Hans Rudolf Herren: "Spätes Umdenken"

ThemaUmweltschutz

InterviewHans Rudolf Herren: "Spätes Umdenken"

Bild vergrößern

Der Schweizer Agrarforscher Hans Herren im Interview mit WirtschaftsWoche: Ohne Bio-Pflanzenschutz wird die Welt nicht satt.

von Susanne Kutter

Der Agrarforscher und Träger des alternativen Nobelpreises ist überzeugt: Ohne biologischen Pflanzenschutz wird die Welt nicht satt.

Herr Herren, Sie haben in den Achtzigerjahren mit einer genialen Idee rund 20 Millionen Menschenleben gerettet: Als eine spezielle Laus-Art vier Fünftel der Ernte des afrikanischen Grundnahrungsmittels Maniok zu vernichten drohte, bekämpften Sie sie mit einem anderen Insekt, das die Läuse umbringt. Wie kamen Sie darauf?

Die Idee stammte nicht von mir alleine. Als ich in Zürich 1977 über das Thema der biologischen Schädlingsbekämpfung meine Doktorarbeit schrieb, sahen Forscher weltweit, dass die chemischen Keulen auf den Äckern immense Schäden bei Mensch, Tier und der Umwelt anrichteten – und über die Jahre an Wirksamkeit verloren. So war auch der Maniok-Schmierlaus, die in den Siebzigerjahren aus Südamerika nach Afrika eingeschleppt wurde, mit chemischen Giftstoffen nicht mehr beizukommen. Ich hatte Glück, eines der führenden Agrarforschungsinstitute Afrikas – das International Institute of Tropical Agriculture in Nigeria – stellte mich ein, um eine biologische Alternative zu entwickeln.

Anzeige

Wie sah sie genau aus?

Wir fanden in Südamerika, der Ursprungsregion von Maniok und Maniok-Schmierlaus einen natürlichen Feind des Schädlings – eben jene Schlupfwespe. Wir überprüften, ob sie anderen Insekten schadet. Dann züchteten wir die Tiere in großem Stil, setzten sie in 24 afrikanischen Ländern aus, und die Sache hat funktioniert.

Es hat zwar fast 30 Jahre gedauert, aber heute wenden nicht nur Bauern in der Dritten Welt oder Biolandwirte die biologische Schädlingsbekämpfung an – auch die Chemieindustrie setzt nun auf nützliche Insekten und Spinnentiere, um Schädlingen den Garaus zumachen. Freut Sie das?

Landwirtschaft Angriff der Krabbelkrieger

Schädlinge können ganze Ernten vernichten. Um sie zu bekämpfen, entwickelten die Agrarkonzerne bisher chemische Spritzmittel. Jetzt haben sie neue Verbündete entdeckt: Marienkäfer, Tigerfliegen und Raubwanzen.

Quelle: imago/blickwinkel

Natürlich finde ich es gut, wenn auch die Verfechter des chemischen Pflanzenschutzes endlich einsehen, wie sinnvoll und effektiv biologische Abwehrsysteme sind. Ich bin überzeugt: Die Landwirtschaft wird sich weltweit nur mit solchen preiswerten und nachhaltigen biologischen Mechanismen so stärken lassen, dass die Welternährung langfristig gesichert ist. Aber ich traue der Sache nicht. Denn die weltgrößten Chemiekonzerne kaufen gerade alles auf, was Erfolg im biologischen Pflanzenschutz hat.

Wo ist da der Haken?

Na, es wäre nicht das erste Mal, dass eine mächtige Industriesparte sich unliebsame Konkurrenten einverleibt, um deren innovative Ansätze auszubremsen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%