Klimawandel: Wie Metropolen sich auf Extremwetter einstellen

ThemaUmweltschutz

Klimawandel: Wie Metropolen sich auf Extremwetter einstellen

von Benjamin Reuter

Die Erkenntnis setzt sich durch: Wir müssen uns an Wetterextreme mit Hitzewellen, Dürren und Überflutungen anpassen. Wie das geht, zeigen Pilotprojekte schon heute.

Es war einer der schlimmsten Wirbelstürme in der Geschichte New Yorks – Sandy. Vor zwei Jahren fegte der Hurrikan durch die Häuserschluchten, überflutete Straßen, zerriss Stromkabel und warf weite Teile der Stadt tagelang in vorelektrische Zeiten zurück. Als Michael Bloomberg, damals Bürgermeister der Stadt, das Ausmaß der Schäden sah, war für ihn klar: Die Stadt muss sich fit machen für den Klimawandel.

Die Erderwärmung hatte Sandy nicht ausgelöst, wohl aber die Wucht des Sturms gefährlich verstärkt – darin waren sich die Forscher schnell einig. Bloomberg folgerte: „Die Städte der Welt wachsen ständig weiter, damit wird es immer dringlicher, sich lokal an den Klimawandel anzupassen.“

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Die Aufräumarbeiten nach dem Sturm liefen noch, da präsentierte Bloomberg seinen Plan: Big Apple soll künftig neue Deiche, Fluttore und eine wassersichere Stromversorgung erhalten. Es ist eine Mammutaufgabe in einer Metropole mit knapp 850 Kilometer Küstenlinie. Die Kosten: gigantische 20 Milliarden Dollar.

Infrastruktur Marodes Amerika

Über 50 Millionen Menschen an der US-Ostküste haben sich verbarrikadiert. Sie drohen Opfer von Hurrikan "Sandy" zu werden – und einer Infrastruktur, die sich vielerorts in einem erbärmlichen Zustand befindet.

Quelle: dapd

New York ist längst nicht mehr allein. Auch London und Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam wappnen sich für raueres Wetter. Selbst in Hannover erarbeiten Stadtplaner Schutzkonzepte gegen Klimaschäden. Sie alle glauben nicht mehr, der Klimawandel ließe sich noch stoppen. Was die Bürgermeister umtreibt, gilt erst recht für viele Regierungen. Nicht nur die deutsche hat schon eine „Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ beschlossen. Auch Experten in den 48 ärmsten Staaten der Welt arbeiten an solchen Plänen.

All diese Vorhaben markieren nicht weniger als eine Kehrtwende im Umgang mit der Erderwärmung. Sie ist getrieben von einer Erkenntnis, die der Ökonom Richard Tol von der britischen Universität Sussex und frühere Experte des UN-Weltklimarates (IPCC) so formuliert: „Nicht nur den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren mindert die Folgen des Klimawandel, auch Anpassung und Wirtschaftswachstum.“

Bisher dominierte bei Umweltschützern und -politikern die Meinung, die einzige Chance im Kampf gegen den Klimawandel sei es, die Emissionen an Kohlendioxid (CO2) drastisch zu verringern. Nun aber setzt sich die Einsicht durch: Zu stoppen ist die Erderwärmung kaum noch. Also sollten sich die Menschen anpassen. Das zeigt auch der dritte Bericht des IPCC, den das Gremium vor wenigen Tagen veröffentlicht hat (siehe unten).

Klimakosten Solaranlagen oder Deiche?

Die Menschheit muss sich auf den Klimawandel einstellen. Allein der Küstenschutz kostet Milliarden.

Quelle: REUTERS

Noch eine Erkenntnis kommt hinzu, die der IPCC Ende März in seinem Report über den Umgang mit der Erderwärmung so formulierte: „Die Folgen des Klimawandels sind kein isoliertes Problem, sondern müssen zusammen mit Armut, Unterentwicklung und schlechter Politik bekämpft werden.“ Denn je schlimmer die Armut und je unfähiger die Politiker, desto krasser wirkt sich die Erderwärmung aus.

Wie erfolgreich Anpassungsstrategien sein können, zeigen heute schon Projekte auf der ganzen Welt: Stadtplaner, Gesundheitsexperten, Landwirte und Küstenschützer suchen dabei Antworten auf die dringendsten Herausforderungen des Klimawandels: mehr Hitzewellen, Wassermangel, heftigere Stürme, Starkregen und den steigenden Meeresspiegel. Woran sie arbeiten, zeigt die folgende Reise zu den Brennpunkten des Klimawandels.

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