Lebensstile: Warum es so schwer ist, die Welt zu retten

KommentarLebensstile: Warum es so schwer ist, die Welt zu retten

von Benjamin Reuter

Eigentlich wissen wir alle, dass unser Lebensstil in einer Umweltkatastrophe enden muss. Die Frage ist: Warum ändert sich so wenig?

 

Vor einigen Wochen fand auf einer Konferenz in Frankfurt eine Diskussionsrunde zum Thema Nachhaltigkeit und Konsum statt. Einer der Teilnehmer war der ehemalige Chef von Greenpeace International, Gerd Leipold. Ganz Vorkämpfer für den Umwelt- und Klimaschutz kritisierte er eindringlich, dass sich unser Wirtschaftssystem seit Jahrzehnten in die falsche Richtung entwickle – und wegen dieser Fehlentwicklung die Umwelt vor die Hunde gehe.

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„Alle Umwelt-Indikatoren zeigen in die falsche Richtung“, mahnte er. Und Leipold ist bei weitem nicht der einzige, der das konstatiert. Unzählige Studien haben in den vergangenen Jahren vorgerechnet, wie viele Arten täglich aussterben, wie viele Flüsse verschmutzen, wie viele Millionen Menschen durch Luftverunreinigung erkranken. Und ganz ohne Studien, sondern aus den Nachrichten wissen wir: Unsere Sucht nach billiger Kleidung kostet in den baufälligen Nähereien Bangladeschs tausende Arbeiterinnen das Leben.

Textilindustrie Wie deutsche Firmen produzieren lassen

Die Karawane der Einkäufer zieht von China ins billigere Bangladesch, wo Lieferanten oft nur Hungerlöhne zahlen. Doch können Modehändler billig und zugleich fair produzieren? Wir waren undercover vor Ort.

Quelle: Probal Rashid für WirtschaftsWoche

Und mehr noch: Gerade hat die CO2-Konzentration in der Atmosphäre mit einem Wert von 400 parts per million (ppm)  einen neuen Rekord erreicht; die Menschheit steuert also direkt auf eine gefährliche Erwärmung der Erde von weit mehr als zwei Grad zu.

Man kann jetzt einwenden: Auch das Ruhrgebiet war einst die Schmutzprinzessin Europas, heute ist die Luft dort rein und die Flüsse klar. Auch die Arbeitsbedingungen waren bei uns im 19. Jahrhundert mies. Lokal mag der Befund stimmen, in Bezug auf tote Näherinnen ist er aber zynisch. Und blickt man auf die Erde als Ganzes, lassen sich die Fehlentwicklungen kaum wegargumentieren - auch wenn die Klimaforscher vor kurzem der Menscheit etwas mehr Zeit im Kampf gegen den Klimawandel gegeben haben.

WiWo Green 2/2013

All das sind Tatsachen und sie sind den meisten Menschen zumindest in Deutschland auch bekannt. Die Frage stellt sich also: Warum tun wir so wenig dagegen? Die erste Antwort: Weil die allermeisten Konsumenten an alten Gewohnheiten hängen. Das jedenfalls glauben Konsumpsychologen wie Georg Felser, Konsumpsychologe an der Hochschule-Harz. Aus dem Wissen um die Skandale bei der Kleiderproduktion, resultiere nicht automatisch ein verändertes Konsumverhalten, sagt er. Denn viele Menschen wüssten gar nicht über die Alternativen Bescheid.

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