Hans von Storch: "Zu viele setzen nur auf steile Thesen"

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InterviewHans von Storch: "Zu viele setzen nur auf steile Thesen"

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Hans von Storch ist Professor für Meteorologie der Universität Hamburg und leitet seit dem Jahr 2001 das „Institut für Küstenforschung“ am Helmholtz-Zentrum Geesthacht.

von Dieter Dürand und Sebastian Matthes

Der Klimaforscher erhebt schwere Vorwürfe gegen den Weltklimarat IPCC. Er befürchtet, dass seine Zunft ihre Glaubwürdigkeit verliert, wenn sie weiter selbst Politik machen will.

WirtschaftsWoche: Herr von Storch, die Menschheit bläst Jahr für Jahr mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre. Dennoch steigt die globale Durchschnittstemperatur seit 15 Jahren nicht mehr an. Ist die angebliche Erderwärmung ein Spuk?

Storch: Dafür sehe ich bisher keine Anhaltspunkte.

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Kritiker sehr wohl. Können Sie das Rätsel lösen?

Es gab in der Vergangenheit schon Phasen, in denen die Erwärmung Pausen eingelegt hat, und auch die Klimamodelle beschreiben die langfristige Erwärmung so. Das hat der Weltklimarat IPCC nur nicht klar kommuniziert.

Um möglichst viel politischen Druck aufzubauen?

Das war wohl das Motiv. Es wurde der Eindruck erweckt, als müsse es stetig aufwärtsgehen mit den Temperaturen. Richtig wäre gewesen zu sagen, dass sie sich nach oben schlängeln. Dazu gehören auch Phasen der Stagnation. Die Story lässt sich nur nicht so schön erzählen.

Jüngste Studien kommen zu dem Schluss, der Einfluss des CO2-Anstiegs auf die Erwärmung werde überschätzt.

Die Wissenschaft ist vielstimmig. Daher gibt es viele Ergebnisse. Aber bevor man sie als Erklärung akzeptiert, muss man prüfen, ob sie wirklich robust sind. Dieser Prozess ist zuletzt bisweilen zu kurz gekommen.

Wie lange müsste der Stopp der Erderwärmung anhalten, damit Sie ins Grübeln kommen?

Wenn die Phase weitere zehn Jahre andauern würde, würde ich die These hinterfragen, dass die Treibhausgase wesentliche Ursache für die Erderwärmung sind. Es war ein Fehler, nicht abzuschätzen und zu sagen, wie lange die Stagnation sein kann, ohne inkonsistent zur Erklärung der klimatischen Erwärmung zu werden.

Der ehemalige Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt erklärt die Klimaveränderungen vor allem mit der schwankenden Sonnenaktivität.

Ich will nicht ausschließen, dass an seiner Hypothese etwas dran ist. Aber sie ist keineswegs so sicher, wie er dem Publikum glauben macht, sondern müsste erst einmal gründlich wissenschaftlich überprüft werden. In diesem Punkt unterscheidet er sich nicht von den Lautsprechern unter den Klimaforschern, die vor allem auf steile Thesen setzen.

Gibt es andere Argumente der Klimaskeptiker, die sie überzeugen?

Nein. Die suggerieren – genau wie einige Klimaforscher –, sie wüssten alles ganz genau, und es gäbe keine Fragen mehr. Das ist genauso falsch.

Die Öffentlichkeit ist jedenfalls verwirrt und verliert den Glauben an die Zuverlässigkeit der Wissenschaft.

Das ist eine Folge, an der die Medien nicht unschuldig sind. Sie haben lieber denjenigen Klimaforschern eine Plattform geboten, die mit klaren Parolen den Zeitgeist bedienten, als denen, die differenziert argumentieren.

Jetzt sind wieder die Medien schuld.

Ich habe gesagt, sie waren nicht unbeteiligt. Aber die Hauptschuld liegt bei den vermeintlichen Experten, die keine Zweifel mehr kannten. Überverkaufen ruiniert das Vertrauen.

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