Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut: Sinkenden CO2-Ausstoß in Deutschland nicht überbewerten

Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut: Sinkenden CO2-Ausstoß in Deutschland nicht überbewerten

Die CO2-Emissionen in Deutschland sind im vergangenen Jahr gesunken. Für Experten ist das kein Grund zum Jubel. Europaweit gleicht sich das aus, global gesehen fällt es nicht ins Gewicht.

Der sinkende Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 in Deutschland wird nach Ansicht des Hamburger Wirtschaftsforschers Christian Growitsch überbewertet. „Wir sollten da mit einigen Mythen aufräumen“, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. „Es ist unseriös, dies als einen großen umweltpolitischen Erfolg zu werten.“ Der Rückgang sei zum Teil durch den milden Winter zu erklären, zum Teil durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung. Doch werde durch den Mechanismus des europäischen Zertifikate-Systems letztlich jede Tonne CO2, die in Deutschland eingespart werde, in einem anderen EU-Land in die Luft ausgestoßen.

Bis 2030 EU verschärft CO2-Grenzwerte für Autos

Das Klimaschutzziel der Bundesregierung hat stärkere Auswirkungen auf die Autoindustrie, als bislang bekannt. Nach neuen Berechnungen müssen die Autobauer den CO2-Ausstoß noch viel stärker senken.

Die Emissionen von Pkw müssen bis 2030 auf durchschnittlich 75 Gramm CO2 pro Kilometer zurückgehen Quelle: dpa

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte vor einem Monat unter Hinweis auf vorläufige Berechnungen erklärt, der Ausstoß von CO2 sei im vergangenen Jahr in Deutschland um rund drei Prozent zurückgegangen. In den beiden Jahren zuvor war er gestiegen. „Im globalen Maßstab spielt das keine Rolle“, sagte Growitsch. Mit 951 Millionen Tonnen (2013) entfallen auf Deutschland etwas mehr als zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Ein Rückgang um drei Prozent wären rund 29 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: China produziert mit zehn Milliarden Tonnen CO2 mehr als die USA und die EU zusammen und steigerte seinen Ausstoß 2013 um rund 100 Millionen Tonnen.

Anzeige

Der Klimawandel in Zahlen

  • 70.000km²

    Um 70.000 km² – das entspricht etwa der Größe Bayerns – ist der Eispanzer der Arktis in diesem Sommer gegenüber 2007 geschrumpft. 2050 könnte das nördliche Polarmeer im Sommer eisfrei sein.

  • Fast verfünffacht

    Fast verfünffacht hat sich die Zahl der Wetterkatastrophen in Nordamerika seit 1980. In Asien legte sie um das Vierfache, in Europa um das Zweifache zu.

  • Ein Drittel

    Rund ein Drittelsaurer sind die Meere geworden. Folge: Korallen, Muscheln und Fische wachsen langsamer. Bis 2100 könnte die Versäuerung um 150 Prozent steigen.

  • 0,4°C

    0,4°C ist die Erde seit 1980 wärmer geworden. Bis 2100 könnte sich das Klima um rund vier Grad aufheizen.

  • 5cm

    Um 5 cm sind die Meeresspiegel seit 1990 im Mittel gestiegen. Bei einer globalen Erwärmung um zwei Grad werden die Pegel wahrscheinlich um 2,7 m höher sein.

  • 15 Prozent

    Um 15 Prozent sinkt die Reisproduktion bis 2050 in den Entwicklungsländern als Folge der globalen Erwärmung. Bei Weizen werden 13 Prozent weniger geerntet werden.

Growitsch erwartet, dass wegen der gesunkenen Ölpreise sowie einer möglichen konjunkturellen Erholung in den südlichen Ländern der EU die CO2-Emissionen in Europa in diesem Jahr nicht nennenswert sinken. „Weil Benzin und Diesel günstig sind, entfallen Sparanreize im Transportsektor“, sagte der HWWI-Direktor. Möglich seien auch Verlagerungen von der Bahn auf den Lkw sowie ein steigender Energieverbrauch der privaten Haushalte. Wenn die Konjunktur in Europa wieder in Fahrt komme, steige auch der Preis für CO2-Zertifikate. Growitsch unterstützt ein weltweites Zertifikate-System von Verschmutzungsrechten sowie die Technologie der CO2-Speicherung, damit weniger klimaschädliches Gas in die Atmosphäre gelangt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%