Low-Tech: Neue Entwicklungshilfe

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Sparprogramm - Mit innovativer Anbautechnik in Indien weniger Wasser verbrauchen

von Matthias Hohensee

Ob Kartoffel-Waschmaschinen oder Billig-Hybridmotoren – wie Konzerne von den Ärmsten lernen.

Ob Medizintechnik, Nahrungsmittelindustrie oder Hausgeräte: Quer durch alle Branchen werden technisch simple, aber effiziente Produktideen aus Entwicklungsländern zum Vorbild für Innovationen weltweit tätiger Unternehmen.

PepsiCo etwa will so die Reisproduktion effizienter gestalten. Das Unternehmen benötigt Reis unter anderem für seine Lebensmittelmarken Lay’s und Quaker. Ziel ist, zusammen mit indischen Bauern beim Anbau rund ein Drittel weniger Wasser zu verbrauchen. Dafür entwickelt Pepsi sogar neue Pflanzgeräte und Anbautechniken mit. Beides senkt den Wasserbedarf bei der Aufzucht der Setzlinge und spart auch das aufwendige Umsetzen der Jungpflanzen.

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Aber nicht jedes Unternehmen muss gleich die Landwirtschaft neu erfinden. Teils reicht es, den Kunden aufmerksamer zuzuschauen. Selbst wenn der Kundendienst zunächst entsetzt ist, wie es bei dem chinesischen Haushaltsgerätehersteller Haier der Fall war: Dort erfuhren die Mitarbeiter, dass Bauern in der chinesischen Provinz in ihrer Waschmaschinen nicht nur Wäsche reinigten, sondern auch Kartoffeln und Rüben.

Dieser nicht vorgesehene Sonder-Waschgang mit den Feldfrüchten setzte den Waschmaschinen arg zu, verstopfte sie mit Erde und ließ die Wasserschläuche platzen. Zhang Ruimin, Chef des Hausgeräteherstellers Haier, fand das interessant. Statt – wie die Konkurrenz – vor dem unsachgemäßen Gebrauch zu warnen, wies Ruimin seine Designer an, die Waschmaschinen nicht nur robuster zu bauen, sondern auch für das Reinigen von Gemüse umzurüsten. Die Mehrzweck-Maschine, die sich allenfalls durch eine größere Füllöffnung an der Oberseite und einen auswechselbaren Einsatz von normalen Top-Ladern unterscheidet, wurde ein Hit.

Für Ruimin ist das die Basis für den Erfolg. „Man muss flexibel sein“, sagt der Konzernchef. Um von solchen Ideen künftig noch früher zu erfahren, schulte Ruimin auch seine Vertriebsmannschaft in der Marktforschung. Sie soll dem Konzern von Kunden und deren Umgang mit den Haier-Geräten berichten. So entstand bei Haier auch eine Waschmaschine, die sogar in einem Spezial-Schleudergang Ziegenmilch in Butter verwandeln kann.

Der Stau in indischen Innenstädten ist legendär. Vier Jahre ist es her, dass Tejas Khsatriya in Mumbai in einer Kolonne im ersten Gang dahinrollte, was nicht nur seine Nerven, sondern wegen der Abgase auch seine Atemwege quälte. Der Fahrzeugingenieur beschloss, etwas gegen die Tortur zu tun – gegen die schlechte Umgebungsluft und den Spritverbrauch im Kriechgang.

Hybrid für 1.500 Dollar

Sein Ansatz: Revolo, eine Kombination aus Elektromotor und Batterie, mit dem sich jedes Auto in einen Hybrid umrüsten lässt. In niedrigen Gängen hilft der Elektromotor beim Beschleunigen, was bis zu 40 Prozent Kraftstoff sparen soll. Zwar sind solche Hybride, die sich mit Strom und Benzin fortbewegen, nichts Neues. Doch Khsatriyas Herausforderung und die seines Arbeitgebers, des Ingenieur-Beratungsunternehmens KPIT Cummins, war, eine Technik zu entwickeln, die nicht nur für indische Kunden bezahlbar war, sondern auch ohne große Umbauarbeiten in fast jedem Pkw und Kleinlaster installiert werden kann.

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