Klimawandel: „Natürlich gibt es Unsicherheiten“

Klimawandel: „Natürlich gibt es Unsicherheiten“

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Der Physiker Johannes Orphal, 45, leitet das Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Außerdem ist er wissenschaftlicher Sprecher des Programms „Atmosphäre und Klima“ in der Helmholtz-Gemeinschaft

Der Klimawandel wirft neue Fragen auf. Für den Physiker Johannes Orphal bestehen trotzdem keine Zweifel: Der Mensch ist für die Erwärmung auf dem Planeten verantwortlich.

WirtschaftsWoche: Herr Orphal, auf einer Skala von 1 bis 100: Wie sicher sind Sie und Ihre Kollegen, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist?
Oprhal: Ohne zu zögern: 100. Der Mensch hat mit seinen Treibhausgasemissionen schon heute eine deutliche Erderwärmung ausgelöst.

Der Chemiker und ehemalige RWE-Manager Fritz Vahrenholt hat gerade ein Buch veröffentlicht, in dem er behauptet, die Sonne sei schuld an der Erderwärmung und nicht der vom Menschen. Was stimmt denn nun?
Es gibt zwar auch verschiedene natürliche Faktoren, aber die Behauptung, der Einfluss der Sonne wäre wichtiger als die Treibhausgasemissionen ist nicht wissenschaftlich begründbar. Die Variabilität der Sonne hat, soweit wir es heute wissen, einen weitaus geringeren Einfluss als der Mensch.

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Herr Vahrenholt behauptet, dass natürliche Einflüsse wie die Sonnenaktivität noch gar nicht genug erforscht sind, um sie als Hauptfaktor des Klimawandels auszuschließen.
Es ist überhaupt nicht wahr, dass in Deutschland an keiner Universität und keinem Lehrstuhl darüber geforscht werden darf, wie groß der Anteil der natürlichen Einflüsse am Klimawandel ist, wie Vahrenholt sagt. An meinem Institut, wie auch an vielen anderen, wird schon lange zu diesen Fragen gearbeitet. Wir haben vor zwei Jahren am KIT eine neue Forschergruppe sogar ausschließlich zum Thema „Sonnenvariabilität und Klima“ eingerichtet. Bisher zeigen die Ergebnisse aber, dass der Einfluss eher gering ist.

Aber wie erklären Sie, dass in den vergangenen zehn Jahren die Temperaturen global kaum gestiegen sind, wo doch die CO2-Emissionen sehr stark zunehmen?
Es ist keine Überraschung, dass es nicht immer eine einfache, lineare Temperaturzunahme gibt. Das Klimasystem der Erde ist sehr kompliziert. Es gibt viele starke Kopplungen zwischen verschiedenen atmosphärischen Prozessen. Dazu gehört die Wolkenbildung, aber auch die Strömungen in den Ozeanen und Veränderungen auf der Erdoberfläche, wie Schnee, Eisvorkommen und Vegetation.

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Wenn die Temperatur nunmehr langsam steigt, können wir dann Entwarnung geben?
Nein, weil ein Betrachtungszeitraum von zehn Jahren viel zu kurz ist, um überhaupt von „Klima“ zu sprechen. Wir betrachten in der Klimaforschung generell viel längere Zeitabschnitte, und da ist die Temperaturzunahme sehr deutlich zu sehen. Ein einzelner frostiger Winter oder sehr heißer Sommer sagen noch gar nichts über den Klimawandel aus.

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