H5N8: Gefährliche Vogelgrippe trifft Hochburg der deutschen Geflügelzucht

H5N8: Gefährliche Vogelgrippe trifft Hochburg der deutschen Geflügelzucht

, aktualisiert 16. Dezember 2014, 16:37 Uhr
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H5N8: Die Vogelgrippe ist zurück

Das hochansteckende Vogelgrippe-Virus H5N8 breitet sich in Europa aus. Nach Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt Niedersachsen betroffen. Auch Italien meldet einen Fall. Die Geflügelwirtschaft bangt.

Nach dem Ausbruch der hochansteckenden Vogelgrippe in einer Hochburg der deutschen Geflügelzucht im Kreis Cloppenburg in Niedersachsen müssen rund 130.000 Tiere getötet werden. Die Branche hofft aber, mit strikten Sicherheitsvorkehrungen die Schäden und Einschränkungen für das Weihnachtsgeschäft in Grenzen zu halten, wie der Vorsitzende der Geflügelwirtschaft Niedersachsen, Friedrich-Otto Ripke, am Dienstag sagte. Das Friedrich-Loeffler-Institut hatte zuvor den hochansteckenden Vogelgrippe-Subtyp nachgewiesen, der im November auch in Mecklenburg-Vorpommern und den Niederlanden festgestellt worden war.

H5N8-Virus breitet sich auch in Italien aus

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt rief zu verschärften Vorsichtsmaßnahmen auf. Der CSU-Politiker teilte zugleich mit, dass die Virus-Variante in Italien ebenfalls festgestellt wurde. „Wir haben auch aus Italien eine Nachricht bekommen, dass in der Po-Ebene das gleiche Virus festgestellt worden ist ... Wir hoffen, dass es sich um einen Einzelfall handelt.“ Zu den möglichen Ursachen sagte der Minister, man habe man noch keine abschließenden Befunde. „Es ist aber davon auszugehen, dass Wildvögel nach wie vor eine große Rolle spielen. Das würde auch Italien erklären, denn das ist der Zugvögel-Zugweg nach Afrika.“

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Fakten zur Vogelgrippe H5N8

  • Welche Arten der Grippe gibt es?

    Es gibt drei Typen von Grippeviren: A, B und C. Die gewöhnlich beim Menschen auftretende Grippe wird von Viren der Typen A und B verursacht, die weltweit vorkommende Vogelgrippe von Erregern des Typs A.

  • Was ist das Besondere an H5N8?

    Die Viren enthalten auf ihrer Oberfläche Eiweiße, die mit der Abkürzung H (Hämagglutinin) und N (Neuraminidase) bezeichnet werden. Es gibt 16 H-Subtypen und 9 N-Subtypen. Je nach der Kombination dieser Stoffe in der Hülle des Virus entstehen Namen wie H5N8.

  • Woher kommt der Virus?

    An H5N8 starben bereits viele Tiere in Südkorea. Erst vor wenigen Wochen tauchte der gefährliche Vogelgrippe-Erreger erstmals in Europa auf. Nun wurde er auf Höfen in Niedersachsen nachgewiesen.

  • Welche Tiere sind Überträger des Virus?

    Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Bei Hühnern, Puten und Gänsen mutierten die Viren der Subtypen H5 und H7 dagegen zu hochansteckenden Formen.

  • Ist die Vogelgrippe auf Menschen übertragbar?

    Bislang ist nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts kein Fall bekannt, bei dem H5N8 auf den Menschen übertragen wurde. Dennoch könne eine Empfänglichkeit des Menschen nicht völlig ausgeschlossen werden.

Schmidt mahnte: „Ich appelliere aber an alle in der Region (...): Bitte keine Besuche auf solchen Höfen und keine Kontakte, die nicht notwendig sind.“ Wie Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte, werden neben 19.000 Puten auf dem betroffenen Geflügelhof in der Gemeinde Barßel vorsorglich weitere 12.000 Tiere auf einem Hof in Garrel getötet, der mit dem Barßeler Betrieb in Kontakt stand. Hier waren allerdings keine Vogelgrippefälle nachgewiesen worden. Die Tierseuchenkasse zahle den Betroffenen eine Entschädigung.

Zahlreiche Betriebe betroffen

Nach Angaben von Ripke müssen in einem 1000-Meter-Radius um den betroffenen Hof außerdem 100.000 Hühner getötet werden. In einem Drei-Kilometer-Sperrbezirk werden 230.000 Tiere gehalten, die vorerst nicht abtransportiert werden dürfen. Außerdem wurde eine 10-Kilometer Beobachtungszone eingerichtet. „Ich mache mir natürlich schon Sorgen, weil der Landkreis Cloppenburg eine Hochburg der Geflügelwirtschaft ist“, sagte Meyer.

Alleine im Kreis Cloppenburg werden knapp 13,5 Millionen Puten und Hühner gehalten. Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Produzent in Deutschland. Zuletzt waren nach einem Ausbruch einer milden Variante der Vogelgrippe in Niedersachsen 2008 rund 300.000 Tiere getötet worden. Schwerpunkt war auch damals der Landkreis Cloppenburg.

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Der Ausbruch der Vogelgrippe in Niedersachsen trifft mit dem Unternehmen Heidemark einen der größten deutschen Anbieter von Geflügelprodukten. Die Lieferfähigkeit sei durch die Sperrung des betroffenen Putenzuchtbetriebs nicht beeinträchtigt, sagte ein Unternehmenssprecher. Mit über 500 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen und ganz Deutschland verfüge Heidemark über ein großes Lieferantennetz.

„Wir müssen schneller handeln als das Virus“, sagte Ripke. Alle Geflügelhalter seien nun aufgefordert, ihre Ställe hermetisch abzuriegeln, um selbst eine Übertragung etwa durch Mäuse auszuschließen. Auch private Geflügelhalter müssten jeden Fall von erkrankten Tieren den Behörden konsequent melden.

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