Immer wieder Lebensmittelskandale : Warum sich nichts ändern wird

26. Februar 2013
von Kerstin Dämon und Meike Lorenzen

BSE, Ehec, Bio-Eier oder Pferdefleisch in Lasagnen – jeder Lebensmittelskandal ist anders. Gleich ist nur eines: Nach dem großen Geschrei kehrt Ruhe ein und kaum etwas scheint sich zu ändern. Ein Erklärungsansatz, warum das so ist.

Die Verunsicherung der Verbraucher ist groß: Erst taucht europaweit in zahlreichen Fertigprodukten Pferdefleisch auf, obwohl auf der Packung nur Rindfleisch ausgewiesen ist, dann entpuppen sich vermeintliche Bio-Eier als Massentierhaltungsprodukt. Politik, Medien und Verbraucherschützer klagen und entwickeln drei- bis zehn-Punkte-Pläne, mit denen solche Lebensmittelskandale künftig verhindert werden sollen. Nur: ändern wird sich wohl kaum etwas. Zu groß sind die Barrieren auf allen Ebenen.

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Es fehlt an Kontrolleuren

Rechtsverstöße, wie das falsche Etikett auf eine Packung kleben, um letztlich mehr zu verdienen, lassen sich nicht abschalten. Derzeit wird der Ruf nach mehr Kontrollen von Lebensmitteln lauter. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will, dass auch bei verarbeiteten Lebensmitteln klar auf dem Etikett steht, wo das Fleisch herkommt. Viele Verbraucher sind nun auch noch wegen des Betrugs mit Bio-Eiern verunsichert. Millionen Eier vor allem aus Niedersachsen sollen als Bio-Eier verkauft worden sein, obwohl sie nicht vorschriftsgemäß produziert wurden.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verbraucherausschusses, Hans- Michael Goldmann (FDP), forderte wegen des Eier-Skandals eine schärfere Überwachung. „Wir benötigen intensivere und fachlich bessere Lebensmittelkontrollen. Derzeit sind bundesweit 2400 Prüfer unterwegs, auf einen Kontrolleur kommen 1200 Betriebe. „Dadurch können wir nicht den spürbaren Überwachungsdruck auf die Branche ausüben, der notwendig wäre“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller.

Wenn unwichtiges kontrolliert wird

Natürlich würden mehr Kontrollen dazu führen, dass Skandale schneller entdeckt würden und nicht Jahre lang unerkannt Verbraucherbetrug betrieben wird. Da ist sich auch der als Skandalforscher bekannte Hans Mathias Kepplinger, Professor für Empirische Kommunikationsforschung an der Universität Mainz, sicher. Es sei aber natürlich auch immer alles eine Frage der Kosten. Die Kontrollen finanziere schließlich der Steuerzahler. Und man müsse darauf achten, ob der Aufwand auch im Verhältnis zum Ertrag stehe.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 27.02.2013, 05:16 UhrJoselyn

    In dem o.g. Artikel wird mal wieder versucht, die Lebensmittelskandale schön zu reden bzw. schreiben. Wenn also keine direkte Gefahr für Leib und Leben besteht, dürfen die Lebensmittelfirmen und Hersteller also auf Teufel komm raus betrügen ?

    Das mit dem Pferdefleisch sehe ich deutlich kritischer. Schließlich waren das illegal geschlachtete Tiere, die nie ein Fleischbeschauer gesehen hat. Diese könnten auch von Krankheiten infiziert sein, von den Medikamenten im Fleisch mal ganz abgesehen.

    Die vermeintlichen Bio-Eier sind da eine ganz andere Schiene. Da handelt es "nur" um Gewinnmaximierung. Darum geht es bei dem Pferdefleisch auch, aber dort sehe ich eine Gefahr für die Gesundheit, wer weiß, wie lange diese Firmen das schon machen.

    Wenn ich da an letztes Jahr denke, den Skandal bei Müller-Brot mit dem Mäusekot, Käfern und Dreck in den Backwaren. Die Firma darf auch munter weiter produzieren. Die haben lediglich seit 2009 70.000 Euro Bußgeld zahlen müssen.

    Oder die Firma Wiesenhof mit den vielen Antibiotika im Hähnchenfleisch, unhygienischen Zuständen bei der Haltung, die toten Tiere lagen zwischen den lebenden Tieren und verwesten da vor sich hin. Auch hier ist nichts wirklich passiert. Die bekamen auch lediglich ein Bußgeld.

    In beiden vorgenannten Betrieben kommt es immer wieder seit Jahren zu solchen Vorfällen und nichts passiert. Die Gesetze und Strafen in dem Bereich sind zu gering. Aber vielleicht ist das auch so gewollt. Schließlich geht es auch da um viel Geld und die Politik krault den Lobbyisten schön den Rücken, damit sie da bleiben und nicht ins Ausland gehen. Alles auf Kosten der Verbraucher.

    Frau Aigner hat meiner Ansicht nach ihre Aufgabe total verfehlt. Bei jedem Skandal hat sie einen scheinheiligen "Notfallplan", der in der Regel aus aussitzen besteht. Viel Gerede und heisse Luft, es passiert nichts und irgendwann hört man nichts mehr davon. Bis es zum nächsten Skandal kommt. Da geht alles wieder von vorne los.

  • 27.02.2013, 10:41 Uhrrolf

    Diese ganzen Kontrollen und ad hoc-Aktionen sind doch völlig sinnlos. Wenn jemand krumme Dinge machen will, dann tut er es, ganz egal wie die Gesetzeslage ist. Hier hilft nur strenge persönliche Bestrafung und ggf. Zwangsliquidation des betreffenden Unternehmens

  • 28.02.2013, 12:27 UhrMisterX

    Der Schluss des Artikels überträgt die Verantwortung auf den Verbraucher. Was soll dieser tun, wenn das Bio-Ei nicht bio ist, er Schwein kauft aber Pferd bekommt? Die Auszeichnung von Lebensmitteln könnte man sich sparen, wenn jeder drauf schreiben darf, was er will. Der Verbraucher ist aber auf diese Auszeichnung angewiesen.

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