft contra Biokraftstoffe zumutet, muss sich gefallen lassen, als Heuchler bezeichnet zu werden."


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1 Kommentar zu Greenpeace-Studie: Streit um billiges Palmöl im Biosprit

  • Religionen gehen nunmal über Leichen und scheren sich erst recht wenig um die Umwelt. Gem. der Oekoreligion sind nunmal nur Energieerzeugungsverfahren religiös korrekt die es bereits in der vorindustriellen Zeit gegeben hat.

    Moderne Energieerzeugungsverfahren führen gem. dieser Religion nunmal durch das Waldsterben, CO2 Klimahölle, oder dämonische Atomstrahlen in den Tod.

    So verbrennt man in Deutschland subventioniert Lebensmittel wie Palmöl zu Oekostrom oder als Beimischung im Diesel.

    Vandale

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