Kohlendioxid und Co: Das Geschäft mit der Energiewende

Kohlendioxid und Co: Das Geschäft mit der Energiewende

, aktualisiert 04. Dezember 2011, 09:27 Uhr
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Ein Logo des Stromkonzerns Eon steht vor einem Schaltwerk eines Wasserkraftwerks.

von Klaus StratmannQuelle:Handelsblatt Online

Deutschland steht vor energiepolitischen Problemen: Gelöst werden sie jenseits der Grenzen, etwa in den Niederlanden. Hier entstehen Kraftwerke für den deutschen Markt.

RotterdamJacob Limbeek hat ein Problem: Ihm fehlt Kohlendioxid. Das Treibhausgas, das fast niemand haben will, ist die Basis seines Geschäfts. Der Chef des Unternehmens Ocap leitet das in einer Rotterdamer Raffinerie abgeschiedene Treibhausgas durch Pipelines an die riesigen Gewächshausanlagen, die rund um die niederländische Hafenstadt stehen. Ocap allein versorgt Gewächshäuser mit einer Grundfläche von 2500 Hektar. Die Züchter optimieren mit dem Kohlendioxid den Pflanzenwuchs: Tomaten, Gurken und Paprika gedeihen bei optimaler CO2-Versorgung einfach besser. Limbeek könnte noch mehr Kunden haben, wenn er mehr Kohlendioxid liefern könnte.

Was Ocap im Kleinen betreibt, soll in Rotterdam möglichst bald in größerem Maßstab funktionieren: Man will Geld verdienen mit Kohlendioxid. Zwei Demoprojekte für die Abscheidung und Speicherung des Klimagifts auf dem Hafengelände der Stadt sind in Arbeit, an einem der beiden ist der deutsche Eon-Konzern beteiligt.

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Was in Deutschland nicht vorankommt, an Widerständen in der Bevölkerung, langwierigen Genehmigungsprozeduren oder schleppenden Gesetzgebungsverfahren scheitert, ist im nordwestlichen Nachbarland schon Realität - und Geschäftsmodell.

Kohlendioxid aus dem Ruhrgebiet. "Ja, wir wollen und werden Kohlendioxid aus Deutschland speichern", sagt Gerrit van Tongeren von Deltalinqs, einer Gesellschaft, die die Weiterentwicklung des Hafens vorantreibt. Das Ziel des Managers ist es, Rotterdam zu einem Kohlendioxid-Drehkreuz zu entwickeln. Über Pipelines und in Tankschiffen soll das Kohlendioxid nach Rotterdam kommen und dort unterirdisch verpresst werden. Zunächst kann man auf alte Gasfelder in der Nähe von Rotterdam zurückgreifen, später lässt sich die Speicherung auf Gasfelder im gesamten niederländischen Teil der Nordsee ausdehnen. Cintra, ein niederländisches Konsortium verschiedener Unternehmen aus der Chemie- und Gasbranche, plant, Kohlendioxid via Tanker beispielsweise aus dem Ruhrgebiet nach Rotterdam zu bringen. Gespräche mit deutschen Unternehmen laufen bereits.

Die Geschäftstüchtigkeit der Niederländer endet nicht beim Thema Kohlendioxid. Längst hat sich das Nachbarland als idealer Standort für den Kraftwerksbau erwiesen.


Es braucht zusätzliche Kapazitäten

Hocheffiziente fossile Kraftwerke sollen nach den Vorstellungen der Bundesregierung auch in Deutschland entstehen. Doch hier kommt der Ausbau nicht so voran wie geplant. Zusätzliche Kapazitäten sind dringend erforderlich, weil nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Frühjahr acht der 17 deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet wurden. Außerdem sind für den wachsenden Anteil der erneuerbaren Energien Back-up-Kapazitäten erforderlich: Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, sollen blitzschnell moderne fossile Kraftwerke zugeschaltet werden.

Ein erheblicher Teil der neuen Kraftwerkskapazitäten entsteht jenseits der deutschen Grenze. Zum Beispiel in Eemshaven bei Groningen. Ein Gaskraftwerk mit 1200 Megawatt (MW) ist in Bau, ein Kohlekraftwerk mit 1600 MW ebenfalls. Der Bau eines drittes Kraftwerks, es soll 1200 MW Kapazität haben und mit Gas befeuert werden, wird voraussichtlich 2013 beginnen. Das größte Gaskraftwerk Europas mit 2400 MW ist in Eemshaven bereits seit den 90er-Jahren in Betrieb. In wenigen Jahren dürfte sich der Hafen zum größten Kraftwerksstandort Nordwesteuropas entwickelt haben. Auch in Rotterdam entstehen mehrere neue Kraftwerke. An Abnehmern für den Strom dürfte es nicht mangeln: Fachleute sind davon überzeugt, dass Deutschland zunehmend auf Stromimporte aus dem Ausland angewiesen sein wird.

Deutsche Unternehmen, die einige der Projekte in den Niederlanden maßgeblich vorantreiben, sehen im Nachbarland viele Vorteile. "Selbst die Umweltschutzverbände sind hier pragmatisch und kompromissbereit", sagte ein Manager. Und so hat der RWE-Konzern, der das 1600-MW-Kraftwerk in Eemshaven baut, derzeit zwar noch juristische Auseinandersetzungen mit Greenpeace zu führen, ist aber zuversichtlich. Probleme, wie sie etwa mit dem Vattenfall-Kraftwerk in Hamburg-Moorburg oder dem Eon-Projekt in Datteln aufgetreten sind, hält man in den Niederlanden für ausgeschlossen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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